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Livebericht Bowmen (mit The Legendary )

Ein Livebericht von Rockmaster aus München (Backstage) - 12.08.2022 (1065 mal gelesen)
Nach zwei Jahren Zwangspause mit wenig nennenswerten Unterbrechungen geben sich die Münchner Bands THE LEGENDARY und die BOWMEN ein Stelldichein und rocken die lokale Musikinstitution "Backstage". Bevor die musikalische Darbietung beginnt, muss man neidlos anerkennen, dass die erste Band des Abends - beziehungsweise die in knappe Goldglitterhöschen bekleideten Damen, die deren Shirts und CDs unter die Leute bringen wollen, auch erfolgreich den ersten Hingucker am Merchstand provozieren. Der Blick auf die Bühne zeigt derweil ein ungewöhnliches Bild und einen mega-fairen Umgang der Bands miteinander. Anstatt wie üblich die Drumkits hintereinander aufzubauen (und so die erste Band quasi auf die verkleinerte Bühne zu zwängen), stehen die Kits von Tilly (BOWMEN) und Bam Bam (THE LEGENDARY) nebeneinander auf dem Drum Riser. Recht pünklich um acht dürfen dann die Musiker von

THE LEGENDARY


imgleftran. Bevor die Band die Bühne betritt, spielen sie den T.REX-Klassiker '20th Century Boy' von Konserve an. Dann erscheint Frontmann Thorsten "Thor(s)ti" Rock (wie schon seit Bandgründung) als wandelnes Rock'n'Roll-Klischee, oder vielleicht sollte man eher feststellen, er konterkariert so ziemlich alle. Sein auffälligstes Markenzeichen ist - klar - der Goldglitteranzug, in den er vielleicht 2013/2014, als sich THE LEGENDARY formierten, auch mal besser reingepasst hatte. Dazu nicht direkt passend kommt der Cowboyhut Marke Lemmy, und wenn die Band dann 'Kissin Kate' ins Publikum abfeuert, entsteht das in sich widersprüchliche Ambiente einer Truckerbar mit Rock'n'Roll statt Country & Western mitten in Las Vegas. Keine Frage: Die leicht trashige Note ist Teil des Programms (auch wenn der Rest der Band da nicht mitzieht), aber die Attitüde ist Bombe. Die Jungs starten auch bockstark, und bei den ersten Titeln darf man fürchten, sie könnten die Bude abreißen, bevor die BOWMEN überhaupt die Gelegenheit bekämen, ihre Amps auf 11 zu drehen. Kleine Unsicherheiten beim Intonieren verzeiht man live gerne, insbesondere da zu Beginn des Gigs der Eindruck entsteht, dass THE LEGENDARY mit Basti Philipps einen Mann am Bass haben, der den Groove atmet. Die Reaktionen des Publikums lassen erahnen, dass die Band eine erkleckliche Anzahl Fans im Schlepptau hat, und die Stimmung passt von Anfang an.

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Nach einiger Zeit wechseln THE LEGENDARY jedoch die Gangart. Thorsti und Neu-Gitarrist Roland Vencelj verlagern ihr Spiel deutlich in Richtung Schrammelrock, und der Drive, den Basti und Schlagzeuger Jürgen "Bam Bam" Wiehler den ersten Nummern verpasst haben, fällt ein wenig zurück. Bedauerlicherweise haben auch die zwei Jahre Pause ihre Spuren hinterlassen, denn die Groove-Maschine funktioniert nicht reibungslos - da scheint das letzte Quäntchen Timing durcheinandergekommen zu sein, womit - wie mir später zugetragen wurde - auch Basti nicht ganz zufrieden war. Dass Thorsti einen Titel lang wegen eines technischen Missgeschicks vergeblich die Gitarre stimmt, ist auch schade, aber hey, that's live. Die Tiefgründigkeit der Texte variiert ("Do you like my ***, is it really, really, really, really ***" - bitte mit Reimwörtern auffüllen, die sich wundervoll mit "chick" und "cheap trick" fortsetzten lassen), aber die Fans feiern trotzdem jeden Titel ab. Immerhin packt die Band zwischendurch und vor allem zum Schluss ihres Auftritts noch ein paar richtige Keulen aus. 'Gallows Tree' ist stark und die Zugaben auch. Und auf einmal haben die Jungs wieder richtig fette Rhythmen am Start und Bam Bam veranstaltet kurz ein richtiges Feuerwerk. Dankenswerterweise reißt sich Thorsti nicht - wie sich einige männliche und weibliche "Groupies" gewünscht haben - die Goldglitterhose vom Leib, und so lässt sich das Gerücht, er trüge ein ebenso goldenes Höschen drunter, nicht überprüfen. Unterm Strich lassen THE LEGENDARY immer wieder ihre Qualitäten durchblitzen, sind auf lange Distanz aber heute unter ihren Möglichkeiten geblieben. Die Pause ist kurz, und so fangen überraschend zügig die

BOWMEN


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zu spielen an. Nicht wenige werden im Biergarten neben der Halle von 'Frozen Time' überrascht, und so heißt es, schnell zurück in die Halle flitzen. Vermutlich sehen viele Zuschauer die BOWMEN zum ersten Mal live als Quartett, denn seit "Play Some Rawk" und dem Bleeding4Metal-Interview im Mai 2020 hat die Band in Person von Rhythmusgitarrist imgright Thomas "Bachi" Bachmann Zuwachs bekommen. Auf dem Album hatte imgleft Markus Escher noch alle Gitarrenspuren alleine eingespielt, live wird schnell klar, dass Bachi die perfekte Ergänzung ist, mit der es der Band gelingt, den fetten, heavy Sound des Albums live auf die Bühne zu bringen. Ein Blick in die Runde während der zweiten Nummer 'Victim' verrät indes eine traurige Wahrheit: Das Publikum ist Opfer des schönen Biergartenwetters geworden. Ein erklecklicher Teil der LEGENDARY-Fans hat sich vom gemütlichen Flair draußen korrumpieren lassen - oder ihnen sind die BOWMEN zu heavy oder ihre Rhythmuswechsel zu wenig "easy listening". Schade, Kinners, ihr verpasst was! Die Jungs jedenfalls lassen sich nicht lumpen und liefern vom Start weg eine klasse Show ab. Das Publikum - von dem offensichtlich nach bislang zwei Alben und nach zwei Jahren Live-Pause nicht jeder die Bowmen kennt - braucht ein paar Takte, aber spätestens bei 'Save Me' mit geilem Riff und Groove sind alle dabei.

Verglichen mit der ersten Band des Abends könnte man die Show der BOWMEN als schnörkellos bezeichnen. Mit Schnickschnack halten sich die Jungs nicht auf. Seit Bandgründung 2015 stand nichts als die Leidenschaft zum rohen, unbehauenen Rock - oder im englischen Wortspiel "raw" + "rock" = "rawk", nicht zu verwechseln mit der despektierlichen Bedeutung im englischsprachigen Raum - im Vordergrund, und so präsentieren sich die BOWMEN auch heute. Stefan Pfaffinger am Bass und Christian "Tilly" Klaus an den Drums sind live eine Wucht. Das, was sie spielen sieht alles total lässig aus, aber dem Groove kann man sich nicht entziehen. Auf zwei Gitarren klingt das Riffing von Markus und Bachi noch etwas heavier als auf den Studioscheiben. Allerdings gibt es auch bei diesem Auftritt kleine technische Schwächen. Markus Gitarrensoli sind im Gesamtsound nicht präsent genug, und Tilly hätte man bei seiner Ansage zu der sehr persönlichen Nummer 'Black Rain' mindestens ein wenig mehr Aufmerksamkeit gewünscht, gesanglich passt dann die Aussteuerung. Ansonsten merkt man den Jungs die etlichen gesammelten Jahrzehnte Bühnenerfahrung an. Da wackelt nix, jede Note ist absolut auf den Punkt. Markus traut sich auch live an die gefühlvoll intonierten Textzeilen, wo es sicher hier und da einfacher wäre, sie schlicht mit Schmackes rauszuhauen. Dafür garniert Markus einzelne Titel noch mit ein paar netten Screams. Einer der Höhepunkte des Auftritts ist zweifelsohne der Titel 'Make Racism Wrong Again', dessen Chorus mit drei sehr eigenständigen Gesangsstimmen (Tilly: Kopfstimme, Stefan: eigentlicher Chorus, Markus: Rap !!!) sich beim ersten Hören nicht so trivial erschließt, der aber einfach genial ist. imgleftimgright Zugaben schienen zuletzt ein bisschen aus der Mode gekommen zu sein, aber das Publikum will heute mehr und kriegt nach 'Play Some Rawk' noch zwei Titel draufgepackt, auch wenn sich die Band "den Krampf spart, runter zu gehen und wieder rauf zu kommen" (Zitat Stefan). Nach knapp anderthalb Stunden segeln dann auch die BOWMEN wieder in den Hafen ein. In der Zeit haben sie so viele Hooks ausgeworfen, dass eigentlich jeder als Knäuel von Angelschnüren nach hause gehen müsste. Mir jedenfalls gehen 'Pick Me Up' und einige der oben genannten Nummern schon wieder nicht aus dem Kopf.

Nach langer Durststrecke macht es auf jeden Fall richtig Bock, wieder auf live Shows abzufeiern. Schön für den Schreiberling ist es auch, wenn dann glückliche Neu-Fans mit frisch gekaufter CD von einem der Merch-Stände kommen und einem im Gespräch einzelne Eindrücke bestätigen. Und bei der lässigen Atmosphäre des Backstage ist auch die Chance groß, anschließend mit den Musikern im Biergarten anzustoßen. Und man merkt Markus, Stefan, Tilly und Bachi beim Bierchen an, was für ein riesen Brocken ihnen vom Herzen gefallen ist, dass sie endlich die Chance hatten, ihr aktuelles Album live auf der Bühne zu präsentieren.

Setlists


THE LEGENDARY


01. Kissin' Kate
02. Nylon
03. Blind
04. Half A Devil
05. Time After Time
06. QWD
07. Warlord
08. Wait On Me
09. Rocket Ship
10. Let's Get A Little High
11. The Dirt
12. Tomorrow
13. Golden Bell
14. This Is Me With Nothing
15. Gallow's Tree

Zugaben:
16. Sazerac Woman
17. Hard Rock Hotel
18. Shot In The Dark

BOWMEN


01. Frozen Time
02. Victim
03. Fly
04. Different Point Of View
05. Save Me
06. Crazy Horse
07. If You Think
08. Shine Your Light
09. Pick Me Up
10. lack Rain
11. Fire
12. Bowmen
13. I Am
14. Make Racism Wrong Again
15. Spacetrooper
16. Play Some Rawk

Zugaben:
17. Keep Rollin'
18. Lottery

Mehr Fotos gibt es in der Galerie


Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Heidl Fotografie.
Location Details
Backstage in München (Deutschland)
Website:https://www.backstage.info/
Adresse:Reitknechtstr. 6 (ehemals Wilhelm-Hale-Str. 38)
80639 München
Anfahrt:Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
1. Das neue Backstage findet Ihr direkt an der Friedenheimer Brücke (Reitknechtstraße 6, ehemals Wilhelm-Hale-Straße 38), nähe Hirschgarten.
2. Trambahnen 16/17 beziehungsweise Nachtlinie N17 bis Steubenplatz
3. Trambahnen 18/19 beziehungsweise Nachtlinie N19 bis zur Elsenheimer Straße
4. Bus 183 (U1/7 Rotkreuzplatz - Steubenplatz)

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