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Myrkur - M

Review von Opa Steve vom 13.09.2015 (1242 mal gelesen)
Myrkur - M Ich kann mir vorstellen, dass der Debüt-Longplayer "M" der dänischen Musikerin Amalie Bruun noch längere Zeit Fragezeichen in der Metal-Szene zurücklassen wird. Nicht nur die Musik auf "M" ist so widersprüchlich, sondern auch die ganze Persönlichkeit der Künstlerin, die hier unter dem Namen MYRKUR mit einigen Begleitmusikern auftritt. Amalie Bruun ist bis dato mit Indie-Pop unter eigenem Namen sowie als Duo unter dem Namen EX COPS auf dem Plan gewesen und tunnelte so völlig an der harten Musikszene vorbei. Und plötzlich stellt sich diese Frau, die neben sanfter (aber zugegebenermaßen guter) Musik schon auf Youtube-Clips fröhlich ihre Fashion-Tipps vorgeführt hat, als langjährige Metallerin vor und steigt ins Black Metal-Geschäft ein. Ein bisschen fühlt man sich an Jill Janus erinnert, die nach einer Karriere als Oben-Ohne-DJane im Playboy-Club auf einmal HUNTRESS auf den Plan rief und Metal als ewige Lebensmaxime predigte.

Genauso widersprüchlich wie die Person ist die Musik auf "M". Im Gegensatz zu Jill und HUNTRESS hat Amalie nie mit ihrer musikalischen Vergangenheit gebrochen. Das Album lebt von Gegensätzen aus sanfter Musik und engelsgleichem Gesang sowie viel Folk und Indie-Einflüssen auf der einen Seite, auf der anderen Seite von hässlichen Black Metal Riffs und verzerrten Screams. Ist dies nun ein Indie-Album mit Black Metal-Zutaten? Oder ist dies das harmonischste Black Metal-Album aller Zeiten? Die Motivation ist mir in der Tat nicht ganz klar, und in der Szene selbst wird die Dame sicherlich entweder als kompletter Fremdkörper wahrgenommen (wenn sie in weißen Kleidern und Covergirl-Makeup in der Natur posiert) oder als die neue Avantgarde schlechthin. Wichtig ist aber vor allem, dass Fräulein Bruun erkennbares Talent hat, und dass es absolut fatalistisch wäre, sie von einer reinen Lehre des Black Metals überzeugen zu wollen, nur damit sie ihrem Etikett auch gerecht würde. Denn gerade die sanften Töne ihres schwebenden Gesangs und das Gefühl für fesselnde Harmoniegefüge sind das absolute Kapital von MYRKUR, was reine Genre-Bands durch ihre Limitierungen nie ausleben können. Auch die oft zitierte Bruderschaft von Black Metal zum skandinavischen Folk wird dem meistens nicht gerecht, was hier auf "M" nochmal gesprengt wird. Zwar gibt es deutliche Folk-Einflüsse, diese klingen aber oft eher nach ENYA ('Nordlys') anstatt nach authentisch überlieferten Volksweisen. Der Indie-Pop, mit dem Amalie Bruun schon Erfahrung gesammelt hat, lässt sich bei MYRKUR nicht leugnen. Dies geht auch streckenweise bis in die melancholische Gothic-Richtung ('Onde Børn', 'Dybt I Skoven'), weiß aber immer zu gefallen, wenn man sich mal gedanklich vom Metal entfernt. Die Schnittmenge zum hässlichen Black Metal wird dann auch noch gern mit melodischem Gesang ausgefüllt, aber es gibt sie auch - die reinrassigen Black Metal-Stücke. Und die - das muss ich zugeben - klingen etwas bemüht. Vielleicht, weil der Kontrast so hart ist, wenn die Dame Blastbeats und unharmonisches, takt- und melodiefreies Gebrüll mit eiskalten Schredder-Riffs kombiniert. So was hat man eigentlich schon oft genug gehört. Und während man bei der sonstigen Mischung trotz Distortion-Gitarren verträumt hinwegdriftet, die wunderbaren Chöre genießt und eine starke Authentizität des Materials spürt, hat man bei den reinen Black Metal-Stücken wie 'Hævnen', 'Mordet' und 'Skadi' das Gefühl, dass hier doch der eine oder andere Setzkasten als Vorlage herhalten musste. Songwriterisch haben diese nämlich nur einen Bruchteil der Substanz und ziehen ihre Wirkung lediglich aus technischen Hilfsmitteln wie Vocal-Verzerrer und starkem Echo-Einsatz.

Ich habe keine Ahnung, was der wirkliche Antrieb hinter MYRKUR ist. Tatsache ist aber, dass abseits dieser Diskussion auf dieser Scheibe ein paar richtige Must-Have-Songs enthalten sind, die sich der Schubladenfrage einfach durch ihre Schönheit entziehen. Daher ergeht eine klare Kaufempfehlung, bei der man den zwanghaften Begriff "Black Metal" einfach mal als kleinen Störfaktor ignorieren muss.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. Skøgen Skulle Dø
02. Hævnen
03. Onde Børn
04. ølvens Spådom
05. Jeg Er Guden, I Er Tjenerne
06. Nordlys
07. Mordet
08. Byssan Lull
09. Dybt I Skoven
10. Skadi
11. Norn
Band Website: www.myrkurmusic.com/
Medium: CD
Spieldauer: 36:58 Minuten
VÖ: 21.08.2015

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