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Nile - What Should Not Be Unearthed

Review von Akhanarit vom 05.09.2015 (1810 mal gelesen)
Nile - What Should Not Be Unearthed Und wieder ist es soweit, dass die wohl musikalisch dominanteste Kraft auf dem Technical Death Metal-Sektor ein neues Album auf uns Sterbliche losgelassen hat. "What Should Not Be Unearthed", so der Titel des mittlerweile achten Studioalbums, ist natürlich wieder ein absoluter Brecher geworden. Wer etwas anderes erwartet hat, der hat NILE (noch) nicht richtig verinnerlicht.

Nun ist es aber auch so, dass der Vorgänger "At The Gate Of Sethu" gewaltig in der Kritik stand. Die Transparenz im Sound, die in erster Linie erschaffen wurde, um die technische Seite NILEs noch mehr hervorzuheben, gefiel dann doch nicht allen Fans und auch ich habe festgestellt, dass die Scheibe zwar musikalisch überwätligend war, jedoch sich auf lange Sicht nicht wirklich im Fokus halten konnte. Am deutlichsten wurde das immer wieder, wenn ich Lust hatte, NILE zu hören und wenn ich dann überlegt habe, welche Scheibe es denn diesmal sein soll, war so gut wie nie ein Verlangen nach "At The Gate Of Sethu" da. Ich habe es mir sogar hin und wieder bewusst aufgelegt, doch auch das hat nicht funktioniert. "Annihilation Of The Wicked", "In Their Darkened Shrines" und vor allem "Ithyphallic" waren einfach um so vieles fesselnder und hatten so viel mehr zu bieten, als absolute technische Präzision. Auch Karl Sanders hat sich diese Kritik sehr zu Herzen genommen und ging auch nach Veröffentlichung des Albums durch ein seelisches Tief. Kampfsport war dann der Ausgleich und brachte ihn wieder auf Spur. Somit konnte dann mit frischem Rückenwind "What Should Not Be Unearthed" angegangen werden und dafür sollte der Spieß einfach umgedreht werden. Härter, brachialer, weniger technisch und songdienlicher sollte das neue Album ausfallen, um verlorenen Boden wieder gut zu machen. Als dann einige Wochen vor Veröffentlichung das neue von Xaay umgesetzte Cover auf Facebook erschien, war die Vorfreude schonmal immens. Also wenn das nicht edel geworden ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Wenn ich das mit dem fast grottigen "In The Beginning"-Artwork vergleiche, muss ich selber grinsen!

Etwas Zeit ging ins Land und dann gab es den ersten Song 'Call To Destruction', der zugleich als Opener der Scheibe fungiert. Anstelle von Mythologie geht man ins Hier und Jetzt und bedient sich diversen Zitaten der vermeintlichen ISIS-IslamTerroristen, gefolgt von jeder Menge "We feel so offended"-Reaktionen. War ja abzusehen, dass selbst Zitate aus den eigenen Reihen Shitstorms auslösen würden. Man darf hier aber auch nicht alle über einen Kamm scheren, denn wie es numal so ist, fallen immer die Deppen als erstes negativ auf und auch die haben massive Kritiker auf Seiten friedliebender Muslime auf der ganzen Welt. Musikalisch ist der Track dennoch eine Wucht und auch wenn mir die mythologischen Aspekte gerade bei einer Band wie NILE immer wichtiger waren, mag etwas aktuelles Zeitgeschehen nicht ganz unwichtig sein. Andererseits habe ich für so etwas Medien, die sich mit derartigen Themen auseinander setzen und NILE machen einfach mehr Spaß, wenn sie unpolitisch bleiben. Trotz beeindruckenden Geballer hinterlässt der Eröffnungstrack also einen faden Beigeschmack. Die darauf folgenden 'Negating The Abominable Coils Of Apep' sowie das vor allem im Geschwindigkeitssektor faszinierende 'Liber Stellae Rubeae' sind dann wieder typische NILE-Kost, die Fans absolut zufriedenstellen wird, jedoch auch so ein wenig einlullt. Auf früheren Alben ging das ja immer so ein wenig in die "Track 1: meine Güte, fettes Brett, Track 2: holla, das fräst dir die Glieder ab, Track 3: unglaublich, NILE sind Gott, Punkt!"-Richtung. Das fehlt mir hier ein wenig, auch wenn unterm Strich der Daumen nicht mal ansatzweise nach unten zeigen wird. Das Wow-Erlebnis kommt aber dann doublebasstretenden Fußes und 'In The Name Of Amun' macht die Grätsche von ganz alten "Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka"-artigen Großtaten bis hin zu weitaus ausgefeilteren Ergüssen neueren Datums. Selbst die Chants, die man noch von 'Die Rache / Krieg Lied Der Assyriche' in Erinnerung hat, wurden hier geschickt eingeflochten. Begonnen wird jedoch in bester ägyptisch/traditionellen Akustikmanier. Der Titeltrack ist danach auch wieder ein Fall für Gänsehaut pur! Karl Sanders grollt sich wieder durch die Untiefen der Grabkammern und trotz der Härte bringen NILE unheimlich viel Atmosphäre in dieses Stück Todesmetall. Als zweite Vorabveröffentlichung durften Fans 'Evil To Cast Out Evil' ja bereits bestaunen und schon da gefiel der Track weitaus besser als das noch bei 'Call To Destruction' der Fall war. Dieser Song hätte auch ohne weiteres "Annihilation Of The Wicked" gut zu Gesicht gestanden und gerade Anhänger dieses Silberlings werden NILE auch hier wieder aus der Hand fressen. Keine Frage. Das darauf folgende 'Age Of Famine' schraubt dann erst wieder einen Gang zurück und bietet etwas Gelegenheit zum Durchatmen. Mit Instrumentalpassagen haben sich NILE diesmal ja besonders zurückgehalten, weswegen 'Ushabti Reanimator' schon beinahe alibimäßig eingeschoben wurde, mir jedoch super gefällt. Was ich jedoch von 'Rape Of The Black Earth' genau halten soll, weiß ich selber noch nicht so recht. Eine sehr schnelle und energiegeladene Nummer, die mich ein bischen an 'The Burning Pits Of The Duat' erinnert, dessen Faszination jedoch nicht so ganz erreichen will. Und auch das finale 'To Walk Forth From Flames Unscathed' ist kein unumstößliches Highlight geworden, auch wenn hunderte Bands ihre eigene Mutter verkaufen würden, um zumindest an dieses Niveau heranzureichen zu können. Bei NILE muss man sagen, dass es bestenfalls gehobener Standard ist.

"What Should Not Be Unearthed" ist also wieder ein spannendes Album geworden und ein würdiger Nachfolger für "At The Gate Of Sethu" ist die Scheibe ebenfalls. Ich habe nur ein wenig das Gefühl, dass man nach der Kritik am Vorgänger ein wenig zu krass ins Gegenteil umschlug. Dabei ist der Mittelweg genau die Richtung, in der NILE sich als unschlagbar erwiesen haben. Behaltet euer Selbstvertrauen und schert euch einen Dreck, was ich oder die anderen zu sagen haben. Ihr habt uns schließlich genau das gegeben, was wir wollten, ohne dass wir wussten, dass wir es wollten. Es wird sicher wieder einige Wochen dauern, bis ich "What Should Not Be Unearthed" in vollem Umfang begriffen habe und irgendwie geht es mir jedes Mal so mit einer neuen NILE-Scheibe. Doch ich denke, nach über zehn Durchläufen konnte ich mich zumindest mal an ein Review wagen. Nun ... Da habt ihr es!

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Call To Destruction
02. Negating The Abominable Coils Of Apep
03. Liber Stellae Rubeae
04. In The Name Of Amun
05. What Should Not Be Unearthed
06. Evil To Cast Out Evil
07. Age Of Famine
08. Ushabti Reanimator (Instrumental)
09. Rape Of The Black Earth
10. To Walk Forth From Flames Unscathed
Band Website: www.nile-catacombs.net/
Medium: CD
Spieldauer: 50:03 Minuten
VÖ: 28.08.2015

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Reviews

28.06.2012 At The Gate Of Sethu(9.5/10) von Akhanarit

05.09.2015 What Should Not Be Unearthed(9.0/10) von Akhanarit

Liveberichte

06.02.2018 Bad Oeynhausen (Druckerei) von Eddieson

04.04.2016 Osnabrück (Bastard Club) von Eddieson

01.09.2015 Bremen (Aladin Music Hall) von Eddieson

20.12.2012 Hannover (Capitol) von Eddieson

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