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Livebericht Manowar

Ein Livebericht von Tailgunner aus Krefeld (Kulturfabrik) - 16.06.2022 (1500 mal gelesen)
Dass es sich bei der Clubtour von THE LORDS OF STEEL eigentlich nur um MANOWAR höchstselbst und keine wie auch immer geartete Coverband handeln konnte, machte zumindest in meinem Umfeld ziemlich schnell die Runde und dürfte eigentlich jedem sofort klar gewesen sein, der sich nur einen Augenblick mit der Facebook-Seite von THE LORDS OF STEEL beschäftigt hat. Dennoch schien nach Aussage einiger Fans, mit denen ich in Krefeld gesprochen habe, der Besucherzustrom zum Tourauftakt in Münster Anfang Juni noch recht überschaubar gewesen zu sein. Somit ist Joey und Eric dahingehend doch ein kleiner Coup gelungen, denn von "Event-Publikum" war auch in Krefeld weit und breit nichts zu sehen. Offensichtlich bestand das "Fachpublikum" überwiegend aus beinharten MANOWAR-Fans.

Somit schon mal keine schlechte Voraussetzung, den Abend in vergleichsweise intimer Runde mit MANOWAR zu genießen. Denn eines muss man auch als Fan anerkennen, die Band hat nicht nur durch zum Teil merkwürdiges Geschäftsgebaren und abgesagte Festivalauftritte von sich reden gemacht, MANOWAR haben sich die letzten 20 Jahre ehrlich gesagt auch größer gemacht, als sie effektiv sind. Inklusive großer Venues und fragwürdiger Ticketpreise. Über die musikalische Entwicklung mag ich an dieser Stelle nicht urteilen, denn das soll jeder für sich selber bewerten und das gehört auch nicht in diesen Konzertbericht. Das Anfertigen von Bildern war übrigens eindeutig untersagt, weswegen dieser Bericht nun als etwas unattraktiver Textblock daherkommt.

Jedenfalls war es eine mehr als willkommene Gelegenheit, einen meiner ganz großen musikalischen Fixsterne noch einmal in einem kleinen Club zu sehen, und das zu einem vergleichsweise fairen Eintrittspreis. Die Motivation hinter dieser Tournee, die exklusiv Termine in Deutschland beinhaltete, erschließt sich mir nicht so ganz. Monetäre Interessen sehe ich da irgendwie nicht im Vordergrund, denn Joey hat oft genug bewiesen, dass er anders an sein Geld kommt. Der Fan in mir möchte glauben, dass sie da einfach mal Bock drauf hatten; wie wahrscheinlich das ist, sei mal dahingestellt. Am Ende war es vermutlich von allem etwas: Den Fans ein kleines Goodie zu geben, den neuen Mann an der Schießbude etwas fronttauglich für die kommende Tour zu machen und dabei noch die ein oder andere Mark mitnehmen.

So begaben wir uns also in die gut gefüllte, aber nicht zu volle Kulturfabrik, allerdings ließen MANOWAR die Fans auch erst mal etwas zappeln. Den anvisierten Auftakt um 21 Uhr riss die Band um gute 40 Minuten. Der leichte Frust darüber verflüchtigte sich allerdings umgehend, denn man konnte gar nicht anders, als über diesen unfassbar gut gelaunten, hochsympathischen Frontman zu staunen, der als letztes Bandmitglied die Bühne stürmte, als seine Kollegen bereits den üblichen Auftakt in Form von 'Manowar' anschlugen. Und bevor ich mich in einem ewigen Sermon verliere, komme ich hier unmittelbar auf den Punkt. Dass MANOWAR mittlerweile eine reine Joey/Eric Show sind, das ist natürlich nichts Neues. Aber insbesondere der Brasilianer E.V.Martel wirkte wie ein Statist und der Drummer machte eine Miene, als würde er unter Zwang spielen. Das war schlicht grauenhaft, das gehört in aller Deutlichkeit so gesagt. Diametral dem gegenüber dann Eric Adams, der mit seinem Charisma und unglaublicher Gesangsleistung, ich wiederhole: unglaublicher Gesangsleistung die Halle komplett dominierte. Es ist schier unfassbar, wie man mit nahezu 70 Jahren noch derart perfekt und kraftvoll über gut 85 Minuten diese unsterblichen Hymnen schmettern kann. Aus der zweiten Reihe war schon gut zu erkennen, wie Joey und Eric sehr wohl in die Jahre gekommen sind, jedoch kann ich hier nur feststellen, dass Metal wohl verdammt noch mal jung halten muss. Gesangstechnisch saß nicht nur jeder Ton, es wurde jeder hohe Schrei mit echter Leidenschaft und Inbrunst bist zum letzten Quentchen Luft in Erics Lungen zum Besten gegeben. Dass er dabei unfassbar sympathisch, dauergrinsend und hochmotiviert über die Bühne tigerte, machte das Konzert zu etwas wirklich Besonderen. Und ja, am Ende war der Mann richtig platt und ausgepowert, aber offensichtlich glücklich, was ich für mich nach diesem für mich vielleicht intensivsten aller MANOWAR-Gigs, die ich erleben durfte, oder meinetwegen erweiterter Probe, nennen wir es wie wir wollen, auf alle Fälle auch reklamieren kann. Was bleibt noch zu erwähnen? Die Setlist war angenehm ausgewogen. Es war keine reine Oldschool-Setlist, denn auch drei Songs des neuen Jahrtausends wurden zum Besten gegeben. Insgesamt aber eine sehr stimmige Setlist, der ich eine 9/10 geben würde. Joey hat keinerlei Ansagen getätigt, was ich durchaus erwähnenswert finde, haben wir da in der Vergangenheit doch einiges über uns ergehen lassen müssen. Mit zwei kurzen Bass-Soli hatte Joey dann anscheinend genug Rampenlicht. Sehr sympathisch: Am Ende des zweiten Solos musste er kurz aufgrund des aufbrandenden Applauses verstohlen grinsen und drehte sich sofort weg, um uns dann wieder mit seinem sturen Warriorface zu taxieren. Nach meinem persönlichen Empfinden standen an diesem Abend mitnichten zwei alternde Geschäftsmänner auf der Bühne, sondern zwei Vollblutmusiker, die möglicherweise die letzte intime Clubtour in ihrer Karriere absolviert haben. Mir wird dieser Abend definitiv im Gedächtnis bleiben. Nächstes Jahr dann leider wieder in großen Hallen und dann ist es sicherlich nicht mehr sooo lange hin, bis es dann wirklich heißt: This is the final battle!

Über Merchpreise mecker ich an dieser Stelle nicht, das ist bei MAIDEN und Konsorten auch nicht besser. Den wertigen Fotoband musste ich dann allerdings doch noch abgreifen und habe diese Entscheidung auch nicht bereut. All Hail MANOWAR!

Die Setlist:

1. Manowar
2. Dark Avenger
3. Defender
4. Gates Of Valhalla
5. Warriors Of The World United
6. Blood Of My Enemies
7. Kings Of Metal
8. Kill With Power
9. Hail And Kill
10. The Dawn Of Battle
11. Holy War
12. Fight Until We Die
13. Sign Of The Hammer

Encore:
14. Black Wind, Fire And Steel
Location Details
Kulturfabrik in Krefeld (Deutschland)
Website:https://kufa-reloaded.de

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