Die Vinyl-Manufaktur (Teil 5)

Ein Artikel von derkleinekolibri vom 14.01.2023 (48 mal gelesen)

Sicherlich ist es sinnvoll, besonders alles vor der eigenen Frau geheim zu halten. So lieb und unbedarft unsere Frauen sind, so schnell ist auch mal etwas gesagt, was besser ungesagt bliebe. Davon abgesehen, wie stark treffen dich denn Preissteigerungen und die sich vermutlich ständig ändernden Lieferbedingungen des Materials, das du benötigst? Gibt es eventuell Ausweichmöglichkeiten, wenn "Substanz A" zum Beispiel nicht lieferbar ist und du aber auf eine "Substanz B" zugreifen kannst?

Nico: Die aktuelle Situation geht natürlich auch an mir nicht spurlos vorbei und alleine in den letzten sechs Monaten hatte ich bei diversen Verbrauchsmaterialien mehrere Kostensteigerungen, die ich bisher so abfange, ohne dass ich bisher an den Kunden Preiserhöhungen weitergeben musste. Ob das auf Dauer so weiter funktioniert, hängt davon ab, wie sich die Preise im Einkauf entwickeln. Auf lange Sicht muss ich dann auch entsprechend reagieren, auch wenn ich das eigentlich nicht möchte. Auch was die Lieferzeiten angeht, merke ich, dass ich deutlich vorausschauender arbeiten muss und mir teils die Sachen mit einer deutlich höheren Stückzahl auf Lager lege, da ich sonst zu lange Leerläufe zwischen der Bestellung des Kunden und dem Start der jeweiligen Produktion habe. Ersetzen kann ich bestimmte Materialien wie den Kleber, mit dem ich arbeite, nicht. Hier wurde mit dem Hersteller eine Spezialformel entwickelt, die für meine Bedürfnisse extra angemischt wird und ich somit leider auch in einer gewissen Abhängigkeit bin. Aber abhängig ist man ja ständig von etwas. Von daher muss man wohl damit leben.

Benötigst du für die Fertigstellung eines Liquid oder Sandy Vinyls einen Tag oder sind mehrere Schritte notwendig, die man nicht an einem Tag durchführen kann? Ich denke da zum Beispiel an einen Klebevorgang, bei dem der Kleber länger aushärten muss.

Nico: Ja, da kommt es auf die Version an, was für eine Veredelung der Kunde möchte. Zum Beispiel bei einer Liquid Vinyl ist man mit mehr Arbeitsschritten beschäftig, die nicht am Stück durchgeführt werden können, als bei einer mit Sand gefüllten Platte. Eine Kreativ Vinyl ist da noch mal anders aufgebaut. Grundsätzlich ist es aber so, dass immer Zwischenschritte nötig sind, da Trocknungs- oder Aushärtungsprozesse stattfinden und teilweise die Platten zwischen den Arbeitsprozessen auch ruhen müssen, damit es zum Beispiel keine "Schönheitsfehler" gibt. Dadurch entstehen dann auch die Lieferzeiten ab der Warenanlieferung von sechs bis acht oder mehr Wochen, die der Kunde bis zur Auslieferung der Ware einplanen muss.

Stellst du ausschließlich das Vinyl her oder bist du auch verantwortlich dafür, dass die Labels aufgeklebt werden?

Nico: Nein, ich stelle das Vinyl nicht selber her. Das gepresste Vinyl wird vom Kunden angeliefert und ich verarbeite dieses dann weiter. Im Idealfall liefert der Kunde dann einseitig bespielte Schallplatten an. Sprich, einmal nur die bespielte A-Seite und einmal nur die B-Seite bespielt. Dadurch, dass dann jeweils eine unbespielte Seite vorhanden ist, kommen die Effekte deutlich besser raus. Das musste ich aber auch erst herausfinden.

Ausgesprochen gut finde ich, dass du dich nicht auf eine einzige Musikrichtung beschränkst, sondern relativ offen für alles Mögliche zu sein scheinst. Was würdest du ablehnen, auch wenn man dir sehr viel Geld für die Produktion bieten würde?

Nico: Na ja, es ist ja kein Geheimnis, dass ich vor kurzem erst zum Beispiel eine 300er Auflage des neuen RAMMSTEIN-Albums einer mit Sand gefüllten Veredelung abgelehnt habe. Hintergrund war hier nicht die Band an sich, sondern das Label-Konstrukt, was dahintersteht. Ich versuche, so weit wie möglich Abstand von Major Labels, also den großen Playern in der Musikbranche, zu halten, da es hier erfahrungsgemäß knallhart zugeht und wenn als Beispiel von einer Produktion von 300 Platten eine nicht den Wünschen des Kunden entspricht (zum Beispiel Farbschwankungen bei den Flüssigkeiten), dann wird einem die komplette Produktion inklusive Schadensersatzforderungen, um die Ohren geworfen und na ja, kannst ja ausrechnen, was das für so ein kleines Start-Up wie mich heißen würde. Ich arbeite viel lieber mit kleinen Indie-Labels zusammen, die meine Arbeit wertschätzen und wissen, was sie daran haben.
Ansonsten steht ja auch auf meiner Internetseite, dass ich weder homophobe, sexistische noch faschistische Projekte unterstütze und diese grundsätzlich ablehne. Schlimm, dass man sowas explizit auf seiner Seite erwähnen muss und nicht einfach grundsätzlich überall Standard ist! Ja, und was ich natürlich auch nicht mache, sind sogenannte Bootlegs erstellen. Da habe ich auch schon Anfragen erhalten und dankend abgelehnt, da ich mich damit mindestens in Teilen strafbar mache, auch wenn der Kunde am Ende im Auftragsformular bestätigen muss, dass er die Lizenz besitzt, diese Veredelung von mir durchführen zu lassen.

Gibt es noch irgendwelche Dinge, die du dem interessierten Leser mit auf den Weg geben möchtest? Eventuell wären Ratschläge bezüglich der Handhabung, der Lagerung und des Versands der Liquid und Sandy Vinyls sinnvoll, es sei denn, du legst den Scheiben ohnehin eine Information bei.

Nico: Ja, die Lagerung der Liquid Vinyl ist ungemein wichtig und ich verweise immer wieder darauf. Diese Informationen finden sich auf meiner Internetseite und sollten unbedingt beachtet werden, damit man lange Spaß und Freude mit den Platten hat. Ansonsten sollte klar sein, dass man auch mit veredelten Schallplatten kein Frisbee spielt oder diese an das Fenster bei praller Sonneneinstrahlung stellen oder hängen sollte. Ansonsten habe ich inzwischen für die Liquid Vinyl auch Aufkleber, die auf alle Innenhüllen geklebt werden, damit die Käuferinnen und Käufer beim Auspacken auch direkt sehen, was zu beachten ist.


Besonders von Interesse dürfte die Frage sein, welche Projekte in naher Zeit anstehen, bei denen es um Rock-Musik jedweder Art geht?

Nico: Ja, von OVERKILL hab ich gerade erst eine 25er Auflage machen dürfen und es stehen viele Projekte an, die ich allerdings noch nicht erwähnen darf, da vor der offiziellen Ankündigung von Seiten der Label Stillschweigen vereinbart ist. Wer auf dem neuesten Stand sein möchte, wenn was angekündigt wird und ich auch entsprechend dafür werben darf, dann erfahrt ihr das am besten auf meinem Instagram-Kanal oder unter dem Hashtag #vinylmanufaktur.

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© Nico Michaelis

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