Whom Gods Destroy - Insanium

Review von Rockmaster vom 01.04.2024 (689 mal gelesen)
Whom Gods Destroy - Insanium Puh, das wird schwer! Mein Problem: Die Erwartungen sind gigantisch! Fangen wir mit den leichten Aufgaben an: Leicht ist es, aus dem Piano-Intro von 'In The Name Of War' den typischen Stil von Derek Sherinian herauszuhören. Noch schnell ein Blick in eines der aktuellen YouTube-Videos geworfen, eine Doubleneck mit normalem und Fretless-Hals gesehen, wenn das nicht Ron "Bumblefoot" Thal ist, dann fress ich einen Besen und die Doubleneck dazu. Und wer meinen Reviews folgt, wird vielleicht bemerkt haben, dass es mir viel Vergnügen bereitet hat, zwei Werke der SONS OF APOLLO zu rezensieren, bei denen beide Musiker bereits in die Tasten gehauen beziehungsweise die Doubleneck gezupft haben. Und wer den SONS OF APOLLO gefolgt ist, wird traurig registriert haben, dass die Supergroup dem blitzestrotzenden Zorn des Zeus (in Form der Corona-Unterbrechungen zum absoluten Un-Zeitpunkt und - hier bemerkt man bei einzelnen Musikern persönliche Enttäuschungen - dem engen Terminplan eines vielbeschäftigten Mike Portnoy) Tribut zollen musste und sich konsequenterweise aufgelöst hat. Unschwer erkennt der geneigte Zuhörer, dass Derek und Ron auch bei WHOM GODS DESTROY treibende Köpfe sind. Den übrigen Cast kann man natürlich mal schnell hören, ansonsten muss man die Namen bei den üblichen Quellen erst einmal recherchieren. Der Vergleich mit den SONS drängt sich leider stets auf, entschuldigung, dass ich das nicht ausblenden kann. Zunächst macht Sänger Dino Jelusić, der sich laut www.metal-archives.com bislang nur in hierzulande unbekannten Projekten als Vokalist hervortun durfte, eine gute Figur (dass er laut der gleichen Quelle als Fünfjähriger einem Projekt DINO JELUSIĆ seine Stimme geliehen haben soll, würde ich ernsthaft in Frage stellen, und wenn es doch so war, würde ich die Relevanz dieser Tatsache gerne relativiert wissen). Yas Nomura hat bislang keine in die westliche Welt tradierten Referenzen aufzuweisen und bekommt auch zwischen Derek und Ron keine größere Bühne. Bruno Valverde sitzt immerhin seit einem Jahrzehnt bei der brasilianischen Formation ANGRA auf dem Drumriser, aber mir ist er bislang kein Begriff.

Ähnich wie bei den SONS versuchen WHOM GODS DESTROY ein breites Spektrum an musikalischen Variationen zu bedienen. Mal machen die beiden Ausnahmeinstrumentalisten Derek und Ron ganz ihr Ding und verlieren sich in ausufernden Spielereien und Soli, und mal stecken sie ganz zurück und transportieren Muster des klassischen Songwritings. Sänger Dino kommt kraftvoll rüber und hat in aller Regel eine Power, die man sich von Jeff Scott Soto an der ein oder anderen Stelle gewünscht hätte. Bruno ist ein super Drummer, aber hier drängt sich das erste große "Aber!" auf. Ob er Mike nacheifert oder nicht, sei dahingestellt. Aber während die beiden Altmeister davongaloppieren, hört sich Brunos Spiel immer wieder an wie Rih, wenn er gehobbelt ist (eine kleine Referenz an alle Karl May-Leser). Nicht, dass Bruno nicht versuchen würde, das Schlagzeugspiel variabel zu gestalten und mit Fills anzureichern, auch seine technischen Fertigkeiten würde ich hier nicht in Zweifel ziehen, aber in den Momenten, in denen die Musik groß und episch wird, wird sein Spiel den Mitstreitern nicht gerecht. Dino, wie bereits erwähnt, punktet mit einer kräftigen Stimme. Vielleicht möchte ich Jeff Scott in der Retrospektive kritisieren, dass er gelegentlich - gesangstechnisch - nicht an die Größe seiner Musikerkollegen heranreichte. Aber, wo Dinos - größere - Power hinter den Instrumenten zurückbleibt, hatte Jeff Scott dereinst stets dermaßen viel Pathos in die Waagschale geworfen, dass der Zeiger immer wieder ausgeglichen war. Dass Yas über die Länge des Albums zumeist blass bleibt (ein kleines, schönes Solo darf er bei 'Hypernova 158' präsentieren), wollen wir nicht überbewerten. Auch Billy Sheehan hat sich auf den Studioscheiben der SONS oft in den Hintergrund gestellt und einfach songdienliches Rhythmusspiel beigesteuert. 'Crawl' ist für mich die beste Nummer auf der Scheibe, und gleichzeitig ein Musterbeispiel dafür, dass die Rhythmusfraktion einfach kein Feuer entfacht und Dino den beiden Solisten nicht viel entgegenzusetzen hat. Unterm Strich stört mich am meisten, dass die Wechsel zwischen progressivem Gefrickel und klassischem Songwriting recht erratisch wirken und die (halb-)göttlichen Momente in der ansonsten sterblichen Welt effektlos verpuffen.

Kommen wir zum Namen der Kombo - wenn das keine Anspielung sein soll und nicht ungenannte antike Götter auf Apolls Halbgötter-Erbe herumtrampeln - oder nachtreten - sorry guys, wie groß sind denn die Egos hier? Nimmt man sich Normalsterbliche zu Hilfe, um sicher zu sein, die übriggebliebene göttliche Kraft in der Hand zu haben? Nicht, dass ich annehmen würde, in der Vorgängerformation seien die Egos geringer gewesen. Aber da waren sie auf Augenhöhe, und jeder war für jeden Korrektiv und Konkurrenz. Bei den göttlich Zerstörten lässt man zwei Halbgötter tun und lassen, was ihnen gefällt. Was dabei rauskommt, ist sicher absolut überdurchschnittlich. Aber, wie eingangs erwähnt: Wie soll man das an einer unbeschreiblichen Erwartung messen? Möchte man dem Vernichtungswerk der Götter länger zuhören oder lieber mit einem 'Requiem' zu Grabe tragen? Die Erwartungen jedenfalls wurden bei mir tief enttäuscht. Da muss mehr himmliche Inspiration her!

Gesamtwertung: 6.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood dry dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. In The Name Of War (6:39)
02. Over Again (5:02)
03. The Decision (7:09)
04. Crawl (6:37)
05. Find My Way Back (5:47)
06. Crucifier (4:44)
07. Keeper Of The Gate (4:55)
08. Hypernova 158 (3:25)
09. Insanium (8:38)
10. Requiem (Bonus Track) (4:59)
Band Website:
Medium: CD, LP, Digital
Spieldauer: 57:56 Minuten
VÖ: 15.03.2024

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten