Greydon Fields - Otherworld

Review von derkleinekolibri vom 01.02.2024 (1146 mal gelesen)
Greydon Fields - Otherworld Warum nur streben einige Menschen ständig danach, die Größten, die Reichsten oder die Schönsten zu sein? In einer Welt der Superlative - man denke nur an das größte Kreuzfahrtschiff, das längst das Maß alles Sinnvollen überschritten hat und seit ein paar Tagen unsere Weltmeere durchkreuzt - gibt es Millionen kleiner Dinge, die es ebenfalls verdienen, gewürdigt zu werden. Eben solch eine "Kleinigkeit" mit einer Masse von gerade mal 75 Gramm flatterte mir vor einigen Tagen ins Haus. Eine CD in einem Digipack, dessen optischer und haptischer Zustand Großes erhoffen lässt. Seit 2019, als GHOSTHER ihr Album "Through Fire" veröffentlichten, habe ich ein solch fantastisches Coverartwork nicht mehr gesehen. Wir sprechen übrigens von GREYDON FIELDS, einer in Essen beheimateten Heavy Metal-Band. In den Genen der vier Mitglieder Volker Mostert (Vocals), Gregor Vogt (Guitars), Robert Hofmann (Bass) und Marco Vanga (Drums) stecken außerdem noch einige Spuren Power Metal und Thrash. Die Diskografie besteht nun aus fünf Werken, die von Mal zu Mal besser wurden. 2013 erschien "Room With A View", 2015 "The God Machine", 2018 "Tunguska", 2020 "Warbird" und im Dezember 2023 "Otherworld". Kleiner Tipp am Rande: Vinyl wird es irgendwann im März 2024 geben.

Bereits live erlebt und auch die komplette Diskografie im CD-Regal stehen habend hätte ich mir nicht vorstellen können, dass dem herausragenden "Warbird" jemals ein noch besseres Album folgen könnte. Doch GREYDON FIELDS wären nicht GREYDON FIELDS, würden sie nicht akribisch weiter daran arbeiten, immer noch ein Stück besser zu werden. Einen immensen Anteil am glasklaren, druckvollen und gleichzeitig natürlichen Sound des Longplayers hat der Schwede Dan Swanö, der im Unisound Studio sein talentiertes Händchen anlegte und eine großartige Leistung vollbrachte. Endlich mal wieder eine Produktion, die sich kein bisschen nach den Hörgewohnheiten von Smartphone-Jüngern und Brüllwürfel-Fetischisten richtet.

Das 12-seitige, auf Hochglanzpapier gedruckte Booklet gibt nicht nur Auskunft über die Texte, denen Volkers Stimme Ausdruck verleiht, sondern auch darüber, was die Inspiration zu den Lyrics war. So dreht es sich bei 'The Machine' um eine Story des britischen Autors Edward Morgan Forster aus dem Jahre 1909 und 'Otherworld' verdankt seine Existenz dem mit Horrorelementen gespickten Mystery- und Psychothriller "The Others" des Regisseurs und Drehbuchautors Alejandro Amenábar aus dem Jahre 2001. Und so erhält man für jeden Titel eine Erklärung, die an manchen Stellen sogar sehr nachdenklich macht und erschreckend realitätsbezogen ist. So wusste ich beispielsweise in Ermangelung geschichtlicher Kenntnisse nichts von der Bezeichnung einer Fluchtroute nach Südamerika, die Verbrecher des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte nahmen, um der gerechten Bestrafung zu entkommen. Diese Route wird im gleichnamigen Titel 'Ratline' behandelt. Liest man sich den Text dazu durch, ergreifen beklemmende Gedanken Besitz von einem. Gregor kann man zu seinem genialem Songwriting nur gratulieren, erlangen doch die Lyrics eine klangliche Umsetzung vom Allerfeinsten. Virtuos unterstreicht er obendrein seinen Anteil am Gelingen von "Otherworld" mit seinem filigranen, technisch ausgereiften Spiel des sechssaitigen Instruments, das er live ebenso gut einzusetzen weiß. Schlagzeuger Marco ist nicht gerade zu beneiden. Er treibt seine vor ihm auf der Bühne stehenden Mannen zu Höchstleistungen an und setzt Energien frei, die denen der Eruption eines irdischen Vulkans namens Eyjafjallajökull im Jahre 2010 gleichkommen. Schließlich ist da noch Robert, der Bassist, dem man keinesfalls nachsagen kann, er würde nur im Hintergrund werkeln und man könne ihn getrost wie dereinst METALLICA auf einem ihrer Alben vergessen. Nichts da!

Zur DNA der Essener Jungs gehören die Frühwerke keiner geringeren Bands wie ACCEPT, IRON MAIDEN, METALLICA, QUEENSRŸCHE und TESTAMENT. Bei solchen Einflüssen verwundert es nicht, dass hier ein Heavy Metal-Meisterwerk entstanden ist, das seinesgleichen sucht. Ich frage mich: Wie wollen die Jungs das noch jemals toppen? Ich behalte euch im Auge! Versprochen!

Wenn ich die Wahl hätte, entweder eine Woche kostenlos auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt zu verbringen oder sieben Tage lang in verschiedenen Städten sieben Konzerte von GREYDON FIELDS beiwohnen zu können, dann gäbe es für mich keine Frage, wie die Antwort lauten würde. Wer meine Ausführungen zuvor aufmerksam gelesen hat, dem muss ich nichts weiter sagen, gell?

Gesamtwertung: 10.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood blood
Trackliste Album-Info
01. The Machine
02. Otherworld
03. Seven Years
04. Ratline
05. Talk To The Hand
06. Another Dawn
07. Time Is A Killer
08. Reanimator
09. The Eternal Idol
Band Website: www.greydonfields.com
Medium: CD, LP, Digital
Spieldauer: 41:21 Minuten
VÖ: 01.12.2023

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten