Interview mit Niki Bojakov von Eufobia

Ein Interview von Schankwirt Arnie vom 28.10.2022 (546 mal gelesen)
INTERVIEW EUFOBIA / BLEEDING4METAL

Niki Bojakov (Guitar, Vocals, Frontman) interviewt von Schankwirt Arnie (Chris)

Hallo Niki, vielen Dank, dass du dir etwas Zeit nimmst, um ein Interview für Bleeding4Metal mit mir zu führen. Wie geht es dir heute?

Niki Bojakov: Mir geht's blendend, Chris. Heute ist ein schöner Tag.

Vor nicht allzu langer Zeit hast du mit deiner Band EUFOBIA das dritte Studioalbum "Madness" veröffentlicht. Kannst du kurz beschreiben wie das Album entstanden ist?

Niki Bojakov: Dieses Album zu erstellen war sehr schwierig, weil wir es während der Corona-Pandemie aufgenommen haben und weil wir keine Kompromisse akzeptieren wollten. Es hat lange gedauert, aber es hat sich gelohnt, und wir sind mit dem Endergebnis sehr zufrieden. Fast jeder Metaller, der das Album gehört hat, sagt, dass "Madness" das beste Album ist, das EUFOBIA je veröffentlicht haben, und dem stimme ich vollkommen zu.

Waren die Songs vor dem geplanten Studiotermin bereits fertig arrangiert?

Niki Bojakov: Nein, nicht wirklich. Es gibt zehn Songs auf dem Album. Nur sieben von diesen waren fertig, bevor wir ins Studio gegangen sind. Die anderen waren halbfertig und wir mussten ein bisschen improvisieren. Dadurch ist das Album interessanter geworden. Außerdem haben wir einige Melodien, von denen wir dachten, dass sie bereits fertig sind, in den Songs modifiziert, damit sie besser klingen.

Euer vorheriges Album "Eufobia" wurde 2016 veröffentlicht, und euer Debüt "Cup Of Mud" bereits 2011. Was habt ihr im Bezug auf die Vorgängerplatten bei den Aufnahmen diesmal anders gemacht?

Niki Bojakov: Das Album "Madness" hat den Anfang einer neuen Ära für EUFOBIA markiert. Davor hatten wir mit unserer Musik experimentiert, weil wir unseren eigenen unverwechselbaren Stil finden wollten. Als wir die Songs für "Madness" aufgenommen haben, hatten wir zum ersten Mal das Gefühl, dass die Musik absolut perfekt klingt, so wie sie ist. Endlich haben wir gefunden, was wir bis dahin gesucht hatten. Außerdem hatten wir mittlerweile genug Erfahrung, um zu wissen, was wir tun mussten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Als wir im Studio waren, um unsere vorherigen Alben zu produzieren, haben wir viele mehrstimmige Melodien aufgenommen. Wenn man die Songs zu Hause hört, klingen sie großartig, aber wenn wir auf der Bühne spielen, ist es unmöglich, diese Songs genauso zu spielen, wie sie auf den Alben aufgenommen wurden. Aus diesem Fehler haben wir gelernt und wir haben die Songs für das Album "Madness" so produziert, dass sie genau wie auf der CD klingen, wenn wir sie auf der Bühne spielen.

Beschreib mir und den Lesern doch bitte mal euer Songwriting! Wie geht ihr hierbei vor?

Niki Bojakov: Es ist kein Geheimnis, dass ich den Großteil der Musik und fast alle Texte schreibe, obwohl auch die anderen Bandmitglieder manche Ideen geben. Gewöhnlich erscheinen die Melodien spontan in meinem Kopf, nicht nur wenn ich zu Hause meine Gitarre spiele, sondern zum Beispiel auch wenn ich auf der Straße spazieren gehe. Alles passiert in meinem Kopf. In meinem Schädel werden all die komplizierten Melodien und verrückten Texte geboren, aber dann brauche ich meine Bandkollegen, die mir helfen, diese rohen Ideen in vollständige Songs zu verwandeln.

Generell wird in der Metal-Szene viel mit unterschiedlichen Gitarren- /Basstunings experimentiert. Wie ist das bei euch? Habt ihr euch für das Album auf ein bestimmtes Tuning festgelegt? Welche(s) Tuning(s) nutzt ihr?

Niki Bojakov: Wir experimentieren lieber mit der Musik und nicht mit dem Tuning unserer Musikinstrumente. Ich muss zugeben, dass wir von der alten Schule und ein bisschen konservativ sind. Ivan, unser anderer Gitarrist, und ich haben schon immer siebensaitige Gitarren benutzt und wir werden sie niemals ersetzen. Unser Tuning war schon immer das sogenannte Drop A. Das heißt: 1E,2B,3G,4D,5A,6E,7A. Die Lieblingsbassgitarre unseres Bassspielers hat vier Saiten und das Tuning ist 1D,2A,3E,4A.

Val Volegna ist für euer wirklich gelungenes Cover-Artwork verantwortlich. Beschreibe doch bitte kurz, welchen Bezug das Artwork zu der Musik und den Lyrics hat.

Niki Bojakov: Val Volegna hat nicht nur das Artwork des Albums gemacht, sondern auch das wunderschöne Video zum Song "Madness" gedreht. Er ist einer der talentiertesten Menschen, die ich je getroffen habe. Das Cover-Artwork reflektiert die Idee der Texte perfekt. Ich erkläre dir gleich warum. Unsere Hauptinspirationsquelle ist das Leben selbst, aber heutzutage haben die meisten Leute das Gefühl, dass die Welt, in der wir leben, bald eine schreckliche Dystopie wird. Wenn wir jetzt nichts tun, werden wir bald unsere Freiheit verlieren. Deshalb müssen wir protestieren. Wir müssen gegen den unsichtbaren Feind kämpfen und wir dürfen niemals aufgeben. Aus diesem Grund schreibt EUFOBIA heutzutage Songs für Rebellen.

Wie war eure Zeit, die ihr im Studio verbracht habt? Gibt es eine witzige Studio-Story, die du unseren Lesern mitteilen willst?

Niki Bojakov: Wie ich dir bereits gesagt habe, haben wir dieses Album während der Corona-Pandemie aufgenommen und aus diesem Grund haben wir mehr Zeit als sonst gebraucht, um es fertigzustellen. Wir hatten auch andere Probleme. Ich will mich nicht daran erinnern. Manche Bandmitglieder wurden krank und so weiter. Zum Glück sind heute alle wieder gesund. Witzige Geschichten gab es aber kaum.

Seid ihr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Constantine Gentschev, der das Album auch produziert hat?

Niki Bojakov: Ja, mit unserer Zusammenarbeit sind wir sehr zufrieden, weil Constantine der richtige Mann für den Job war. Ich bin ihm sehr dankbar. Ohne seine Hilfe hätten wir es nicht geschafft. Ich glaube, dass wir während des Prozesses gute Freunde geworden sind und wir wollen, dass er auch das nächste Album von EUFOBIA aufnimmt.

Mich persönlich interessiert immer, welches Equipment die einzelnen Musiker in einer Band benutzen. Welches Equipment benutzt ihr und auf was davon könntet ihr auf gar keinen Fall verzichten?

Niki Bojakov: Wirklich? Mich auch. Es freut mich, dass wir uns ähnlich sind. Die Gitarren, Verstärker und Effekte, die ich nutze, wurden von mir sorgfältig ausgewählt, damit ich den passendsten Ton für unsere Musik damit produzieren kann. Diese Auswahl basierte auf dem Prinzip von "Versuch und Irrtum" und es hat mich einige erhebliche finanzielle Verluste gekostet. Ich bin ein großer Fan von den siebensaitigen Ibanez-Gitarren mit Tremolo. Auf diese werde ich niemals verzichten können. Ich habe zwei solche Gitarren. Der andere Gitarrist Ivan hat auch so eine Gitarre. Mein Gitarrenverstärker ist ein Marshall Dual Super Lead. Das ist ein gutes klassisches Modell. Ivans Verstärker ist auch Marshall, aber ValveState. Das ist das Modell, das mein Lieblingsgitarrenspieler Chuck Schuldiner benutzt hat. Viele Leute unterschätzen dieses Modell, weil es billig ist, aber es klingt großartig. Glaub mir! Außerdem benutzen wir verschiedenartige Effekte von Boss. Unser Bassspieler Stefan spielt zwei klassische Ibanez-Bassgitarren, einen Ampeg-Bassverstärker, Darkglass-Effektgeräte und MXR Preamps. Unser Schlagzeuger Blago hat ein Pearl-Drumset, eine Tama Iron Cobra-Doppelfußmaschine, ein Alesis Drum-Modul und natürlich viele verschiedene Becken.

Um das Gespräch nun etwas von eurem neuen Album fortzubewegen, habe ich noch ein paar weitere allgemeine Fragen an dich. Als Musiker steht einem selbst nicht nur die eigene Musik im Vordergrund: Welche drei Platten sind folglich für dich unverzichtbar?

Niki Bojakov: Das ist eine schwere Frage. Ich könnte leicht Hunderte von Alben nennen, die ich sehr mag und die mich beeinflusst und inspiriert haben. Jetzt darf ich nur drei Alben auswählen, nicht wahr? Gut. Das erste ist ''Symboli'' von DEATH, das zweite ist ''Roots'' von SEPULTURA und das dritte ist ''The Antidote'' von MOONSPELL. Wenn du mir diese Frage nach ein paar Jahren noch einmal stellen würdest, könnte die Antwort übrigens ganz anders sein.

Gibt es Vorbilder, an denen du dich orientierst? Ich habe gelesen, dass du ein riesiger DEATH-Fan bist!

Niki Bojakov: Ja, das stimmt. DEATH ist meine Lieblingsband. Ich glaube, dass Chuck Schuldiner einer der talentiertesten Musiker war, die je gelebt haben. Er ist ein echtes Vorbild für mich, aber das bedeutet nicht, dass ich wie Chuck spielen will. Ich will den Stil keines bestimmten Musikers nachmachen. Eigentlich höre ich nicht nur gern Death Metal, sondern auch Rock, Grunge, Punk, Black Metal und so weiter. Ich habe vielfältige musikalische Einflüsse und das macht die Musik, die ich selbst komponiere, interessanter und ungewöhnlicher.

Inwieweit wird hierdurch eure Musik beeinflusst?

Niki Bojakov: Wahrscheinlich haben unsere Lieblingsbands uns stark beeinflusst. Andererseits glaube ich, dass die Kreativität eines Künstlers keine Grenzen haben darf. Wir spielen Death Metal von der alten Schule, weil wir dieses Genre sehr mögen, aber andererseits haben wir keine Angst davor zu experimentieren - und aus diesem Grund klingt unsere Musik nicht ganz typisch Death Metal. Wir hoffen, dass die Leute uns so schätzen, wie wir sind, weil wir unsere Musik nicht ändern würden um populärer zu werden. Wir werden uns immer selbst treu bleiben.

In Bulgarien habt ihr euch mittlerweile einen Namen gemacht und bereits größere Festivals und Konzerte dort gespielt. Beschreibe doch bitte mal die bulgarische Musikszene!

Niki Bojakov: EUFOBIA teilen oft die Bühne mit weltberühmten Bands und außerdem geben wir viele Konzerte im Ausland. Das gibt einer bulgarischen Band einen ziemlich guten Status zuhause. Die bulgarische Musikszene ist verrückt! Es gibt viele Metal-Konzerte in Bulgarien, viele großartige Bands und eine wahre Armee von treuen Metal-Fans. Leider gibt es keine weltberühmte bulgarische Band. Aber deshalb interessieren sich meine Landsleute wahrscheinlich mehr als die anderen für die Underground-Bands. Bulgarien ist klein und die Metaller kennen sich. Jedes Mal, wenn ich zu einem Konzert gehe, sehe ich viele bekannte Gesichter. Die Fans und die Bands gehören zur selben Familie.

Das klingt sehr familiär und spannend. Innerhalb Europas seid ihr in den letzten Jahren auch viel rumgekommen und habt, wie du bereits erwähnt hast, mit namhaften Bands die Bühne geteilt. Was ist das Verrückteste, das euch bisher auf Tour passiert ist? Sind aktuell noch Tour-Aktivitäten geplant?

Niki Bojakov: Natürlich haben wir schon einige Konzerte geplant. Wir blicken immer in die Zukunft. Bis Ende des Jahres haben wir noch vier Konzerte in Bulgarien und Rumänien gebucht und wollen dann Anfang nächsten Jahres eine große Tournee in Bulgarien organisieren. Im Sommer spielen wir auf der Bühne einiger Festivals in Bulgarien und Rumänien und dann, wenn wir Glück hätten, könnten wir vielleicht eine Tour in Europa buchen. Es gibt viele lustige Situationen, wenn man unterwegs ist. Einmal haben wir die Bühne mit MALEVOLENT CREATION in der wunderschönen Stadt Varna geteilt. Die Stadt ist fünfhundert Kilometer von Sofia entfernt. Am frühen Morgen haben wir unser Equipment gepackt und sind losgefahren. In Varna angekommen haben wir sofort angefangen Bier zu trinken, ohne unsere Musikinstrumente zu überprüfen. Erst etwa fünf Minuten vor dem Anfang des Konzertes haben wir bemerkt, dass wir aus Versehen nur eine Gitarre mitgenommen hatten. Es war so dumm. Wir hatten einen guten Freund in Varna, der uns eine siebensaitige Gitarre geben konnte, aber es war schon zu spät.

Das ist tatsächlich witzig und ärgerlich zugleich. Was würdest du sagen war bisher euer bester Gig?

Niki Bojakov: Im Jahr 2018 haben wir die Möglichkeit bekommen, auf der Bühne des Wacken-Open-Air-Festivals zu spielen. Es war wunderschön. Diese Erfahrung hat unser Leben verändert. Obwohl wir langjährige Erfahrung haben, hatten wir bis dahin hauptsächlich zum Spaß gespielt. Während des Festivals haben wir uns entschieden, von diesem Tag an keine Kompromisse mehr mit der Qualität unserer Alben und Videos zu machen, weil uns endlich klar wurde, dass die Leute, die zu unseren Konzerten kommen um die Band zu unterstützen, das Beste verdienen und das mussten wir ihnen anbieten. Das ist eigentlich eine Pflicht. Das Album "Madness" ist übrigens eine direkte Folge dieser Entscheidung.

Abschließend noch eine recht interessante Frage meinerseits: Wenn euch eine junge Band fragen würde, was ihr richtig gemacht habt; was würdet ihr dieser raten?

Niki Bojakov: Das ist in der Tat eine interessante Frage. Wir sind stolz auf unsere Leistungen. Wir haben keinen Grund zur Beschwerde. EUFOBIA ist eine der wenigen bulgarischen Bands, die regelmäßig in Europa auf Tourneen gehen. Unsere Alben werden weltweit vertrieben. Unsere Songs werden von Rundfunksendern aus der ganzen Welt gespielt. Aber ich glaube, dass die größte Leistung unserer Band ist, dass wir Freunde aus der ganzen Welt haben. Die Menschen und die schönen Momente, die wir mit ihnen verbringen, sind schließlich das Wichtigste. Den Mitgliedern einer jungen Band würde ich raten zuerst an sich selbst zu glauben, denn wenn sie nicht an sich selbst glauben, dann wird es sonst niemand tun. Man darf nie seine Träume aufgeben, denn unmögliche Dinge gibt es nicht. Wenn man sein Ziel wirklich erreichen will, wird man mit Sicherheit den richtigen Weg finden.

Niki, ich bedanke mich recht herzlich für deine Zeit und die Beantwortung der Fragen. Bleibt gesund und macht weiter so wie bisher. Ich freue mich bereits auf eure nächste Tour und Konzerte in Deutschland. Wir sehen uns dort.

Niki Bojakov: Ich möchte dir dafür danken, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, ein paar Worte zu den Lesern zu sagen. Wenn EUFOBIA das nächste Mal nach Deutschland kommen, würde ich dich sehr gern treffen. Nach dem Konzert könnten wir ein paar Bierchen trinken und über das Leben reden.

Das hört sich nach einem guten Plan an. Sehr gerne! Liebe Grüße auch an die anderen Bandmitglieder. Greetz Chris

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