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Interview mit Matthias von The Spirit

Ein Interview von Eddieson vom 17.03.2022 (1483 mal gelesen)
Das dritte Album "Of Clarity And Galactic Structures" von THE SPIRIT steht in den Startlöchern, um auf die wartende Meute losgelassen zu werden. Da auf dem neuen Album auch neue Elemente hörbar sind, galt es bei Sänger und Gitarrist mal nachzufragen, wie es dazu kam und wie "Of Clarity And Galactic Structures" entstanden ist.

Hey Matthias. Wie geht es dir?

Matthias: Hey Jan, mir geht's gut. Es ist zwar arschkalt, aber die Sonne scheint und das hebt nach den letzten Wintermonaten etwas die Stimmung.

Am 01.04. erscheint euer drittes Album "Of Clariry And Galactic Structures". Wie bereitet ihr euch auf das neue Release vor?

Matthias: Wenn das Album erst mal im Kasten ist, gibt es immer noch sehr viel zu tun. Und wenn ich ehrlich bin sind die meisten Dinge, die da anstehen, für mich der Teil eines neuen Releases, auf den ich jetzt nicht unbedingt scharf bin. Das hat dann alles kaum was mit Musik zu tun, wenn es um die visuellen Aspekte geht, Interviews und sehr viel Zeug für die Promotion wie Videos, Fotos und natürlich haufenweise Businesskram. Wir hatten auch eine Europatour zum Release fix (noch nicht öffentlich bekanntgegeben), welche aber wie bei vielen anderen Bands auch auf 2023 verschoben werden musste. Da bei uns ab April endlich wieder Konzerte und Festivals anstehen, bereite ich mich momentan intensiv auf die Rückkehr auf die Bühne vor. Im Studio die Sachen aufzunehmen ist die eine Sache, Gitarre und Gesang gleichzeitig und tight auf der Bühne zu kombinieren die andere. Da hilft nur viel Zeit investieren und üben. Und die beste Promo für ein neues Album sind immer noch Shows, bei denen wir alles und jeden gegen die Wand spielen.

Es heißt ja, dass das dritte Album das "Make it or break it"-Album ist. Ist da was dran? Schwirrt sowas bei euch im Kopf rum?

Matthias: Da gebe ich in unserem Fall nicht viel drauf. Wir konnten das Potenzial von dem Vorgänger "Cosmic Terror" nicht ansatzweise ausschöpfen, da kurz nach dem Release der erste Lockdown alle Pläne zunichte gemacht hatte. Für eine Undergound-Band wie uns ist das wichtigste Instrument, neue Leute zu erreichen, Konzerte und Festivals zu spielen. Ist dies nicht möglich, stagniert auch automatisch der Bekanntheitsgrad. Jetzt steht wieder ein neues Release an und zusätzlich zu den Einschränkungen, welche seit zwei Jahren eine komplette Branche killen, kommt jetzt noch die Eskalation des Krieges im Osten. Das ist alles andere als hilfreich für ein neues Release und schränkt zum Beispiel die Onlinereichweite bei vorab veröffentlichten Singles extrem ein. Deshalb lass mal die "Make it or break it"-Redewendung lieber auf unser viertes oder fünftes Album anwenden, sollten die irgendwann erscheinen. imgright

Nun muss man sagen, das "Of Clarity And Galactic Structure" schon etwas progressiver ausgefallen ist als die beiden Vorgänger. Wie kam es dazu und habt ihr euch da von irgendwelchen Bands beeinflussen lassen?

Matthias: Als ich mit dem Songwriting für das neue Album anfing war mir klar, dass wir neue Elemente in unsere Musik einbringen werden. Aus der eigenen Komfortzone ausbrechen und sich selber etwas herausfordern ist wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch beim Songwriting wichtig. Kreativität und Stagnation passen nicht zusammen. Wir haben auf dem Album viel mit ungeraden Taktarten gearbeitet. Das hat mir beim Songwriting unglaublich geholfen und die Möglichkeiten Riffs zu schreiben enorm erweitert. Das sind Kleinigkeiten, welche den meisten Hörern nicht direkt auffallen werden, unbewusst aber wohl schon. Die neuen Elemente geben unserer Musik einfach mehr Tiefe und eine breitere Klangfarbe.

Ihr werdet ja oft in einem Atemzug mit DISSECTION genannt. Ist die neue, etwas progressivere Ausrichtung vielleicht auch ein Schritt, um sich etwas von DISSECTION und den Vergleichen zu distanzieren?

Matthias: Wir könnten wahrscheinlich auch ein Jazz-Album veröffentlichen und manch einer würde mit diesen Vergleichen kommen. Wir machen die Musik, die wir machen wollen und nicht um uns von irgendwas zu distanzieren oder irgendwelche Erwartungen von anderen Leuten zu erfüllen. Das würde nur in mentalem Wahnsinn enden.

Die beiden ersten Alben waren schon recht erfolgreich. In wieweit hast du dich beim Songwriting selbst unter Druck gesetzt, neue Elemente einfließen zu lassen, den alten Geist von THE SPIRIT aber beizubehalten?

Matthias: Da gab es überhaupt keinen Druck, neuen Elemente einfließen zu lassen. Wir schon erwähnt wollte ich mich selbst etwas herausfordern und auch als Musiker weiterentwickeln. Dadurch kam dann eben ein Song wie 'Arcane Wanderer' zustande, welcher für THE SPIRIT-Verhältnisse ein wenig untypisch und recht progressiv ist, auf der anderen Seite aber auch ein Song wie 'Celestial Fire', welcher das komplette Gegenteil ist, kurz und knapp, sehr einprägsamer Refrain und wohl die Hit-Single des Albums.

Du schreibst die Songs und die Lyrics. Wie gehst du an das Songwriting ran? Wie perfektionistisch bist du beim Songwriting und wie lange dauert es, bis du mit einem Song wirklich zufrieden bist?

Matthias: Der Ablauf ist seit unserem Debut-Album immer gleich. Ich schreibe die Songs zu Hause, wo ich Ruhe habe und mir so viel Zeit nehmen kann, wie nötig ist. Dass können pro Song ein paar Wochen oder auch ein paar Monate sein. Sobald ein Song fertig ist, sende ich Manuel die Gitarrenspuren zu, damit er für sich an den Drums arbeiten kann. Ein oder zwei Wochen später treffen wir uns dann im Proberaum und arbeiten dann gemeinsam das Schlagzeug aus. Da ich für die Songs bereits eigene Ideen habe, was die Drums angehen, ist das immer recht spannend zu sehen mit was Manuel ankommt, der oftmals natürlich ganz andere Vorstellungen hat als ich. Erst wenn die komplette Musik für ein Album fertig ist, mach in mich an die Lyrics. Wobei ein Großteil der Gesangslinien bereits besteht, weil ich die immer simultan mit den Gitarren ausarbeite. Nach jeder fertigen Albumproduktion schwöre ich mir immer, dass beim nächsten Mal alles ein paar Wochen bevor es ins Studio geht fertig sein muss. Aber leider wird es irgendwie mit jedem Album schlimmer. [lacht] Dieses Mal hat der Titeltrack den kompletten Zeitplan gekillt. Es waren noch circa acht Wochen bis zu den Schlagzeugaufnahmen und Manuel fragte mich, wann ich mit dem letzten Song fertig bin. Ich sagte ihm, dass ich noch ein paar Tage benötige, der Song aber schon zu 80 Prozent fertig sei. So ging es dann ein paar Wochen hin und her und als er mal wieder nachfragte, weil das Zeitfenster langsam enger wurde, teilte ich ihm mit, dass ich vor ein paar Tagen bis auf ein Riff den kompletten Song gelöscht hatte und wieder von vorne angefangen habe. Der Song war okay beziehungsweise gut, aber halt nicht großartig. Und wenn ich nicht hundertprozentig zufrieden mit etwas bin, dann landet es auch nicht auf dem Album. Disziplin ist für mich das wichtigste Werkzeug, um gute Songs zu schreiben, egal wie groß der Zeitdruck ist. Im Nachhinein war das natürlich genau die richtige Entscheidung, da ich meiner Meinung nach mit dem Titeltrack einen der stärksten THE SPIRIT-Songs ever geschrieben habe. Ein Großteil der Lyrics, Gitarrensolos und einige Bassparts sind dann nachts zwischen den Recordingsessions geschrieben worden, weil sich der komplette Zeitplan ja nach hinten verschoben hatte. Das war echt ziemlich heftig. Nachdem ich den ganzen Tag im Studio Aufnahmen hatte, habe ich dann Nacht für Nacht in meiner Unterkunft an den Texten und anderen Dingen gearbeitet, welche vorab nicht mehr fertig geworden sind. Dann gab es vier Stunden Schlaf und dann ging es wieder zurück ins Studio. Als das Album im Kasten und ich wieder zu Hause war, hatte ich gefühlt erst mal zwei Tage durchgeschlafen.

Lass uns mal kurz über Lyrics sprechen. Dabei will ich gar nicht auf den Inhalt zu sprechen kommen, sondern auf die Wichtigkeit deiner Texte. Und wie wichtig sind die Emotionen, die du mit deinen Texten übertragen willst?

Matthias: Bei den Texten ist es mir wie bei der Musik auch extrem wichtig, dass ich mit dem Ergebnis absolut zufrieden bin und ich mich auf diversen Ebenen damit identifizieren kann. Dass ich eine emotionale Bindung zu den Lyrics habe, ist auch während Liveshows sehr wichtig. Wenn ich über irgendeinen Bullshit singen würde, käme da bei Konzerten auch nichts rüber. Das muss einfach alles zusammenpassen.

Ich muss sagen, dass das neue Album nicht so leicht zugänglich geworden ist, da fiel es mir bei den Vorgängern wesentlich leichter. Hast du dir beim Songwriting oder letzten Feinschliff des Albums darüber Gedanken gemacht, wie die Fans auf das Album reagieren, beziehungsweise Zugang dazu finden?

Matthias: Wie schon erwähnt darf man sich über solche Dinge während des Songwriting-Prozesses und auch generell keine Gedanken machen, was andere Leute eventuell denken könnten, das ist pures Gift. Du kannst es nie allen recht machen und das ist auch nicht Sinn und Zweck des Ganzen. Ich persönlich mag es beim Hören von Musik, wenn diese nicht zu simpel ist und der Zugang nicht zu einfach ist. Wenn man beim Hören Zeit in ein Album investieren muss und auch noch beim 25. Durchlauf Neues entdeckt. Das ist auch einer der Gründe, warum ich sehr viel Prog-Rock höre. Würden wir mit dem neuen Album mehr Menschen erreichen, hätten wir mehr Songs im Stil von 'Celestial Fire' gemacht? Bestimmt. Wäre es aber das, was Manuel und ich machen wollen? Bestimmt nicht.

Hat eine Band eine neue musikalische Richtung eingeschlagen beziehungsweise neue Elemente in die Songs eingebaut, kehren sie in der Regel nicht zu ihren Wurzeln zurück. Wie sieht das mit THE SPIRIT aus, schon eine Idee, wie es musikalisch in Zukunft weitergehen soll? Wie das nächste Album klingen wird?

Matthias: Es ist ja nicht so, als dass wir auf dem neuen Album komplett andere Musik machen im Gegensatz zu vorher. Wir klingen immer noch nach THE SPIRIT und das, was die Leute an den ersten beiden Alben zu schätzen wissen, ist auf der neuen Scheibe auch immer noch zu hören. Dunkle, kraftvolle und emotionale Musik, bei der ein Killer-Riff auf das nächste folgt. Das ist nach wie vor die Essenz von THE SPIRIT. Wie das nächste Album klingen wird, kann ich dir jetzt noch nicht sagen. Ich werde in den nächsten Wochen mit dem Songwriting beginnen und dann schauen, wo die Reise hingeht. Da aber Manuel und ich mit der Richtung des neuen Albums mehr als zufrieden sind, gehe ich sehr stark davon aus, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen werden.

Die Vinylversion aus eurem bandeigenen Shop war ja in nicht mal 30 Minuten ausverkauft. Konntet ihr euch selbst ein Exemplar sichern oder ist euch das nicht so wichtig?

Matthias: Ich habe von allem, was bisher unter dem Namen THE SPIRIT erschienen ist, eine Kopie, das gilt auch für alle Vinyl-Farben. Daher wird das bei dem neuen Release auch der Fall sein. Speziell bei den unterschiedlichen Vinyl-Versionen will ich sehen, wie die einzelnen Farben geworden sind. So kann ich mir ein Bild davon machen, wie was aussieht und was man beim nächsten Release eventuell besser machen kann.

Matthias, vielen Dank für das Interview, alles Gute für das neue Album - und die letzten Worte gehören dir.

Matthias: Danke für deine Zeit und das Interesse an THE SPIRIT. Und vielen Dank an alle, die uns in den letzten Jahren supportet haben, wir sehen uns bald wieder auf und vor der Bühne.

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