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Interview mit Sven D'Anna von Wizard

Ein Interview von Tailgunner vom 16.02.2021 (3353 mal gelesen)
Das bärenstarke "Metal In My Head" war für mich ein willkommener Anlass, WIZARDs Sven D'Anna, seines Zeichens Sänger der Bocholter Metal Kings, mit einigen Fragen zu behelligen. Gewohnt auskunftsfreudig hat er uns einiges zu erzählen.


Hi Sven! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album. "Metal In My Head" ist euch mehr als nur gut gelungen und hat mich persönlich regelrecht begeistert. Das Album klingt unglaublich kraftvoll und sehr leidenschaftlich. Es atmet die pure Energie eurer Liveshows und klingt sowohl traditionell als auch modern. Zudem spontan und nicht zu routiniert, aber natürlich sehr professionell. Wie hält man nach über 30 Jahren die Flamme noch so hell am brennen?

Sven: Hi Sebastian, vielen Dank für die Blumen! Ich denke, das liegt daran, dass wir selber große Metal-Fans sind und mit Spaß an die ganze Sache heran gehen. Es gibt weder jemanden, der uns vorschreibt, was wir zu tun haben, noch versuchen wir zwanghaft, irgendwelche Menschen außerhalb der Band glücklich zu machen, Trends oder Ähnliches haben uns noch nie interessiert. Da wir die Songs jede Woche im Proberaum spielen müssen, ist es wichtig, dass die Lieder in erster Linie uns gefallen. Wenn sich dann der ein oder andere Metal-Fan findet, dem es auch gefällt, freuen wir uns natürlich umso mehr. (grinst)

Die Themen der Songs sind ja im allerbesten Sinne wieder sehr traditionell gehalten und versprühen diesen speziellen Metal-Pathos, den man entweder total liebt, weil man ihn lebt, oder - das ist ja auch erlaubt - eher belächelt, da man ihn vielleicht nicht versteht oder nicht nachvollziehen kann. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass ihr künftig einen Anti-Atomkraft-Song machen werdet. Ist euch das True-Metal-Korsett eigentlich je zu eng geworden und habt ihr im Verlauf eurer langen Laufbahn jemals mit dem Gedanken gespielt, einmal in eine etwas andere Richtung zu gehen?

Sven: Ha ha ha, Du sprichst mir aus dem Herzen - ich kann mir das auch nicht vorstellen. Viele deiner Kollegen reiten seit 30 Jahren darauf rum, dass unsere Texte zu klischeebehaftet sind bla bla bla ... Ja was wollen die denn? Soll ich "schlauschlümpfige" Texte schreiben, die am Ende eh niemanden interessieren oder die keine Sau versteht? Ich liebe unsere Texte, auch wenn ich vieles mit einem Augenzwinkern schreibe. Es soll doch Spaß machen und das ist das, was zählt. Ich versuche aber auch, Dinge aus meinem Leben wieder zugeben, die ich jedoch in ein Metal- bzw. Fantasy-Gewand kleide. Da muss man einfach zwei Mal hinschauen, um es zu verstehen. Denke, dafür haben viele Kritiker keine Zeit oder auch keine Lust. Bei einigen würde ich mich nicht wundern, wenn sie Reviews schreiben, ohne das Album zu hören. (lacht) Wir haben in unserer Laufbahn nicht nur Klischees besungen, wenn ich an die Alben "Odin" und "Thor" denke. Auch das "Trail Of Death" Album hat damit gar nichts zu tun. Hier haben wir auf der ganzen Platte das Thema Tod behandelt, hat aber damals auch niemanden interessiert ha ha ha. Ich schlage vor, wir machen so weiter ... Gibt ja zum Glück noch genug andere Bands mit anspruchsvolleren Texten für die "Nichtversteher".

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Gibt es eigentlich für den Song 'I Bring Light Into The Dark' eine literarische Vorlage? Das Stück erinnert mich vom Feeling her an die ziemlich starke "Of Wariwulfs And Bluotvarwes". Damals habt ihr die Hagen von Stein Romane von André Wiesler verarbeitet, die ja ebenfalls von Vampiren und Werwölfen nur so strotzen.

Sven: Hier habe mich von der Serie "Shadowhunters" inspirieren lassen. Finde die Serie sehr geil und habe zu einem Ausschnitt diesen Text geschrieben. Weiß gar nicht mehr genau, welche Folge das war...

Der Song 'Destiny' ist ja im allerbesten Sinn episch, wenngleich der Begriff heutzutage teilweise etwas inflationär verwendet wird. Aber mit 'Destiny' beweist ihr ganz klar, dass ihr nicht nur klassischen Heavy Metal könnt, sondern auch Epic Metal. Der Song steht euch verdammt gut zu Gesicht und ist ein echtes Highlight auf dem Album. Wer von euch ist für den Song verantwortlich und würdet ihr gegebenenfalls irgendwann noch mehr in diese Richtung gehen?

Sven: Den Song habe ich geschrieben, natürlich in Zusammenarbeit mit unseren Gitarristen. Ich habe praktisch erst den Gesang kreiert, und die Gitarren dazu haben sich Massi und Tommy ausgedacht. Finde den Song auch sehr schön, allerdings weiß man beim Songwriting nicht immer, was am Ende heraus kommt. Ich kann mich nicht hinsetzen und sagen:Jetzt mache ich so einen Song. Das entwickelt sich und nur Odin weiß, wie das Resultat dann am Ende klingt.

Über 'Whirlewolf' muss man gar nicht viel sagen, das Stück spricht für sich. Jeder, der Martjo kannte [Martjo Brongers, Gitarrist von VORTEX und STEEL SHOCK. Szeneoriginal und Weggefährte von WIZARD, Ende 2019 unerwartet und viel zu früh verstorben], wird hier sicher eine Träne wegdrücken. Man merkt, dass dir der Song eine absolute Herzensangelegenheit ist. Dein Gesang, der ohnehin auf "Metal In My Head" sehr stark ist, ist hier schlicht Weltklasse. Hast du etwas geändert? Unterricht? Andere Atemtechnik? Weniger Feuerspucken vielleicht?

Sven: Ne, eigentlich nicht. Dank der Pandemie habe ich mehr Jacky getrunken, vielleicht liegt es daran? Ich muss zugeben, dass der erste Tag im Studio eine Katastrophe war. Ich bin zwei Wochen vor dem Studiotermin von Zigarette auf E-Fluppe umgestiegen. Das war wohl nicht so eine gute Idee, habe am ersten Studiotag kaum einen gescheiten Ton raus bekommen. Vor Wut habe ich mir dann abends eine Packung Zigaretten und ne halbe Flasche Jacky rein gezogen. Zack, am nächsten Tag habe ich wie ein Vögelchen gezwitschert ha ha ha.

Trotz eines relativ frischen Besetzungswechsels - auf den ich gleich noch zu sprechen komme - merkt man, dass euer Bandgefüge eine richtige Einheit darstellt. Wenn man euch erlebt erkennt man sofort, dass ihr mehr seid, als lediglich ein Haufen Musiker, die seit Jahren einfach nur zusammenarbeiten. Auf Konzerten hängt ihr gerne vor und nach der Show zusammen ab, habt oft eure Ehefrauen dabei und seid auch immer super nah an den Fans. Ist das der Kitt, der euch so lange zusammengehalten und für konstant gute Alben gesorgt hat? Freundschaft? Nicht zuletzt verwendet ihr das gewichtige Wort Freundschaft auch immer wieder in euren Texten.

Sven: Ja das ist richtig, Freundschaft hat den höchsten Stellenwert in unserer Band. Wir sind praktisch eine Familie, die Musik macht, da fällt mir gerade die Kelly Family imgleft ein, ha ha ha, ich glaube, die hatten das gleiche Glück wie wir. WIZARD ist unser gemeinsames Leben geworden, keiner von uns kann ohne leben und das ist auch gut so. Auch privat unternehmen wir sehr viel zusammen, unsere Familien sind oft zusammen und das hat uns über die Jahre einfach zusammen geschweißt. Mit Sören und Massi mache ich seit über 30 Jahren Musik, da kennt man den Menschen in und auswendig. Wir haben gemeinsam die Welt gesehen, USA, Irland, England, Belarus und viele Länder mehr - einfach nur geil. Kann mir schlecht vorstellen, so etwas mit einem gebuchten Studiomusiker zu machen.

Zu dem eben angesprochenen Besetzungswechsel: Der zweite gravierende in eurer langen Geschichte. Für mich als Außenstehender kam Danos Ausstieg überraschend. [Dano Boland, Gitarre von 2003-2020] Bei eurem Konzert in Gelsenkirchen im Frühjahr 2019 erzählte mir Dano noch von vielen Ideen, die er für das kommende Album hat. Was führte zu seinem Ausstieg und inwieweit hat dieser die Entstehung von "Metal In My Head" verzögert?

Sven: Dano hat früher in einer Thrash Metal Band mit dem Namen VERBRIFUGE gespielt. Das war ein Haufen, der ähnlich wie bei WIZARD aus guten Freunden bestand. 2019 haben sich die Jungs mal wieder getroffen, um gemeinsam zu musizieren. Dano hatte natürlich Spaß darauf, was ich sehr gut verstehen kann. Irgendwann haben wir eine WhatsApp-Nachricht von Dano bekommen, dass er eine Pause benötigt. Wir haben lange vorher schon bemerkt, dass Dano hier und da etwas überfordert war, wenn es um die WIZARD-Planung ging. Man hatte den Eindruck, dass die vielen Konzerte, dieser Druck (der für uns keiner ist, für Dano schon) ihm einfach zu viel wurde. Jetzt trifft er sich ab und zu mit seinen VEBRIFUGE-Freunden und probt ohne den Druck im Nacken, um die halbe Welt fahren zu müssen, um Konzerte zu spielen, oder ein neues Album zu machen. Und es tut ihm sichtlich gut - Dano ist ein guter Kerl und niemand ist ihm böse bezüglich seiner Entscheidungen.

Genau wie seinerzeit bei Arndt [Arndt Ratering, Bass seit 2013] - der damals Volker Leson [Bass von 1989-2013] ersetzte - habt ihr euch bei NO INNER LIMITS bedient, und Tommy Hartung verpflichtet. Wie lief das genau ab und haben NO INNER LIMITS da nicht mittlerweile einen Rochus auf euch?

Sven: Eigentlich wollten wir wie in alten Zeiten zu viert weiter heizen. Tommy ist auf uns zugegangen und hat gefragt, ob wir noch einen Gitarristen benötigen. NO INNER LIMITS gibt es ja schon lange nicht mehr, da brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Wir haben Tommy zu einigen Proben eingeladen und schnell festgestellt, dass es passt. Live konnten wir leider noch nicht gemeinsam spielen. Etwas Besseres konnte uns nicht passieren, als jemand Neues zu finden, den wir auch schon Jahre kennen. Welcome Tommy in der WIZARD Familie.

Ihr habt Anfang 2019 anlässlich eures 30-jährigen Bestehens eine wirklich starke sechsteilige Doku veröffentlicht, die eure Geschichte beleuchtet und viele spannende Einblicke gewährt. Erzähl mal, wie es dazu gekommen ist und wessen Idee es eigentlich gewesen ist.

Sven: Die Idee kam von den "Häckies", Veranstalter des No Playback-Festivals und seit vielen Jahren große WIZARD Fans. Die kamen zu uns in den Proberaum und wir dachten, wir labern mal kurz eben was und sind dann fertig. Tja, dass dann so eine Mammut-Story dabei rausgekommen ist, hätten wir nie für möglich gehalten. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir mehr Jacky oder Bier eingepackt, hahaha. Die beiden Häckies sind echt super geil und inzwischen auch gute Freunde von uns!

Wir gehen noch etwas weiter zurück. Im November 2018 habt ihr zusammen mit MAJESTY aus Koblenz an Bord eines Rhein-Dampfers gespielt. Alle Anwesenden werden sich daran erinnern, dass das eine besonders feine Sause gewesen ist. Kam die Initiative dazu von euch oder von MAJESTY und kann man in Zukunft, in einer Welt nach Corona, noch einmal mit so einem speziellen Event rechnen?

Sven: Du meinst das Metal Ship richtig? Also das wurde nicht von uns organisiert, wir wurden dafür nur gebucht. Soweit ich weiß, ist das jedes Jahr - ähhh fand es jedes Jahr statt, vor der Pandemie. Aber klar, wir sind für solche Aktionen immer offen und zu haben.

Apropos Corona: - dieser Tage führt ja leider kein Weg an diesem leidigen Thema vorbei - Ich hatte mich für letztes imgright Jahr immens auf eure Tour mit STORMWARRIOR gefreut. Daraus wurde natürlich nichts. Können wir denn hoffen, dass das nachgeholt wird und inwiefern hat die Pandemie euch als Band sonst noch beeinträchtigt?

Sven: Also die Tour mit STORMWARRIOR ist für Oktober 2021 angesetzt. Leider kann ich natürlich nicht sagen, ob es dann am Ende auch so kommt oder nicht. Die Pandemie hatte für uns eigentlich etwas Positives, denn so hatten wir genug Zeit, um ein neues Album zu machen. Ich glaube nicht, dass das Album heute fertig wäre, wenn wir weiterhin Konzerte gespielt hätten und das normale Leben seinen Lauf genommen hätte, ist halt immer eine Zeitfrage.

Gibt es Pläne, eure alten Alben, oder wenigstens vereinzelte Alben, eines Tages nachträglich auf Vinyl neu aufzulegen? Ich persönlich würde es euch aus der Hand reißen.

Sven: Nein, momentan nicht. Bin ja schon froh, dass es das neue Album in drei Versionen auf Vinyl gibt. Aber niemand weiß, was die Zukunft bringt.

Eure ersten beiden Alben sind heutzutage nur sehr schwer zu bekommen. Ihr hattet sie ja mal auf eurer Homepage zum kostenfreien Download angeboten, wenn ich mich da richtig erinnere. Das hing ja am Ende mit irgendwelchen lizenzrechtlichen Dingen im Zusammenhang mit eurem damaligen Label B.O. Records zusammen. Hat sich an der Situation mittlerweile irgendetwas geändert? Besteht die Aussicht, dass die beiden Alben "Son Of Darkness" und "Battle Of Metal" irgendwann wieder veröffentlicht werden können?

Sven: Ja Du hast Recht, wir hatten die mal auf der Homepage. Ich weiß nicht, ob es sich wirklich lohnt, die beiden Alben noch mal neu zu veröffentlichen. Ich sehe beide Alben eher als Demo CDs und es ist doch schön, dass die alle vergriffen sind.(grinst)

Zum Schluss noch zu einem ganz anderen Thema: Am 21. April kommt das neue Album von FEANOR - "Power Of The Chosen One" - heraus. Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie es zu der Zusammenarbeit zwischen dir und FEANOR gekommen ist? Argentinien ist ja nicht mal eben um die Ecke. Ist es irgendwie realistisch, dich mit FEANOR in Deutschland auch mal live zu sehen? Und wie seid ihr an David Shankle geraten?

Sven: Gustavo, Basser und Kopf der Band FEANOR ist auch ein WIZARD-Fan der ersten Stunde. Er hat mich 2015 angeschrieben und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein Album für ihn einzusingen. Da ich gerade nichts anderes zu tun hatte, bin ich darauf eingegangen. Nach dem ersten Release "We Are Heavy Metal" 2016 haben die Jungs mich dann nach Argentinien eingeladen um dort Live zu spielen. 2018 hat Gustavo mich zu einer weiteren Südamerika-Tour eingeladen, dieses Mal war auch David Shankle dabei. Wir haben Live ein paar MANOWAR Songs zum Besten gegeben und natürlich auch diverse FEANOR Songs gemeinsam gerockt. Das Ganze hat so viel Spaß gemacht, dass wir uns entschieden haben, gemeinsam ein weiteres Album zu schreiben. Ich habe keine Ahnung, ob wir es mit FEANOR nach Europa schaffen, da es ja schon sehr kostenintensiv ist. Mal sehen was, die Zukunft bringt ...

Sven, ich bedanke mich, dass du dir die Zeit genommen hast, all meine nervigen Fragen zu beantworten. Bleibt bitte alle gesund, das gilt natürlich auch für eure Familien und ich kann es absolut nicht erwarten, euch wieder aus der ersten Reihe anzufeuern, sobald die Welt mal wieder normal läuft und ihr aufs Neue die Bühnen entern könnt.

Sven: Ich sage vielen Dank für die Fragen und den Support!

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