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Belphegor - Totenritual

Review von Metal Guru vom 28.09.2017 (3473 mal gelesen)
Belphegor - Totenritual BELPHEGOR aus Salzburg/Österreich nennen sich nach einem Dämonen und machen Metal, keine Frage. Ob und wieviel Black-, Dark-, Death-, Doom-, Gothic-, Power-, Speed- oder Thrash-Metal sie machen, kann ich nicht beurteilen, dafür weiß ich zu wenig über die Rituale innerhalb der todesmetallenen Szene. Heavy-Metal machen sie nicht – dafür sind sie viel zu kurzweilig/melodielos/tot. Math-Metal machen sie auch nicht - dafür sind sie rhythmisch viel zu einfach/gerade/nachvollziehbar. Und Symphonic-Metal machen sie schon mal gar nicht – dafür sind sie viel zu unsinfonisch. Immer befremdlichere Bezeichnungen für immer speziellere Spielarten metallischer Musik machen jeglichen Schubladisierungsversuch (für alle, die unbedingt Schubladen brauchen) schwierig, wenn nicht unmöglich. Hier (m)ein Versuch:

Die Mucke besteht auf ihrem offiziell elften Album "Totenritual" aus neun mittelschnellen bis schnelleren, sehr schnellen bis noch schnelleren und superschnellen bis lichtgeschwindigen Todessongs auf 42:48 Minuten. In diesen passiert so einiges: beängstigende Breaks en masse, der eine Instrumentalpart hier oder das andere Klampfensolo da, rhythmusgitarristische Stereo-Spielereien und tanzunfreundliche Tempiwechsel - das strengt über die schier endlos wirkende Dreiviertelstunde schon mal an. Dazu wird dann manch gesampelte Glocke geschlagen, manch unheilvolles Wort gesprochen und ansonsten zu Tode geprügelt, dass dem höllischen Luzifer höchstpersönlich Angst und Bange werden sollte – wenn er sich denn für solch weltliche Gefühlsregungen interessierte. Am interessantesten ist die anfänglich gar nicht auffallende Tatsache, dass je nach Titel (siehe Tracklist) in Englisch und Deutsch 'gesungen' wird. Wenn man das erstmal weiß, klingt totes Metall plötzlich gar nicht (mehr) so tot.

Die Mucker heißen bzw. nennen sich und spielen bzw. erzeugen (Credit-Zitate): Helmuth Lehner – Chainsaw, Guitars and Grunts, Simon 'Bloodhammer' Schilling - Session Drums, 'Serpenth' - Bass Devastation und Sascha 'Impaler' - Session Live Guitar. Traditionellen Gesang (aka Melodien, aufeinander folgende/getroffene/gehaltene Töne, kontrolliertes Vibrato) findet man auf "Totenritual“ nicht, von Menschen erzeugte (nicht zwangsweise nach Menschen klingende) Stimmen schon. Offenbar bedienen mindestens zwei BELPHEGORer die Mikros. Bedienen heißt im BELPHEGOR-Zusammenhang schreien/krächzen/grunzen/bellen/ätzen. Sollte Helmuth der One-And-Only-Shouter sein, attestiere ich ihm hiermit eine in Todeskreisen selten anzutreffende stimmliche Variabilität. Wie auch immer passen die Vocals zu zwei ultraverzerrten Stromgitarren links und rechts und einem tieffrequenten Bass wie geballte Fäuste auf blaue Augen. Dazu ein hyperaktives, meganervöses, ultraverdichtestes Schlagzeug. Ganz im Ernst: Ich weiß weder beim himmlischsten noch höllischsten Willen, wie man so spielen kann. Vielleicht sind dem Blut hämmernden Todestrommler im Laufe seiner jahrelangen Übungseinheiten zusätzliche Extremitäten/Muskeln/Nerven/Sehnen/Zellen gewachsen - kein 'normaler' Mensch kann sich so lange so schnell bewegen. Aber was genau ist ein 'normaler' Mensch überhaupt?

Der Sound dieses toten Rituals wurde einerseits (Gitarren und Stimmen) vom mir unbekannten Jakob Klingsbigl in den 'Mischmaschine Studios', Oberalm/Österreich, andererseits (Bass and Drums) vom offensichtlich angesagten Andy Classen in den 'Stage One Studios', Kassel/Deutschland generiert und erfüllt alle Erwartungen an eine tödliche 0db-Produktion: dynamikverdichtet, frequenzangefettet, lautstärkemaximiert – noch Fragen?

Das Artwork eines Menschen namens Seth Siro Anton passt zur Musik genauso wie Ar... auf Eimer: mehr oder weniger schwarzweiß mit gräulichen Abstufungen, Hörner, Kreuze, Menschen- und Tierschädel mit und ohne eben diese Hörner und ein vollkommen unleserlicher Namenszug – typisch tot. Wenn ich nicht wüsste, dass es sich beim "Totenritual" um Menschen und Musik handelte, bekäme ich höchstwahrscheinlich Angst, so nicht!

"Totenritual" ist meiner Ansicht nach weniger was für Jedefrau oder Jedermann oder Kinder oder nebenbei oder schwache Nerven, mehr was für endfertige Drummer/Gitarristen oder potentielle Selbstmörder oder ritualisierende Todesanbeter. Also, meiner momentanen Lebenslaune entspricht das Teil hier sehr und bekommt dafür dementsprechend sieben sterbliche Sterne.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Baphomet (4:47)
02. The Devil's Son (4:20)
03. Swinefever - Regent Of Pigs (4:50)
04. Apophis - Black Dragon (6:12)
05. Totenkult - Exegesis Of Deterioration (5:43)
06. Totenbeschwörer (2:15)
07. Spell Of Reflection (5:21)
08. Embracing A Star (5:34)
09. Totenritual (2:46)
Band Website: www.belphegor.at
Medium: CD/LP
Spieldauer: 41:48 Minuten
VÖ: 15.09.2017

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