Stargazer - Life Will Never Be The Same

Review von Rockmaster vom 11.03.2023 (1504 mal gelesen)
Stargazer - Life Will Never Be The Same Dass STARGAZER den gleichen Namen tragen wie eine der größten Nummern von RAINBOW, dürfte kein Zufall sein. Sie an den Herren Dio, Blackmore, Powell, Bain und Carey messen zu wollen, dürfte ihnen aber nicht gerecht werden. In der dritten dokumentierten Besetzung haben die Norweger nun seit 2010 ihre dritte Scheibe "Life Will Never Be The Same" aufgenommen. Von Anfang an dabei (von den Ursprüngen unter dem Namen F.R.I.E.N.D. ist allerdings wenig übermittelt) sind Sänger und Rhythmusgitarrist Tore André Helgemo und Gitarrist William Ernstsen, die man gut und gerne als die zwei Aushängeschilder der norwegischen Band bezeichnen kann. Tore hat eine überragende Stimme, der Knabe kommt bei seinen Screams in Tonhöhen, wo sich bei vielen die Tonleiter schon dreimal überschlagen hat, und er kann auch in hohen Tonlagen noch mit Leichtigkeit Intensität und Ausdruck variieren - auch wenn meistens glasklare Power den Vorzug bekommt. William schwelgt in straighten, klassischen Riffs, um sich immer wieder in teils ausufernden Soli zu verlieren. Der Opener 'Can You Conceive It' und auch Titel zwei 'Live My Dream' geben den vorrangigen Stil, der sich irgendwo zwischen klassischem Heavy Metal und Hard Rock bewegt, vor und geben einen ersten Eindruck der Qualitäten von STARGAZER. Der Promo-Beipackzettel möchte die Band wärmstens den Fans von VAN HALEN, DIO und DEEP PURPLE empfohlen wissen - womit wir wieder beim eingangs erwähnten Problem sind: Der Vergleich mit den Legenden unserer Kindheit und Jugend erübrigt sich! In Sachen technischer Virtuosität dürfte ein erklecklicher Teil der Musiker der genannten Vergleichsbands denen von STARGAZER eine Nasenlänge oder zwei voraus gewesen sein, wovon man sich die Erwartungshaltung gegenüber den Jungs nicht vernageln lassen sollte. Tore, William & Co. versuchen auch gar nicht, unsere Helden zu kopieren, sondern haben ihrer eigenen Interpretation der alten Stile einen modernen Anstrich verpasst und ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Was sie definitiv beherrschen, ist, wundervoll eingängige Musik zu komponieren. Und wenn mal der letzte Kniff oder Twist fehlt, überspielt das William locker mit seinen Solokünsten.

Die etwas langsamere Nummer 'Rock The Sky' lässt sich Zeit, bis sie ihre Energie ganz entfaltet, zählt für mich aber zu den stärksten Nummern der Scheibe. Und ist es nicht schön, dass es heutzutage noch Musikstücke gibt, die nicht - Spotify & Co. geschuldet - nach drei Minuten zuende sind? Unter den Balladen funktioniert 'Heatbroken' für mich besser als die Singleauskopplung 'Live Today', das vielleicht ein wenig chartaffiner ist und hübsch arrangiert, mich aber emotional nicht so recht erreichen will. Stark finde ich indes noch 'Don't Kill', das sich jeder, der mit seinem Selbstwertgefühl hadert, anhören sollte. STARGAZER variieren die Härte und zeigen einige Male, dass sie auch emotional können, haben aber mit 'Push Me' eine schön rockige Schlussnummer gefunden.

Was ein bisschen überraschen mag - wenn man im Cast etwas von zwei Gitarren gelesen hat - ist, dass STARGAZER kein echtes Double-Guitar-Feuerwerk abfackeln, sondern vorrangig auf die Fertigkeiten ihres Leadgitarristen setzen. Bedenkt man aber dabei, dass Tore neben der Rhythmusgitarre der Band auch seine prägende Stimme leiht, ist das vermutlich genau richtig so. Was ich mir allerdings sehr wünschen würde, wäre, dass Keyboarder Sondre Bjerkset mehr Raum für eigene Einlagen bekäme. Im Mix ist er bedauerlicherweise bis auf wenige Momente kaum hörbar. Tastenvirtuosen wie Jon Lord, Don Airey und die vielen anderen sind für den beinharten Anhänger der 70er-Jahre untrennbar mit der großartigen Musik dieser Zeit verbunden - da hat die Band noch Luft nach oben. Jomar Johansen am Bass und Svend Skogheim am Schlagzeug leisten solide Rhythmusarbeit, die gut zum Stil passt. Auch hier wäre es schön, wenn die beiden ein paar Gelegenheiten bekommen hätten, mehr von ihrem Können zu zeigen, um die an sich guten Songs noch mal ein Level höher zu heben. In der Gesamtschau ist "Life Will Never Be The Same" aber eine bockstarke Scheibe, und STARGAZER beweisen einen Grad an Eigenständigkeit, der aus der üblichen Schnittmenge der Bands, die uns die "gute alte Mucke" hübsch komponiert neu auflegen, heraussticht.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Can You Conceive It (3:48)
02. Live My Dream (5:11)
03. Rock The Sky (6:04)
04. Live Today (3:48)
05. Don't Kill (4:56)
06. Will I Come To Heaven (4:39)
07. Heartbroken (6:09)
08. Turn Off The Light (4:20)
09. Beyond The Moon (4:50)
10. Take Me Home (4:44)
11. Push Me (4:00)
Band Website: www.stargazer.hm
Medium: CD
Spieldauer: 52:30 Minuten
VÖ: 03.03.2023

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