Aegrus - The Carnal Temples

Review von Humppathetic vom 28.02.2022 (3443 mal gelesen)
Aegrus - The Carnal Temples AEGRUS aus Kouvola nahe der finnischen Südküste bolzen sich seit nunmehr 17 Jahren durch das nordische Untergehölz und brachten es bisher auf drei Demos, drei EPs und drei Full-lengths (und waren mir bis dato trotz meiner Sympathie für den finnischen Klang gänzlich unbekannt). Welch eine Dreisamkeit, nicht wahr? Nun, die wird jetzt leider zerstört, denn 2022 rauschen die vier Männer mit ihrer vierten EP heran, und die lautet auf den Namen "The Carnal Temples" (und erschien bei niemand Geringerem als Osmose Productions). Aber wenn man die Zahl 3 so sehr mag, kann ich trösten: Von den vier neuen Songs sind nur drei wirklich neu. Dazu aber später mehr.

Gestartet sind AEGRUS 2005 als Zweiergespann, bestehend aus Lux Tenebris (Gesang, Bass, Gitarre) und Inculta (Gesang, Lyrics, Drums), der zwischendurch auch unter dem Namen Darkseer Inculta firmierte. Ziemlich zügig, auf der zweiten Veröffentlichung, dem Demo "Faith Crushing Retribution" von 2009, nämlich schon, kam mit Anttipekka Heiskanen ein dritter Herr dazu, der Inculta am Schlagzeug (und nur am Schlagzeug) ersetzen sollte. Dieser verließ die Band aber nach dem Demo "Ritual" von 2013 schon wieder, und so war man wieder zu zweit unterwegs. Dies sollte sich mit der Veröffentlichung der dritten, vollumfänglichen Scheibe, "In Manus Satanas" von 2019, aber wieder ändern, und seitdem rutscht man frohlockend im Viererbob durch finnische Eiskanäle, verstärkt an den Drums durch Serpentifer (heißt eigentlich Kauko Kuusisalo und ist durchaus kein Unbekannter, spielt er seit 2019 auch das Schlagzeg in einer kleinen Band namens ...AND OCEANS kaputt) und an der zweiten Gitarre durch Praestigiator (heißt eigentlich Name Unbekannt und spielt auch die Gitarre bei ... niemandem). Puh ... all work and no play makes Humppathetic a dull boy. Bevor mir also dank der ganzen Zahlenschubserei gleich die Rübe platzt, wende ich mich doch mal lieber der Musik zu.

Über eine Laufzeit von knapp 26 Minuten zeigt sich die Band äußerst versatil. Im Opener und Titelsong groovt man mit gelegentlichen Rasereien durch die Heide, während 'In Death Rapture' etwas zahmer losgeht, aber auch durchaus ordentliches Tempo aufweisen kann. 'Moonlit Coffinspirit' wiederum ist durch und durch langsam gestaltet und erinnert mich am Anfang gar an das dem Genre völlig fremde 'The Heart Collector' der Band NEVERMORE. Den Schluss hört man dann mit 'Flesh And Blood', dem Song, der bereits 2011 auf der "Luciferian Engravings"-EP zu hören war (und auf der 2020er Kompilation namens "The Devil's Works MMVI - MMXIII, womit wir schon wieder bei der Zahl 3 angelangt wären). Auch hier wird wieder der Groove ausgepackt, aber keine Sorge: Schunkelig-versoffen wie beispielsweise bei CARPATHIAN FOREST wird es in keinem Moment der Scheibe. Was neben den typischen Ingredienzen aber besonders auffällt, ist die für Black Metal-Verhältnisse überraschend prägnant eingesetzte Leadgitarre. Gleich mehrere Soli durfte sie beisteuern. Das ist ja geradezu avantgardistisch! Auf der anderen Seite ist der Bass nur mit Fledermausohren herauszuhören. Tradition wird also doch gewahrt.

Auf meine Frage, warum man denselben Song (wenngleich er hier kürzer ist als in der vorherigen Version) nochmal aufgenommen hat, gab mir Inculta im Übrigen freundlicherweise auch eine Antwort:"Der Song ist einer meiner Favoriten, und er repräsentiert einen sehr spezifischen und persönlichen Abschnitt meines Lebens und hat daher eine wichtige Bedeutung für mich. Außerdem finde ich, dass das Lied immer etwas unterbewertet war." Nun denn. Ist auch mal eine erfrischend unpräsentiöse Antwort.

Zu hören bekommt der geneigte Freund finnischer Klänge letzten Endes also absolut passend produzierten Black Metal, der, wenngleich abwechslungsreich, das Rad eher nicht neu erfindet, dafür aber auch nicht im Elchtest versagt. Dieser kleine Finnlandwitz sei mir dann doch noch erlaubt.

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. The Carnal Temples
02. In Death Rapture
03. Moonlit Coffinspirit
04. Flesh And Blood
Band Website: www.facebook.com/Aegrusofficial
Medium: EP
Spieldauer: 25:56 Minuten
VÖ: 28.01.2022

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Werter Gandalf. Reviews sollten nach Möglichkeit aus mehr als einem Absatz bestehen, und ich schreibe grundsätzlich auch etwas zu den Hintergründen einer Band. Und wie die Punktzahl zustande gekommen ist, sollte ich eigentlich gut begründet haben. Cheers und ein schönes Wochenende!
(04.03.2022 von Humppathetic)

Der letzte Absatz hätte gereicht, Punktzahl natürlich wieder willkürlich und die episch versatile Vorgeschichte...keiner kannte sie und ich weiß auch warum!
(04.03.2022 von Gurkengandalf)

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