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KK's Priest - Sermons Of The Sinner

Review von Damage Case vom 05.10.2021 (1328 mal gelesen)
KK's Priest - Sermons Of The Sinner Mit Grauen darf man an Schlagerfestivals denken, die dereinst durch die Lande tingelten und auf denen "Stars" wie beispielsweise Michael Holm, Tony Marshall oder Andy Borg in Auftritten, die von ihrer Länge her den Begriff "Konzert" nicht verdient haben, Playback-Medleys ihrer größten Hits zum Besten geben durften. Was hat das mit KK'S PRIEST zu tun? Der Metal und speziell dessen in die Jahre kommenden Idole müssen schwer aufpassen, dass sie nicht ebenfalls in einen Strudel aus Selbstkarikatur, Ballermann und allgemeiner Peinlichkeit hinein geraten. Selbiges gilt auch für das Übermaß an Festivals, welche jeder Kapelle, die in den 1980ern mal ein Demo aufgenommen hat, unter dem Begriff "Kultband" die Möglichkeit bietet, schlecht gealterte Songs von noch schlechter gealterten Musikern darbieten zu lassen. Von daher ist die Zwangspause durch Corona vielleicht eine Möglichkeit, den (Live-)Markt ein wenig zu bereinigen, weil einige Mucker nach zwei Jahren Zwangspause überhaupt nicht mehr in Form kommen werden. Aber wir schweifen ab...

KK Downing, seines Zeichens einer der großartigsten und prägendsten Metalgitarristen überhaupt, wird diesen Oktober 70 Jahre alt. Das ist prinzipiell vollkommen egal, wenn man, wie zum Beispiel DEEP PURPLE, einfach munter tight weiterrockt. Aber Alter und Erfahrung beinhalten die Gefahr, dass man zur Kopie seiner Selbst verkommt - gerade, wenn man seine neue Band zu 50 Prozent nach seiner alten benennt und insgesamt drei der Beteiligten (Schlagzeuger Les Binks wird wohl nur live verstärken) dazu holt. Und so wirken einige Songtitel, die allein dem Titel nach durch und durch dem Stahl, Bruderschaften auf der Straße, hochgereckten Fäusten, predigenden Sündern und der freien Wildheit huldigen, schon extrem klischeehaft und aus dem Baukasten, quasi dem PRIEST-O-Mat, inklusive eines Covers, das zwar qualitativ Geschmacksache ist, aber nicht zwingend einen Priester im Büßergewand im Mittelpunkt des Geschehens hätte haben müssen. Mit dem Titel 'Hail For The Priest' wird es dann ganz kritisch. Wenn das dann musikalisch nicht zu 100 Prozent authentisch rüberkommt, findet man sich eben schnell auf Schunkelfestivals in bester Gemeinschaft der Metal-Schlager wieder. Und das kann KK Downings Ansinnen nicht sein, spürt man doch mit jeder Faser, dass er mit seinem Ausstieg vor gut zehn Jahren für sich und die Fans (Richie Faulkner bitte mal weghören, danke) einen Riesenfehler begangen hat, den er nun mit diesem Bewerbungsalbum irgendwie rückgängig oder zumindest vergessen machen möchte. So gibt es Geballer der "Painkiller"-Liga (Titelsong, 'Hellfire Thunderbolt', 'Wild And Free') und auch Gute-Laune-Schunkler ('Raise Your Fist', 'Brothers Of The Road'). Was negativ auffällt, sind die häufig generisch klingenden Drums, die vielen der immer noch packenden KK-Riffs einfach davon galoppieren. Ripper Owens dazu zu holen, war ein so vorhersehbarer wie geschickter Schachzug, kann er nun zum ersten Mal nach "Jugulator" (1997) und "Demolition" (2001) traditionelle Priestermessen singen. Gerade weil in ihm seit zwanzig Jahren bestimmt das Feuer brennt, es seiner Ex-Band bei jeder sich bietenden Gelegenheit zeigen zu wollen - mit KKs PRIEST ist sie gekommen und der Ripper liefert. Anders als zum Beispiel bei THE THREE TREMORS, ICED EARTH oder YNGWIE MALMSTEEN, klingt er so, wie man ihn damals in seiner Phase als PRIEST-Sänger kennen und lieben gelernt hat - wie ein würdiger Sänger am PRIEST-Mikro, nur damals eben zu völlig untypischer Mucke.

Fazit: Ganz knapp schrammen KKs PRIEST trotz aller Wortklaubereien und Zitate (noch) mit den im Kern wirklich schmissigen Songs an einer Selbstkarikatur vorbei und immer noch weit vernab solcher Peinlichkeiten der Sorte OLIVER/DAWSON SAXON, den TANK-Varianten oder GEOFF TATE'S QUEENSRYCHE. KK muss diesbezüglich dennoch schwerstens aufpassen, da er schon mit seiner 2019 erschienen Autobiografie, in welcher er seine Opferrolle bei seinem Nicht-Oder-Doch-Ausstieg-Rausschmiss-Nicht-Wiedereinstieg 2011 in epischer Breite ausrollt, bei nicht wenigen Fans massig Kredit verspielt hat. Einige von KKs Riffs auf "Sermons Of The Sinner" sind wirklich allererste Metalsahne, Rippers Sirene macht 2021 nochmal den Unterschied. Aber um es mal im Fußballsprech zu sagen: Ohne deutliche Steigerung wird das kommende Saison (= auf einem Nachfolgealbum) nicht mehr zum sicheren Klassenerhalt ausreichen.

Drei Anspieltipps: 'Hellfire Thunderbolt' ist nach dem Intro einfach ein geiler, rasanter Einstieg, den seine Ex-Kollegen auf ihren kommenden Album erstmal toppen müssen. Im Titeltrack zeigt der Ripper mal ganz nebenbei, wie Rob Halford bei JUDAS PRIEST vor vielen Jahren singen konnte. Das epische 'Return Of The Sentinel' ist ein überraschender Abschluss - die Idee das Original quasi weiter zu schreiben, ohne es zu kopieren, darf absolut auf der Habenseite verbucht werden.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Incarnation
02. Hellfire Thunderbolt
03. Sermons Of The Sinner
04. Sacerdote Y Diablo
05. Raise Your Fists
06. Brothers Of The Road
07. Metal Through And Through
08. Wild And Free
09. Hail For The Priest
10. Return Of The Sentinel
Band Website: www.kkspriest.com
Medium: CD
Spieldauer: 50:37 Minuten
VÖ: 01.10.2021

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05.10.2021 Sermons Of The Sinner(7.0/10) von Damage Case

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