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Mount Mary - Mount Mary

Review von baarikärpänen vom 28.01.2021 (2423 mal gelesen)
Mount Mary - Mount Mary Wer in der Suchmaschine seiner Wahl den Begriff "Mount Mary" eingibt, landet bisher unweigerlich bei verschiedensten Webseiten, wie zum Beispiel einem australischen Winzer, Hotels oder gar einer Universität. Das dürfte sich aber spätestens ab dem 29. Januar diesen Jahres ändern. An besagtem Datum erscheint nämlich das Debut der finnischen Classic Rocker MOUNT MARY. Aber MOUNT MARY sind nicht bloß ein weiterer Newcomer, der seinen Teil vom Kuchen abhaben möchte. Nein, hinter der Band versteckt sich sozusagen das Who-Is-Who der finnischen Rockszene. Jedes einzelne Mitglied der Band hat eine Vita vorzuweisen, die andere locker vor Neid erblassen lassen könnte. Sängerin/Multiinstrumentalistin Maria Hänninen war ihrerseits schon an über 100 Alben verschiedenster Truppen beteiligt und stand, wann immer er in Finnland tourte, mit dem leider kürzlich verstorbenen Ken Hensely auf der Bühne. Gitarrist Petri Majuri war einst Teil der über die Landesgrenzen bekannten HAVANA BLACK, in letzter Zeit aber eher als Produzent für unter anderem MICHAEL MONROE, HANOI ROCKS oder 69EYES tätig. Bassist Jukka Jylli war Mitglied der bekanntesten Progressive Rock-Formation, die Finnland jemals zu bieten hatte, KINGSTON WALL und war seitdem in unzähligen Projekten/Bands involviert und als Studiomusiker mehr als beschäftigt. Selbst Drummer Otto Haapanen, sozusagen das Nesthäkchen von MOUNT MARY, war bereits in vielen Bands für den Takt zuständig, wie zum Beispiel den in Finnland zum Kulturgut zählenden DINGO und tourte fleißig mit THE EMPIRE STRIKES durch Europa (als es sowas wie Touren noch gab ...). Dass eine Band, die aus Musikern mit einem solchen Background besteht, kein Garant für eine starke Scheibe ist, hat die Vergangenheit leider oft genug gezeigt. Aber hier scheint es so, als ob alle vier Musiker echte Teamplayer sind. Genau das hört man auch dem selbstbetitelten Debut an.

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Was sich ebenfalls positiv auf die Qualität auswirkt, ist die Zeit, die sich MOUNT MARY genommen haben, um das Album einzuspielen. Immerhin wurden 'I'm Like A Mountain' und 'October' bereits Mitte beziehungsweise Ende 2019 erstmals digital veröffentlicht. Auch wenn die Musiker*innen in der Zwischenzeit allesamt anderweitig bechäftigt waren, hört man "Mount Mary" an, dass das hier kein Schnellschuss ist. Zehn Songs befinden sich auf der Scheibe, und auch wenn alle in der Rubrik Classic Rock einzusortieren sind, gibt's hier Abwechslung ohne Ende. Die Band selbst nennt es "New Wave Hard Rock" und verortet sich laut Bio in der Nähe von den RIVAL SONS oder THE TEMPERANCE MOVEMENT, aber ich finde den Vergleich irgendwie unpassend. Denn die Songs, die Maria Hänninen komplett alleine geschrieben und zusammen mit der Band arrangiert hat, gehen deutlich tiefer. Da ist dieser bluesige und dunkle Vibe, der 'Dazed And Confused' von LED ZEPPELIN zu einer faszinierenden Nummer gemacht hat und der hier unterschwellig immer mitschwingt. 'I'm Like A Mountain' eröffnet das Album, ist zugleich das, was man wohl als zugänglich bezeichnen könnte und punktet mit seiner positiven Art. Wohl mit einem Augenzwinkern ist das darauffolgende 'Mean Old Woman' zu verstehen. Der Song selbst geht gut nach vorne und weiß mit heavy Gitarren zu gefallen. Am wenigsten können MOUNT MARY ihre finnische Herkunft in 'Spine Made Out Of Willow' verbergen, das zum einen dieses leicht Melancholische bietet, aber andererseits auch für mich das Stück ist, wo der selbstgewählte Bezug zu RIVAL SONS am ehesten passt. Demgegenüber steht dann das darauffolgende 'Silent Hell', die perfekte Verbindung von BLACK SABBATH und Stoner Rock. Aber auch hier wieder, wie auf allen Songs der Scheibe, diese dunkle Aura. Und das möchte ich nicht negativ verstanden wissen. Es gibt allen Stücken dieses gewisse Etwas, das sie vom Gros der Veröffentlichungen im Classic Rock unterscheidet. Richtig spannend wird es dann in 'October', das mich ungemein an CANDLEMASS beziehungsweise Leif Edlings spätere Spielwiese AVATARIUM erinnert. Passenderweise klingt Maria Hänninen auf dem Song wie eine bluesgetränkte Version von Jenni-Ann Smith. Trotz des Vergleichs ist 'October' weit entfernt davon, als Kopie bezeichnet zu werden. Für 'Holy Matrimony', einem der straighteren Rocker, konnten MOUNT MARY keinen Geringeren als Mr. Michael Monroe himself als Gast gewinnen, der dem Song mit der Mundharmonika "den Marsch bläst". Womit wir auch schon zu den letzten drei Songs des Albums kommen, die man als Classic Rock goes Progressive bezeichnen könnte, wobei 'No Getaway' mit seiner Mischung aus AC/DC/DEEP PURPLE/LED ZEPPELIN auffällt, während 'Ode To The Forest' zumindest mich an KINGSTON WALL erinnert. Man müsste Maria Hänninen mal fragen, ob ihr Bassist Jukka Jylli Einfluß auf das Songwriting hatte. Ihr Magnum Opus haben MOUNT MARY mit 'Footprints In The Dark' am Ende geparkt. Was zu Anfang wieder an AVATARIUM erinnert, entwickelt sich recht schnell zu einem symphonischen Classic Rocker, der mit orientalischen Klängen aufwartet. Laut Maria Hänninen kam ihr die Idee und der Text irgendwann unvermittelt in den Sinn. Textlich erzählt der Song von dem Gefühl, jemanden genau zu kennen, obwohl man ihn noch nie persöniich getroffen hat. Hört sich kryptisch an? Richtig! Deshalb passt auch das Ende des Songs wie Faust auf Auge, denn hier wird's nochmal so richtig progressiv. Dazu passend die Geigen, die Hänninen selbst eingespielt hat, die Klarinette, die Bassist Jukka Jylli nach Ewigkeiten mal wieder augepackt hat und vor allem dank Per Wiberg (unter anderem OPETH, CANDLEMASS), der dem Kuchen mit Hammond, Piano, Moog und Mellotron die Kirsche aufsetzt.

Wie bereits erwähnt, besteht MOUNT MARY aus Musiker*innen, die auf Grund ihres musikalischen Backgrounds niemandem mehr etwas beweisen müssen und deshalb ganz locker an die Sache rangehen können. Der Fakt, dass die Band auf allzu offensichtliche "Ohrenschmeichler" verzichtet, macht "Mount Mary" erst zu einem klasse Album in Sachen Hard Rock/Classic Rock. Die Scheibe erscheint übrigens nur in einer Vinyl- oder digitalen Version und leider erstmal nur über ein finnisches Label. Deshalb empfiehlt sich ein Besuch der Band auf Facebook für weitere Infos, und bestellt werden kann auch über Levykauppa. Aber für Hörer, die ein erstklassiges Classic Rock-Album mit Langzeitwirkung zu schätzen wissen, ist ja bekannterweise kein Weg zu weit. Von meiner Seite satte neun Punkte für dieses beeindruckede Werk.



Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. I'm Like A Mountain
02. Mean Old Woman
03. Spine Made Out Of Willow
04. Silent Hell
05. Too Much Time
06. October
07. Holy Matrimony
08. No Getaway
09. Ode To The Forest
10. Footprints In The Dark
Band Website: https://www.facebook.com/mountmaryband/
Medium: LP, Digital
Spieldauer: 46:44 Minuten
VÖ: 29.01.2021

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