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Interview mit Bernemann von Sodom
Ein Interview von Eddieson vom 09.09.2016 (1301 mal gelesen)
Mit "Decision Day" ist SODOM ein großer Wurf gelungen. Gitarrist Bernemann hatte kurz Zeit, um mit mir natürlich über das Album zu sprechen; auch über über die Vergangenheit haben wir geredet und der sympathische Ruhrpottler zog noch die ein oder andere Anekdote aus dem Ärmel.

Hallo Bernemann! Vielen Dank, dass du dir kurz Zeit nimmst. Und wir starten mit der obligatorischen Frage nach deinem Befinden.

Bernemann: Danke, mir geht es blendend. Alles gut soweit. Wir sind im Moment ganz guter Dinge, zurzeit scheint uns die Sonne aus dem Arsch, kann man sagen.

Das erklärt die Hitze da draußen. [Es waren noch um 20 Uhr gefühlte 48 Grad im Schatten] Das Release zu "Decision Day" ist in 3 Tagen. Wann hast du das Album das letzte Mal gehört?

Bernemann: Ich bin vor ein paar Tagen aus dem Urlaub wiedergekommen. Ich habe Familie und Freunde in Brasilien besucht. Da habe ich auch eine CD mitgenommen. Ich bin dann abends mit Freunden in einer Stammkneipe eines Kollegen gewesen, und da haben wir eine kleine Release-Party gemacht. [lacht]. Da haben wir das Dingen mal laufen lassen. Da habe ich sie das letzte Mal gehört, ist jetzt circa zwei Wochen her. Mit der Zeit brauchst du dann aber einfach etwas Abstand. Ich fand sie nicht mehr so interessant, aber viele Leute wollten sie mal hören, deswegen habe ich sie da aufgelegt und ein paar Bierchen dabei getrunken. Das war ganz nett!

Wenn das Album jetzt am Freitag erscheint, ist das für euch ein Tag wie jeder andere auch - oder macht ihr da schon irgendwas Besonderes?

Bernemann: Nein, das ist ein Tag wie jeder andere. Es ist ja so: es gibt einige Release-Partys, aber wir sind dann selber auch schon wieder unterwegs, wir spielen am Samstag auf einem Open Air Festival. Im Prinzip ist an diesem Tag nichts Besonderes für uns. Viele Leute warten drauf, aber du kannst dir ja vorstellen, wir arbeiten so lange an den Songs, dann ist das nicht mehr so superaktuell. Wir sind natürlich supergespannt auf weitere Reaktionen, wir wissen von unserer Plattenfirma um die Reviews von vielen Magazinen und sind sehr glücklich darüber, aber letztendlich müssen die Fans entscheiden, ob sie das mögen. Wir haben es ja auch schon Freunden vorgespielt, und ich glaube, dass das diesmal echt eine runde Sache geworden ist. Ich bin gespannt und wir sind guter Dinge.

Das bestätige ich gerne. Es ist ein super Album geworden, es ist brutal und es ist wirklich böse.

Bernemann: Ja, ich habe mich erschrocken, das haben schon viele gesagt. [lacht] So viel böser als beim letzten Mal kam ich mir gar nicht vor, aber es ist gut so und freut mich - wenn das so rüberkommt, ist das natürlich schön.

Ihr seid wahrscheinlich nicht mit der Vorstellung an das Songwriting gegangen, dass es besonders böse werden soll, sondern es war der Lauf der Dinge?

Bernemann: Ganz genau! Das machen wir ja nie. Der einzige Hintergedanke, den ich schon habe, wenn ich irgendwelche Riffs vorbereite, ist, dass es zwar in Grenzen ist, aber auf der anderen Seite so abwechslungsreich wie möglich klingt. Ich kenne so einige Bands, die ich richtig geil finde, aber dann gucke ich mir eine Show an, und wenn du dann live ein Level hast und es geht nur auf die Fresse, in einer Geschwindigkeit, oder wenn ein Album keine Höhen und Tiefen hat, dann wird es für mich relativ schnell uninteressant. Das ist der einzige Anspruch, den wir haben: dass wir versuchen, zwar innerhalb unserer Grenzen zu bleiben, aber auch möglichst interessant und abwechslungsreich zu klingen. Das haben wir eigentlich immer gemacht und immer versucht. Mal gelingt dir das besser, manchmal weniger, aber ansonsten sagen wir nicht, dass es jetzt böse klingen muss. Tom hat etwas anders gesungen, das ist mir aufgefallen. Ein Grund könnte noch sein, dass diesmal zum Beispiel die Gitarren deutlich präsenter sind als auf der "Epitome" - und dadurch wirkt das natürlich sofort etwas brutaler.

Und ihr macht das noch nach der guten, alten Schule im Proberaum.

Bernemann: Ja. Also, es ist in der Regel so, dass ich zuhause irgendwelche Riffs vorbereite oder irgendwelche Ideen habe. Makka wohnt in der Nachbarschaft, ich kann mit dem Fahrrad hinfahren. Wir beide treffen uns dann vorab im Proberaum. Ich habe zuhause ein paar Aufnahmemöglichkeiten, dann schicke ich ihm vorab ein bisschen was zu, dass er sich schon mal ein paar Gedanken machen kann. Dann treffen wir uns im Proberaum und dann wird an den Songs gearbeitet. Weißt du, dann kommt das Schlagzeug dazu, und dann klingt das schon wieder ganz anders als ich mir das vorgestellt hatte. Da inspiriert einer den anderen, dann kommt der Tom, der gibt auch noch seinen Senf dazu und so wächst dann ein Song, aber wie üblich im Proberaum. Es ist nicht so bei uns, dass einer den Song fertig macht und der bleibt dann so und die anderen spielen das dann nach. Das passiert bei uns sicherlich nicht. Klar, die Grundidee kommt in Form eines Riffs, aber ausarbeiten tun wir das ausgiebig im Proberaum zusammen.

Hattet ihr mehr Songs als letztendlich auf dem Album gelandet sind?

Bernemann: Ja, wir haben insgesamt 13 Songs aufgenommen. Auf dem regulären Album sind 11 Songs drauf, auf der Vinyl-Ausgabe gibt es einen Bonus-Track. Und dann gibt es noch einen, der wird beim Rock Hard erstmalig dabei sein, in Form eines Bonus-Vinyls, da freuen wir uns natürlich auch sehr. imgleft

Das ist die Split mit RUNNING WILD.

Bernemann: Ja, genau! Das ist eine klasse Idee. Wir haben tatsächlich Sachen gehabt, die wir auch veröffentlichen wollten. Ganz nebenbei, wir sind wirklich froh, dass wir sagen können: es ist kein schlechter Song dabei. Wir haben jetzt das Problem, dass wir gucken müssen, welchen wir live spielen werden. Irgendwie will keiner von uns einen Song streichen, weil wir sehr happy mit den Nummern sind. Wir haben alle unterschiedliche Favoriten. Bei anderen CDs fiel uns die Entscheidung leichter, aber diesmal ist das ein ganz gutes Level über die Distanz.

Und das komplette Album live zu spielen steht nicht zur Diskussion?

Bernemann: Äh, nein! Das würde den Rahmen sprengen. Es ist ja auch so, dass wir in der Vergangenheit so Old-School-Sets gespielt haben, aber ich denke, die Leute wollen ihre Klassiker hören. Ehrlich gesagt würde ich das wirklich gerne mal machen, aber ich denke auch, dass das nicht passieren wird. Und so hoffe ich, dass wir möglichst viele neue Songs spielen. Wir haben Spaß daran, macht ja auch mal Bock, etwas anderes zu spielen. Wenn du 100 Jahre 'Agent Orange' spielst, dann ist das natürlich okay, weil du weißt, dass viele Leute darauf warten ... aber es ist auch nicht schlimm, wenn man mal etwas anderes macht.

Ich selbst war nicht beim diesjährigen PartySan, aber ich hörte davon, dass ihr einen neuen Song nicht spielen durftet.

Bernemann: Nicht durften?

Ich hörte davon, dass Tom eine Ansage gemacht hat, dass ihr gerne einen neuen Song spielen wollt, dies euch aber nicht erlaubt wurde.

Bernemann: Wir haben ja einen neuen Song gespielt. 'Sacred Warpath' ist ja insofern ein neuer Song, als wir ihn vorneweg veröffentlicht haben - ist aber eine ganze Weile her. Ich sag mal so: man macht es einfach nicht, bevor die Platte nicht veröffentlicht wurde. "Nicht dürfen" ist jetzt vielleicht der falsche Ausdruck. Man macht es einfach nicht. Dann wartet man ein paar Tage und dann ist noch genug Zeit, um einem das um die Ohren zu hauen.

Okay! Jetzt mal Hand auf das Herz. Wir sind alle nicht mehr die Jüngsten. Wie lange, glaubst du, kann man solch eine Extrem-Musik authentisch rüberbringen?

Bernemann: Ich bin überzeugt davon, dass man das so lange bringen kann, wie man gesundheitlich fit ist und der Körper das mitmacht. Klar, was viel mehr schlaucht als eine Show, mich jedenfalls, ist einfach das Drumherum. Wir sind am Wochenende in der Slowakei gewesen. Da bist du drei Tage unterwegs, für eine Stunde Krachmachen. Du hängst stundenlang an Flughäfen rum, im Van, dann trinkst du ein bisschen was und morgens kommst du schlecht hoch. Auf die Bühne, da freue ich mich drauf, da habe ich Spaß und ich glaube, das kriegen wir noch gut hin. Natürlich, machen wir uns nix vor, mit 20 ging das leichter. Aber wenn du da oben stehst, dann macht das Spaß. Aber ich denke, da sind viele andere Sachen, die für mich viel anstrengender sind. Wenn du Montag arbeiten musst und kommst am Sonntag von einer Show nach Hause, dann möchtest du am Montagmorgen auch mal liegenbleiben. Aber dann musst du halt um 5 Uhr aufstehen und dann wieder zur Arbeit. Zuhause bleibt vieles liegen, das schlaucht viel mehr, weil du auch noch arbeiten gehen musst. Solange wir das auf die Reihe kriegen, solange die Gesundheit mitspielt, können wir das auch gerne noch ein paar Jährchen machen.

Du hast es ja eben schon angesprochen: ihr habt mehrere Songs aufgenommen, jetzt kommt einer beim Rock Hard, einer bei Apple, einer auf dem Vinyl und hier und da. Es ist ja nicht nur bei euch so, machen viele andere Bands ja auch, aber das stößt einigen Fans schon ziemlich sauer auf. Gerade Sammler kommen da in Schwierigkeiten. Ist das Labelsache? Habt ihr da ein Mitspracherecht?

Bernemann: Ja, das ist wirklich so eine Sache, da kann man jetzt wirklich geteilter Meinung drüber sein. Mitspracherecht haben wir, aber wie du schon gesagt hast, im Moment ist das mehr oder weniger üblich. Das wird halt so gemacht. Ich versteh auch, dass einige Leute das nicht so toll finden. Das Album an sich hat jetzt keine Spielzeit von einer halben Stunde, da ist eine Menge drauf - das kann man vertreten. Wobei ich auch die Kritik ein Stück weit verstehen kann, aber ich denke, dass das heutzutage seitens der Plattenfirma auch ein bisschen gefordert wird. Wir haben uns auch nicht dagegen ausgesprochen. Ich kann das mit meinem Gewissen vertreten, wie wir das gemacht haben. Wie gesagt, das ist im Moment eigentlich nichts Besonderes. Wenn dann der eine oder andere damit ein Problem hat, ist das nachvollziehbar und bis zu einem gewissen Punkt kann ich das verstehen.

Es ist ja auch egal, wie man es macht, allen Recht machen kannst du es eh nicht.

Bernemann: Das ist genau der Punkt. Ich persönlich hätte ungerne eine Platte rausgebracht, die über eine Stunde Spielzeit gehabt hätte. Dann hätte ich mir lieber die Songs aufgehoben und für irgendwas mal benutzt. Wir haben einfach das Material gehabt, haben es gut gefunden und wollten es gerne aufnehmen. Als dann die Möglichkeit bestand es anderweitig zu verwenden, haben wir das gemacht - bevor die Dinger in der Schublade verschwinden.

Das wiederum ist auch verständlich.

Bernemann: Ja, aber wie du schon sagtest, jedem recht machen kannst du es einfach nicht. Ich denke, unterm Strich sind wir immer noch selber Fans und versuchen bei der Sache fair zu bleiben.

Das stimmt schon, da gibt es andere Bands, da läuft das noch ganz anders. Aber das ist auch ein Thema, über das man wohl endlos diskutieren kann.

Bernemann: Ja, das stimmt allerdings.[lacht]

Du bist jetzt 20 Jahre in der Band.

Bernemann: Genau, im April hatte ich mein 20-Jähriges.

Da liegt die Frage nach den Highlights und Sachen, die nicht so doll liefen, natürlich nahe.

Bernemann: Ja klar! Aber erst mal bin ich total dankbar für die letzten 20 Jahre. Natürlich gab es auch Sachen, die nicht schön waren und du erlebst immer wieder mal Enttäuschungen. Aber unterm Strich bin ich mir dessen bewusst, dass ich vieles erlebt habe und gesehen habe, wo mich manch meiner Kollegen und Bekannten drum beneidet. Darüber bin ich auch sehr glücklich. Ich habe 1997 meine Frau auf Tour kennengelernt, ich habe unheimlich viele Freunde gewonnen. Alle paar Tage habe ich Kontakt nach Südamerika, nach Japan, quer durch Europa, man hat so wahnsinnig viele Leute kennengelernt - ob es nun Musiker sind oder die Crew. Das ist wie eine Familie. Mittlerweile können wir ja auf Festivals spielen, wo wir wollen. Du triffst immer irgendjemanden, ob das nun ein Musiker ist oder ein Roadie oder ein Techniker. Darüber bin ich unheimlich glücklich und dankbar. Was nicht so schön war, ist natürlich die Nummer mit Bobby. Als der ausgestiegen ist, ist natürlich eine Freundschaft zerbrochen. Da denke ich heute noch viel drüber nach und das ist natürlich auch eine traurige Geschichte, sowas passiert halt auch. Ist auch nicht immer leicht, hört sich ja immer toll an mit der Band, aber, wie ich eben schon hab anklingen lassen, manchmal ist das auch hartes Brot, ne?! Wenn man die ganze Woche arbeiten muss. Letzte Woche musste ich freitags nach der Arbeit sofort nach Düsseldorf und bin am Sonntagabend erst nach Hause gekommen. Ich habe auch noch einen 10-jährigen Sohn und da tut mir das manchmal schon weh. Das sind so die negativen Sachen dabei, wenn du nicht nur von der Musik lebst. Aber klar, auf Tour ist natürlich irre, was du da für Abenteuer [lacht] erlebst. Mit anderen Bands, mit Bands wie TANKARD zum Beispiel oder auch mit den Jungs von KREATOR. Das ist natürlich schön, das sind so Momente, da freust du dich und da denkt man auch später mal dran. Die vielen Orte alleine, die du kennenlernst. Das ist echt ein Geschenk, so viele Orte und Länder kennenzulernen. Manchmal bist du froh, wenn du wieder weg musst, aber das ist eigentlich selten. In der Regel möchte ich die Zeit und die Kohle haben da überall nochmal hinzufahren, um mir das noch genauer anzusehen. Du kriegst ja auch einen ganz anderen Horizont, denkst über viele Sachen ganz anders nach. Es gibt halt nicht nur die Art und Weise, wie es bei uns läuft, manchmal läuft es im Ausland viel besser oder halt auch schlechter. imgright

Klar, das sind Eindrücke, die ein "normal Sterblicher" nicht unbedingt bekommt.

Bernemann: Ach, da gibt es Leute, die sind ganz anders unterwegs als ich. Aber das sind so Sachen, die machen es einfach wert. Das sind für mich die wichtigsten Momente. Auf der Bühne zu stehen und in die Gesichter zu gucken, die alle Spaß inne Backen haben, ey, da geht halt nichts drüber. Damit meine ich gar nicht, dass du da den Hengst machst auf der Bühne, sondern du guckst einfach nur runter und bist ein Teil mit den Leuten. Ist einfach eine gute Zeit - und das ist das Größte.

Auch nach der langen Zeit, ne?

Bernemann: Klar, vielleicht genieße ich das heute noch mehr als früher. Letztes Wochenende z. B. in der Slowakei. Wir sind noch nie in der Slowakei gewesen, und dann kommst du da hin und die rufen alle SODOM, wie die verrückten. Dann gehst du raus, die haben Spaß inne Backen, wir haben Spaß inne Backen, einen guten Sound und dann haben wir einen super Abend zusammen. Das ist doch irre! Ich bin immer wieder aufs neue fasziniert, was da los ist und was für eine Energie von den Leuten auf dich zukommt. Das ist wirklich bemerkenswert und ein ganz tolles Gefühl.

Als du in die Band eingestiegen bist, stand es um SODOM nicht besonders gut. Tom war alleine und es sah nicht so rosig aus. Kannst du dich noch an die Zeit damals erinnern?

Bernemann: Es war sicherlich eine schwere Zeit für SODOM. Ich habe das als die Knallerzeit überhaupt erlebt. [lacht] Für Bobby und für mich war das natürlich irre. Wir haben so lange versucht, mit der Musik an Start zu kommen und sind immer wieder zurückgeworfen worden. Dann sind wir zu SODOM gekommen. Wir haben die Zeit als eine sehr schöne und verrückte Zeit wahrgenommen. Es war sicherlich so, dass der Tom mit dem Rücken zur Wand stand. Tom ist nicht der Typ, der sucht sich keine Musiker im Internet ... damals gab es ja eh noch keins. Aber Tom ist sehr bodenständig und für uns ist das wichtig, dass wir Leute aus dem Pott haben, die ungefähr gleich ticken, weißt du, die über dieselbe Scheiße lachen, die denselben Spaß haben, die gerne mal ein Bierchen trinken, die früher Mofa gefahren sind. [lacht] Man kann es schlecht erklären, die Chemie muss einfach passen. Als Bobby und ich damals in die Band gekommen sind, da stand der Tom echt ziemlich alleine da und um so schöner war es später für uns alle. Wir haben gar nicht lange gebraucht, bis wir entschieden haben, dass wir zusammen Musik machen wollen. Bobby und ich kannten uns ja eh schon seit Ewigkeiten. Wir haben uns zum ersten Mal im Endzeit in Gelsenkirchen getroffen. Haben dann da gequatscht und dann war sofort eine Art Verständnis da, und gleich so ein Gefühl, dass wir alle dasselbe wollen. Wir haben alle dieselbe Jugend gehabt. Es war sofort ein ganz tolles Gefühl da. Ich komme aus einer Bergarbeiter-Familie, mein Vater ist in Dortmund auf die Zeche gegangen, Toms Vater kommt aus Gelsenkirchen. Ich bin nach Borussia gegangen und er dann zu [zögert] zu diesem blau-weißen Verein da. Wir sind dieselben Mopeds gefahren, wir haben dieselben Bands gehört. Wir hatten unheimliche Gemeinsamkeiten. Darum ist Tom, glaub ich, auch sehr schnell ein Stein vom Herzen gefallen, als wir dann angefangen haben zu proben und Songs zu machen. Das musste damals sehr schnell passieren. Wir haben mehr oder weniger bei jeder Probe einen Song geschrieben, und das hört man auch heute noch - was ich aber im Nachhinein geil finde. Bei der "'Til Death Do Us Unite" haben wir fast bei jeder Probe einen Song gemacht. Das ging alles sehr schnell, und ich glaube, damals ist auch angekommen, dass SODOM dabei ist die Kurve zu kriegen. Das kam damals schon rüber und seitdem ging es immer stetig in kleinen Schritten bergauf.

Wie habt ihr denn zueinander gefunden?

Bernemann: Das war ganz witzig. Sagt dir die Band RANDALICA noch was?

Jep.

Bernemann: Das waren ja die Schreiberlinge vom Rock Hard. Tom ist zu der Zeit im Studio gewesen, und ich glaube, der hat zu der Zeit die erste "Sauflieder"-CD aufgenommen. Ich habe selbst mit Bobby bei RANDALICA gespielt, nur bin ich nicht bei der CD-Aufnahme dabei gewesen, ich habe nachher die ganzen Live-Shows gemacht, aber im Studio bin ich nicht dabei gewesen, weil ich erst später zur Band gestoßen bin. Tom und Bobby sind sich irgendwie im Studio über den Weg gelaufen und da haben sie miteinander gequatscht und dann ist der Tom auf die Idee gekommen den Bobby zu fragen, ob sie sich nicht mal treffen sollen und eine Session machen, um einfach mal zu testen. In dem Zuge hat der Tom auch rausgelassen, dass der Strahli [Dirk "Strahli" Strahlmeier, Anm. d. Verf.], der seinerzeit Gitarre gespielt hat, direkt nach den Aufnahmen zur "Masquerade In Blood" inhaftiert worden ist, der konnte dann halt auch schlecht spielen. Eines Abends rief mich Bobby an, der mir erzählte, dass ihn der Angelripper angerufen hat und dieser auch noch einen Gitarristen sucht. Dann haben wir ein Treffen mit Tom abgemacht und so sind wir zusammen gekommen.

Wie das Schicksal manchmal so spielt.

Bernemann: Genau. ANGEL DUST, sagt dir vielleicht auch noch was, da lief aber leider nichts mehr. Zu der Zeit habe ich mit den Jungs von ANGEL DUST gespielt, wo aber nichts mehr ging. Auf einmal hatten wir etwas zum Proben, dann mussten wir immer nach Essen, aber war natürlich eine super Sache für uns. Bobby und ich haben so viel Jahre wirklich versucht an die Sonne zu kommen. Hatten vorher schon in den Achtzigern einen Vertrag mit Century Media mit einer anderen Band und irgendwie gab es immer wieder Rückschläge. Auf einmal klappte es dann und ich war ja auch schon über 30. Ich habe das natürlich in vollen Zügen genossen. Wir haben zu der Zeit auch wirklich Stoff gegeben und versucht alles rauszuhauen, was wir konnten. Das hat, glaub ich, auch den Tom beeindruckt, dass da frischer Wind in die Band gekommen ist.

Und das jetzt schon 20 Jahre.

Bernemann: Ja. [lacht] Da erschrecke ich mich auch. Hätte mir das damals jemand gesagt, dem hätte ich ein Vogel gezeigt. Aber, ganz ehrlich, wir haben immer noch ein Mordsspaß. Und was du vorhin gesagt hast: wichtig ist, dass es authentisch bleibt. Ich glaube, in dem Moment, in dem man versucht den Leuten was vorzumachen, merken die das. Das kriegen die mit. Da sind wir auch keine Typen für.

Das glaube ich auch nicht. Ihr wirkt bodenständig und seid mehr so die Kumpeltypen.

Bernemann: Ja, unterm Strich sind wir selber Fans. Letztes Jahr haben wir auf dem Hellfest gespielt und auf der zweiten Hauptbühne war nach uns MOTÖRHEAD dran. Wir haben unseren Schlussakkord gespielt, dann sofort Bass und Gitarre weg, Bier auf, ums Eck und dann haben wir uns beim Lemmy auf die Bühne gestellt. Das machen wir bei Bands, die uns gefallen, auch heute noch so, weil wir tatsächlich selber auch noch Fans sind. Ich glaube, da ist SODOM schon irgendwie was Besonderes. Meine Familie kommt, wann immer es geht, mit auf Konzerte. Dann laufen wir da auch über den Platz und essen eine Currywurst oder sehen uns Bands an. Das ist keine Arbeit, das ist Lifsytle. Das ist unser Leben und das merken die Leute hoffentlich. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum man uns nach so vielen Jahren noch die Treue hält. imgleft

Ich glaube, die Fans können das ganz gut einordnen. Jetzt haben wir eben über die Vergangenheit gesprochen, lass und noch kurz in die Zukunft blicken. Was sind die Pläne für SODOM?

Bernemann: Vor geraumer Zeit haben wir einige Shows abgemacht, wir spielen noch auf dem ReLoad-Festival, irgendwo Richtung Bremen, dann haben wir noch ein paar Shows in Italien und Russland und in München. Immer so ein paar kleine Clubshows, wo es sein kann, dass da immer noch was dazukommt. Wir haben noch keine Tour geplant. Wir wollen erst mal dieses Jahr hinter uns bringen, aber wir werden selbstverständlich mit Beginn des neuen Jahres - da stehen auch schon die ersten Shows - versuchen, ein bisschen mehr unterwegs zu sein. Ich denke auch, dass wir einen Haufen Angebote bekommen werden, wenn das so weitergeht. Südamerika steht mal wieder an, eventuell auch die USA, und dann werden wir auch über eine Tour nachdenken müssen. Aber das machen wir Stück für Stück. In den nächsten Wochen werden wir uns zusammensetzen und Pläne schmieden.

Bernd, vielen Dank für deine Zeit, es war sehr nett.

Bernemann: Danke, find ich auch.

Dann gehören dir die letzten Worte.

Bernemann: Ich möchte mich natürlich an dieser Stelle bei den vielen Fans und Freunden bedanken, die uns nach so vielen Jahren immer noch die Treue gehalten haben. Ich hoffe, die neue CD wird allen gefallen und nicht enttäuschen. Wird sie aber mit Sicherheit nicht! Und ich freue mich über jeden, der zu den Shows kommt und freue mich auch in Zukunft, dass wir noch einige schöne Konzerte miteinander verbringen können. Vielen Dank!

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