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Interview mit Niklas und Mikael von Dark Tranquillity

Ein Interview von Odin vom 02.04.2005 (4156 mal gelesen)
Kurz vor ihrem Auftritt in Hannover hatten wir die Gelegenheit, mit Niklas Sundin (Gitarre) und Mikael Stanne (Gesang) zu sprechen. Das Interview wird Teil von Bleeding for Metal TV 2 sein, das demnächst als Video zum Download bereit stehen wird.

Der O-Ton steht auch zum Download zur Verfügung:

  Guten Abend, danke dass ihr hier seid.

Mikael:   Danke!

Niklas:   Danke.

  Ich werde sofort tief einsteigen... *lachen*

  ...vor etwa einem Jahr war ein wirklich großes Major-Label an euch interessiert, habe ich gehört - habt ihr das auch gehört?

Niklas:   Die Sache ist, dass wir ein Management haben, und die kümmern sich um alles. Wir wollen nicht wirklich alle Details wissen über die verschiedenen - ich hörte wir bekamen Tonnen von Angeboten von allen Arten von Record Labels von wirklich klein bis wirklich riesig! Aber ich kann mich nicht genau erinnern, wer die verschiedenen Spieler waren. Wir bekommen nur die Informationen, die wirklich relevant für uns sind und wann immer wir eine Entscheidung fällen müssen. Das ist ziemlich einfach und wir können uns auf die Musik konzentrieren, nicht nur den geschäftlichen Anteil davon. Wir bekommen eine Menge wirklich flammender Angebote, aber wir haben beschlossen, dass Century Media perfekt für uns ist. Wir waren vorher schon sehr glücklich, aber jetzt leisten sie sogar noch bessere Arbeit.

  Ende März werdet ihr KREATOR auf eine Südamerika Tour begleiten...

Niklas:   Ah, nein. Ich bin nicht sicher, wir bekommen nur die Informationen, die wir brauchen, vom Management, aber ich glaube das wurde abgesagt...

Mikael:   ...schon vor langer, langer Zeit, aber die Leute glauben immernoch, dass wir kommen. Leute schicken mir eMails und so wie "Oh, es ist großartig euch hier zu sehen!"

Niklas:   Es ist immer das gleiche mit einigen seltsamen Promotern; sie setzen die Show an, sie werben mit dem Namen, noch bevor es bestätigt ist - das ist nicht gut. Schaut auf unsere Homepage, da sind all die echten Informationen.

  Einige Neuigkeiten reisen wirklich schnell, andere bleiben stecken...

Dark Tranquillity:   Yeah, die sind zu schnell.

  Ihr seid seit über 15 Jahren im Geschäft. Was denkt oder fühlt ihr, hat sich in der Szene des Death Metal oder Metal allgemein geändert seit dem?

Mikael:   Eine Menge Dinge haben sich offensichtlich geändert. Diese winzig kleine Death Metal Szene, in der wir gestartet sind, alles Fanzines und Kassettentausch und Untergrund, jetzt ist es anerkannter und ich denke das ist der Hauptunterschied. All die Müll-Bands haben aufgehört und die guten haben weitergemacht. Es war wirklich interessant und ich habe es wirklich geliebt damals als wir anfingen, denn es fühlte sich an, als seist du Teil eines Geheimnisses, weisst du. Niemand wusste von dieser unheimlichen Musik, bei der es nur um Schreien ging und die wirklich brutal war. Jetzt ist es anerkannter geworden. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Ich dachte, dass es etwas war, das nur im Untergrund stattfinden konnte, aber jetzt wird es so viel größer und ich finde das ist cool. Die Bands werden besser, die Qualität der Bands wird großartig. - Klar, da ist auch eine Menge Müll draußen, aber auch eine Menge großartiges Material. Ich denke, es wird besser, ich mag es wirklich, ich mag, wie es kontinuierlich besser geworden ist für uns in der Szene, mit jedem Jahr, es gab nie Aufs und Abs, es ist ein ständiges Aufwärts.

  Ihr seid eine Art Anführer, ein Grundstein der Melodic Metal Szene, des Götheburg-Sounds von Anfang an.

Niklas:   Nun... *lachen* Darüber denken wir nie wirklich nach. Als wir anfingen, waren die Leute fast verängstigt, wie "Was zum... was macht ihr da, Melodien in Death Metal packen?! Das ist krank." Niemand verstand es und alle dachten, wir wären verrückt oder einfach Weicheier, aber wir sagten, nun, die Leute werden irgendwann drauf kommen, und wir machten einfach weiter mit dem, was wir gerne taten. Simpel. Und zack - 15 Jahre später sind wir hier.

  Dann wurdet ihr noch mehr 'Weicheier' zum Beispiel mit "Haven", wo ihr eine Unmenge Synthies und Keys und so hattet.

Mikael:   Yeah, aber wir mögen die Songs. Wir lieben es, alle möglichen Sachen in unsere Musik einzuarbeiten. Wir lieben wirklich emotionale Musik und wirklich aggressive Musik, weisst du. Was immer sich zu der Zeit gut anfühlt.

Niklas:   Es geht auch darum, unser eigenes Interesse wach zu halten. Du musst gelegentlich die Perspektive ändern, du musst immer jedes Album aus einer anderen Perspektive schreiben, um es für dich selbst interessant zu machen. Wir würden wahrscheinlich müde werden und die Band hinschmeissen, wenn wir das selbe Album wieder und wieder machen sollten. So ist es etwas, das wir immer machen werden; ein etwas anderer Blickwinkel für jedes Album.

Mikael:   Absolut.

  Mit "Character" kommt ihr wieder etwas zurück zum ursprünglichen, rohen Heavy Sound. Meint ihr, es wird in der Zukunft weitere Experimente wie auf "Haven" geben?

Niklas:   Hmmm, nicht sicher, ob es "Haven"-artig sein wird, aber ich bin sicher, das nächste Album wird sich sehr von "Character" unterscheiden, aber ob es härter oder softer wird - dafür ist es noch etwas zu früh, das zu sagen. Wir machen auch keine Pläne oder große Schemen, wir spielen und schreiben einfach die Musik, die sich für uns in dem Moment gut anfühlt, und das wird dann das Album.

Mikael:   Mal sehen, was rauskommt, weisst du. Was immer sich in dem Moment richtig anfühlt landet auf dem Album. Ganz einfach.

  Denkt ihr, es könnte der Punkt kommen, an dem ihr das Gefühl habt, es hat keinen Sinn mehr weiterzumachen, und ihr einfach mit der Band komplett aufhört?

Mikael:   Natürlich könnte das passieren. Aber gerade jetzt fühlt es sich besser an denn je, denke ich. Das Dümmste, was du machen kannst, ist weitermachen, wenn du es nicht mehr meinst oder dein Herz nicht mehr dabei ist. Dann wird die Musik ungeheuer leiden, und das macht keinen Sinn. Solange es Spaß macht, solange wir eine gute Zeit haben und zufrieden sind mit all den Songs, die wir machen, so lange werden wir spielen. Das könnten noch 15 weitere Jahre sein oder - was immer. Wer weiß? *lachen*

  Lasst uns zum neuen Album kommen. Textlich handelt "Character" tatsächlich von menschlichen Charakteristiken, richtig?

Dark Tranquillity:   Yeah.

  Worüber sprecht ihr oder was möchtet ihr mit den Texten sagen?

Mikael:   Ich glaube, nur die schlimmste Seite von Wahnsinn. Was treibt uns, irgendetwas zu machen, was lässt uns überhaupt etwas machen in dieser Welt? Was sind die Gründe dafür? Und es geht um Identität und ein Gefühl von Leitung und um Verhaltensmuster. Alle Songs sind über verschiedene Arten von Leuten geschrieben und wie diese in bestimmten Situationen reagieren würden. Zumindest war das der Ausgangspunkt, als ich anfing zu schreiben, und dann hat es sich ein bisschen gewandelt auf dem Weg. Es geht darum, wie Leute manchmal wirklich, wirklich dumm sein können aus lauter falschen Gründen. Ich bin sicherlich auch so und ich hasse mich selbst dafür. Also für mich ist es gut, das auf jemanden anderes zu projezieren und darüber zu shouten, das lässt mich mich besser fühlen.

  Das Cover Artwork wurde von dir gemacht, Niklas. Es spiegelt diese wirklich komplexen und eigenartigen Charakteristiken ein bisschen wieder.

Niklas:   Yeah, wie üblich möchte ich, dass das Front Cover die Musik und die Texte zu 100% wiederspiegelt. Das Ding war, eine gute Metapher für die Inhalte zu finden. Wie Mikael gesagt hat ist "Character" nicht wirklich ein Konzeptalbum, aber die generelle Richtung, das generelle Thema ist das einer Person, die nach innen schaut, wie eine Gedankenreise oder sowas. Ich benutzte die Metapher einer Stadt, um das darzustellen. Ich machte diese riesige Stadtlandschaft mit einem riesigen Gehirn im Hintergrund. All die verschiedenen Gebäude können als verschiedene Charaktere gesehen werden, verschiedene Songs auf "Character". Es ist auch eine Anspielung auf die Kontraste in den Texten, ein Spiel mit der Wirkung der Musik selbst, einfach ein Weg, einen guten visuellen Rahmen für das alles zu bieten, es aber nicht zu offensichtlich zu machen. Wir geben den Leuten gerne Hinweise, eine Art Karte zum Navigieren, aber wir wollen nicht die ganze Geschichte so erzählen - genauso mit den Texten. Die Leute können die Texte lesen oder das Cover Artwork anschauen und dann ihre eigenen Verbindungen herstellen, sozusagen ihre eigenen Realitäten auf die Texte und das Artwork anwenden.

  Ebenfalls manchmal recht komplex und auf einem hohen technischen Niveau sind eure musikalischen Kompositionen. Was bedeutet es für euch, Musik zu komponieren und zu spielen, ist es auch eine Art Herausforderung?

Niklas:   Das muss es sein, denke ich. Wenn es keine Herausforderung wäre, hätte es keinen Sinn. Wenn du dich zu bequem fühlst oder das Gefühl hast, es geht zu einfach oder wird einfach eine zweite Natur, dann treibst du dich nicht wirklich selbst an. Es muss schwierig sein. Wir verbringen so viel Zeit damit, einfach Riffs zu schreiben, Songs zu schreiben und sie dann wegzuwerfen, weil es sich für uns nicht wirklich 100%ig großartig anfühlt. Es muss hart sein...

Mikael:   Wenn es sicher ist, ist es langweilig, weisst du. Es ist schal und es geht nirgendwo hin. Also fordere dich ständig selbst und geh' ein bisschen weiter. Ansonsten gibt es keinen Sinn - nur Fortschritt.

  An einem Punkt hast du dich selbst stark gefordert, indem du die Vocals übernommen hast, von der Rhythmusgitarre zu den Vocals. Hast du das jemals bereut?

Mikael:   Oh nein, nein, nein. Ich war ein lausiger Gitarrist und es war großartig. Ich wollte von Anfang an singen und ich sang immer, auch wenn ich Gitarre spielte, und ich mochte das Gitarrespielen nicht so sehr. Ich liebe es, zu singen, also... Niemals zurückblicken!

  Nimmst du noch Gesangsunterricht?

Mikael:   Habe ich nie!

  Oh... Der Song 'One Thought' wurde sehr früh im Entstehungsprozess des neuen Albums geschrieben und auch schon live gespielt. Inzwischen gibt es da draußen zahlreiche Bootleg MP3s davon. Was denkt ihr über die MP3 Szene und so?

Niklas:   Äh, das ist ziemlich cool. Ich meine, wir fühlen uns wohl damit. Wir laden die ganze Zeit selbst Musik runter. Es wäre sehr heuchlerisch von uns, das zu kritisieren. Es hat gute und schlechte Seiten; es ist gute Werbung. Gleichzeitig ist es nicht wirklich schmeichlerisch für die ganze Plattenveröffentlichungs-Struktur, aber ich weiss nicht.

Mikael:   Gerade ein Live-Song, das ist nur gute Werbung, sonst nichts. Ich meine, wir haben ihn gespielt, noch bevor wir ihn aufgenommen hatten, bevor wir überhaupt einen Vertrag hatten, also hey, die Leute können machen, was immer sie wollen, mit dem Live-Material, macht mir nichts aus. Der Plattenfirma macht es manchmal was aus, aber das ist deren Sache.

  Bei aufgenommenen Titeln - was haltet ihr von Kopierschutz auf Alben?

Niklas:   Nicht gut.

Mikael:   Es muss eine andere Lösung geben.

Niklas:   Yeah, denn man bestraft nur die Leute, die man preisen sollte, diejenigen, die das Album kaufen. Wenn sie rausfinden, dass sie das Album nicht am Computer abspielen können, ohne irgendein Programm zu installieren, oder dass sie das Album nicht im Auto spielen können, werden sie angepisst sein. Und dann hast du dir einen Feind aus der Person gemacht, die du wirklich unterstützen solltest, da sie dein Plattenkäufer ist. Und das Album wird so oder so im Internet sein, daher ist einfach kein Sinn im Kopierschutz.

Mikael:   Es gibt immer Wege, alles zu umgehen. Es braucht nur eine weitere Stunde oder zwei.

  Sehr richtig. In der Vergangenheit habt ihr schon verschiedene Coversongs von anderen Metalbands gemacht. Sind diese Cover ein Zeichen von Bewunderung für eure Idole?

Mikael:   Natürlich. Insbesondere die ersten, als wir KREATOR und SACRED REICH gecovert haben. Das waren einige unserer Lieblingssongs aus der Zeit, als wir mit der Band anfingen und unseren Proberaum aufbauten und dann zum ersten Mal zusammenkamen. Dann wurden wir in der Vergangenheit manchmal gebeten, auf einem Tributealbum mitzumachen, wir wurden oft gefragt, aber nur wenn es etwas gutes ist, machen wir mit, etwas, was wir wirklich lieben. Nur darum geht es bei Coversongs - außer du bist in irgendeiner blöden Coverband.

  Jetzt seid ihr auf Tour mit einem dieser Idole, mit KREATOR. Ihr habt ein Cover von ihnen gespielt und werdet es vielleicht mit ihnen gemeinsam mal spielen?

Niklas:   Nein, nein, wir haben es seit sieben oder acht Jahren nicht mehr gespielt, es wäre also nicht gut... *lachen*

Mikael:   Sie spielen es auch nie, daher macht es keinen Sinn. Aber es ist wirklich cool, mit KREATOR zu spielen, da ich sie immer gemocht habe, seit ich selbst anfing, mich mit extremer Musik zu beschäftigen. Es ist fantastisch, ich hätte mir das nie vorstellen können '88 oder so.

  Und neben KREATOR oder extremer Musik, extremem Metal, was sind eure persönlichen Musikvorlieben?

Niklas:   Alles. Ich denke alle Bandmitglieder haben wirklich breite, abwechslungsreiche Geschmäcker. Wir können mit allem etwas anfangen, von extrem softer Musik bis zu extremem Grindcore, Black Metal, was immer. So lange es Qualität und eine Art Hingabe hat, kann es einfach alles sein.

Mikael:   Ich höre alle Arten von Musik, glaube ich. Es muss einfach etwas sein, das mich anspricht, etwas persönliches, etwas echtes. Unechte Musik interessiert mich nicht, aber was immer, echte Musik, das ist es, was ich liebe.

  Okay, ich denke jetzt müssen wir euch zum Auftritt entlassen.

Dark Tranquillity:   Yeah, yeah.

  Ich hoffe, ihr habt Spaß...

Dark Tranquillity:   Oh ja, werden wir haben!

  ...und wir werden auch Spaß haben. Also danke für das Interview.

Dark Tranquillity:   Yeah, danke!

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