Festival Previews
ROCK HARD Festival 2017

Festival Reviews 2017
20 wahre Jahre (In Extremo Jubliäum) // picture gallery
Take off: 04.09.2015 - Review (2771 mal gelesen)
IN EXTREMO - 20 wahre Jahre Festivalbericht

Wer hätte gedacht, dass zwei Jahrzehnte so schnell vorübergehen können? Irgendwie muss man sich das immer wieder vor Augen halten, während man sich nach einem frühzeitigen Feierabend den Rhein hinab begibt, um "20 Wahre Jahre" zu feiern. IN EXTREMO, die Band, die auf Mittelaltermärkten klein gestartet ist & heute die wohl bekannteste deutsche Band ist, die mittelalterliche Instrumente und Klänge mit deutschsprachiger Rockmusik verbindet, lädt ein, das Jubiläum in einer der schönsten Locations zu feiern, die der deutsche Konzertbetrieb so zu bieten hat: die legendäre Loreley hoch über dem Rhein! Zig Alben und vor allem auch einige Nummer 1-Positionen später sind tatsächlich schon so viele Jahre erfolgreich vergangen, dass die Berliner Band sich und vor allem ihren Massen an Fans diese Veranstaltung locker gönnen kann. Kurz vor dem großen Event am ersten Septemberwochenende, also im Anschluss an die große Festivalsaison, kann man stolz vermelden, dass die Veranstaltung (bis auf ein paar Tageskarten für Freitag) offiziell ausverkauft ist.

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Das kann man auch gleich bei der Anreise schon merken, denn sowohl der Parkbereich als auch der Campground sind mehr als reichlich gefüllt. Nachdem der Morgen witterungstechnisch wenig Gutes verhieß, dürfen wir beim ausgesprochen schnellen Check-In im Eingangszelt zunächst einmal die Vorzüge einer schnellen und problemlosen Abwicklung der Akkreditierung genießen. Angesichts der wirklich langen Schlange nebenan können einem die regulären Gäste da fast ein bisschen leid tun. Ok, aber die müssen ja auch im Nachgang nichts berichten können - also auf ins Geschehen! Bereits am Nachmittag ist ordentlich was gebacken auf dem Gelände der Freilichtbühne. Der Markt vor dem Einlass zum Bühnenbereich ist relativ metallastig - soll das etwa der Mittelaltermarkt sein? Immerhin kann man sich piercen lassen, Metalwein und Metalschnaps kaufen und mehr als nur ein Shirt erwerben. Ein kurzer Blick in das sehr schön gestaltete und umfangreiche Programmheft, was es kostenlos gibt, belehrt jedoch gleich eines Besseren. Der Mittelaltermarkt ist nämlich unten im Bereich des Besucherzentrums. Nun ja, schauen wir uns diesen dann doch eben lieber mal am zweiten Tag an.

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Donnerstags gab es am Abend bereits eine (restlos ausverkaufte) IN EXTREMO Akustikshow verbunden mit einer Bootsfahrt auf dem Rhein. Angesichts des vollen Boots können wir darüber nichts berichten, aber angesichts der bekannten Qualitäten der Gastgeber auch im akustischen Set dürfte wohl niemand die Planken unzufrieden verlassen haben. Das Wetter ist an diesem Freitagnachmittag zum Glück sehr solide, denn gegen Sonnenschein bei immerhin rund 20 Grad kann man angesichts des wechselhaften Wetters der letzten Zeit zum Beginn des Septembers wenig sagen. Was man jedoch sagen kann: die Schlange vor dem Merchandise-Zelt der Jubilare ist verdammt lang. Superfair sind dafür zum Glück die Preise, denn gegen 20€ für ein Festivalshirt von IN EXTREMO kann man wohl gar nix einwenden. 40€ für die Jubiläums-Sweatjacke ist auch absolut fair. Bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist das jedenfalls keine Selbstverständlichkeit und wirklich sehr löblich. Auch die Versorgung mit Speis und Trank ist reichhaltig und vielfältig. Preislich hält man sich insgesamt im Rahmen des Erwartbaren ohne dabei billig zu sein. 0,4l Bier für 4€ (respektive bei anderen Konzerten 0,3l zu 3€ oder wie in diesem Sommer bei großen Events gerne 0,5l zu 5€) sind 2015 halt leider der Standard. Nicht billig, keine Frage, aber drumrum in Europa ist es eher nur noch teurer. Wer billiger trinken will, tut es eben dann auf dem Campground. Zumindest gibt es auch passend bedruckte Eventbecher aus Hartplastik, die sicherlich unter Verzicht auf das Pfand von 2€ in der Folge als Souvenir in zahlreichen Haushalten stehen werden. Immerhin ist auch der herrliche Loreley-Biergarten geöffnet, dabei allgemein zugänglich und bietet zu ziemlich fairen Preisen alle möglichen Stärkungen feil. Das wird nach unserem Empfinden auch gerne angenommen und so sieht man etliche Festivalbesucher, bei denen "dicke Backen Schützefest" Programm ist, wie man so schön sagt.

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Doch genug schwadroniert über allgemeine Umstände, kommen wir doch lieber zur Musik. Die erste Band, von der wir (anreisebedingt) etwas mitbekommen, ist der letzte Part von RUSSKAJA.

RUSSKAJA
Ich gebe zu, bislang war mir RUSSKAJA kein großer Begriff, außer vom Namen her. Die Stimmungskanonen aus dem Osten bzw. Wien sehen schon optisch deutlich mehr nach Wolga aus als nach Rock oder Metal oder gar unserem Begriff von Mittelalter. Doch Heidewitzka, die Jungs mit der russischen Seele machen kräftig Stimmung und Laune auf der Bühne! Man versteht zwar mangels russischer Kenntnisse wenig von dem, was dort gesungen wird, aber bei RUSSKAJA schunkelt es sich doch prächtig. Der Applaus fällt ebenso üppig aus wie die Leibesfülle des Sängers Georgij Alexandrowitsch Makazaria, aber dieser Gig war ein gelungener Start. Ich kann jedenfalls gut verstehen, wenn man sich diese Stimmungskanonen auch solo anschaut und einfach einen lustigen Abend hat.
Um die Umbaupause zu KORPIKLAANI zu überbrücken, gibt es ein paar Aufheiterungen mit Mittelaltertouch wie auf dem Mittelaltermarkt auf der Bühne. Eine nette Geste, aber wir gehen uns da doch lieber erst mal ein Bier holen. 

KORPIKLAANI

Dafür haben wir auch reichlich Zeit, denn der Soundcheck zieht sich echt lange hin. KORPIKLAANI sind allein schon visuell schon ein Erlebnis für sich.

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Man liegt wohl nicht falsch, wenn man hier von Charakterköpfen spricht, denn Sänger Jonne Järvelä ist schon speziell und wo sonst sieht ein Bandmitglied aus wie der selige Dan Kelly als Weihnachtsmann und tritt dabei barfuß mit einem Cowboy-Hut auf (Jarkko Aaltonen am Bass)? Nach der langen Umbaupause haben KORPIKLAANI auf jeden Fall schon mal einen klaren, sauberen Sound am Start. Die Sprachbarriere ob der finnischen Texte stört bekanntlich irgendwie niemanden so wirklich und so schaffen die munteren Nordlichter es problemlos, die gut gefüllte Freilichtbühne am Vorabend zum Tanzen zu bringen. Ich habe zwar weiterhin keine Ahnung, was die Burschen da die ganze Zeit inhaltlich zum Besten gegeben haben, aber es macht auf jeden Fall Spaß und reißt mit. Trotzdem muss ich sagen, dass es mit KORPIKLAANI auf Dauer schon etwas eintönig wird. Drei bis vier Songs weniger hätten für einen Festivalauftritt auch genügt und trotzdem noch einen guten Unterhaltungswert geboten.

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Set List KORPIKLAANI

01. Viinamäen mies
02. Pilli on pajusta tehty
03. Lempo
04. Sahti
05. Ruumiinmultaa
06. Sumussa hämärän aamun
07. Metsämies
08. Kultanainen
09. Ämmänhauta
10. Vodka
11. Juodaan viinaa (HECTOR cover)

Aber Geschmack ist ja nun mal relativ und wir nähern uns ja doch schon mit großen Schritten den richtig dicken Brocken des Tages. Und vor den Headliner respektive sich selbst haben IN EXTREMO am Freitag bekanntlich die Kollegen von SCHANDMAUL gesetzt.

SCHANDMAUL

SCHANDMAUL sind schon über 15 Jahre erfolgreich im Geschäft und sicherlich eine der Bands im Bereich des Mittelalterrock, die auch vielen Leuten außerhalb dieser Szene zumindest ein Begriff ist. Irgendwie also absolut logisch, dass IN EXTREMO die Kollegen eingeladen haben und diese heute am Freitagabend vor den Protagonisten selbst auf die Bühne dürfen. Superpünktlich beginnt das Intro und ab geht die Glatze in Gestalt von Sänger und Bandkopf Thomas Lindner. Die Band hat offenbar kräftig Bock auf ihr einstündiges Set und lässt es krachen zum Einstieg.

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Der Bass wummert im Vergleich doch ziemlich ab und an - da waren KORPIKLAANI schon um Einiges dezenter. Neben dem Frontmann machen insbesondere die beiden Damen - Anna Katharina Kränzlein und Birgit Muggenthaler - Stimmung. Die Band müht sich redlich, ihr Publikum einzubeziehen. Durch das ganze Set ziehen sich daher immer wieder diverse Mitmachspielchen, sei es gesanglich oder bspw. mit Schunkel- oder Hüpfeinlagen. Das Ganze hat dabei immer mal einen lehrreichen Touch. So lernt man nebenbei auch etwas über den Brandner-Kasper etwa. Für mich leidet SCHANDMAUL am Stück immer leicht an mangelnder Abwechslung. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit der Stimme von Thomas Lindner nur bedingt warm werde. Aber irgendwie hat die Musik der Band für mich am längeren Stück immer etwas über Gebühr nerdig Streberhaftes an sich. Aber gut, das ist eben mein persönlicher Geschmack. Artig bedankt man sich u.a. auch sehr artig bei den Gastgebern, und seien wir ehrlich: dass z.B. Das letzte Einhorn sich für einen hilfreichen (auch telefonischen) Plausch und Rat nie zu schade war, um den Kollegen in den Anfängen zu helfen, passt irgendwie zum bodenständigen Image von IN EXTREMO, oder? SCHANDMAUL verbrüdern sich gegen Ende des Sets jedenfalls auch mit den Kollegen von RUSSKAJA, denn Sänger Georgij kommt zwischenzeitlich noch mal auf die Bühne und intoniert (passenderweise) ein Sauflied. Am Ende bleibt immerhin ein recht kurzweiliges Set, mit dem man gut auf die Gastgeber eingestimmt wurde. SCHANDMAUL waren sicherlich keine schlechte Wahl für dieses Jubiläum.

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Set List SCHANDMAUL

01.Vor der Schlacht
02. Drachentöter
03. Teufelsweib
04. Die letzte Tröte / Mitgift
05. Hofnarr
06. Der Pakt
07. Krieger
08. Vogelfrei
09. Der Teufel...
10. Traumtänzer
11. Kaspar
12. Walpurgisnacht
13. Dein Anblick

IN EXTREMO (1. Abend)

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Nachdem das abwechslungsreiche "Vorprogramm" gelaufen ist, geht es nun ans Eingemachte - IN EXTREMO schlagen zum 1. Mal bei ihrem Jubiläum auf der Loreley zu! Angesichts von zwei Dekaden Bandgeschichte ist es ziemlich logisch, dass heute Abend vor allem die erste Hälfte des gemeinsamen Schaffens im Mittelpunkt steht. Im Dunkeln beginnen die Protagonisten furios mit 'Erdbeermund' und es sollte niemanden überraschen, dass Flammen und Pyros bei diesem Jubiläum im Übermaß zum Spektakel gehören.

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IN EXTREMO werden nach dem Fall des Vorhangs - und zwar nicht nur aufgrund der diversen Flammensäulen - wärmstens empfangen - kein Wunder, wenn es doch gleich mit 'Erdbeermund' los geht! Dass die Jungs in bester Stimmung nun über zwei Stunden Vollgas geben, ist dann doch quasi schon selbstverständlich. Die sieben Herren zelebrieren vor ihren treuen Fans ein wahres Feuerwerk an Optik und Hits und werden dafür zu Recht abgefeiert. Passend zu diversen Phasen wechselt immer mal wieder der Backdrop, wenn auch nicht ganz so oft wie die Band die Instrumente. Die Torte, die der Band von der Crew des Summersbreeze überreicht wird, wandert netterweise gleich ganz in die ersten Reihen der Fans, wo sie gleich dankbar (wenn auch weniger gesittet als gierig) verschlungen wird. Man merkt definitiv, wie viel Material sich im Lauf der Jahre angesammelt hat, denn bei 'Werd ich am Galgen hochgezogen' merkt das Letzte Einhorn selbst an, er habe gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt, dass sie diesen Song mal gemacht haben. Immerhin gibt es dazu auch passend einen brennenden Galgen auf der Bühne zu bewundern.

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Angesichts der Begeisterung des Publikums kniet das letzte Einhorn daraufhin entgegen dem Bandcredo sogar vor den Fans nieder. Während andere Bands zum Ausruhen Drumsoli einbauen, agieren IN EXTREMO dabei lieber mit einem Harfensolo aus der Werkstatt von Dr. Pymonte. Wie gesagt, der klare Schwerpunkt am Freitag liegt auf den ersten zehn Jahren. So gibt es auch (und das vermutlich mehr wegen der Stimmung als allem anderen) noch nicht mal eine handvoll Überschneidungen zum Samstag. Hier wird wirklich sehr viel für die Fans der alten Schule geboten heute. Persönlich muss ich dabei sagen, dass ich mit den letzten zehn Jahren, also der moderneren (ja, dabei sicherlich auch massenkompatibleren) Phase deutlich mehr anfangen kann als mit den vielen anderssprachigen Songs aus der frühen Phase. Trotzdem ist es spannend, die erste Dekade so nochmals mitzuerleben. Am Ende des Abends gibt es mit den Zugaben sogar mehr Spielzeit als die geplanten zwei Stunden und so dürfen die Fans sich über satte 135 Minuten Spielzeit freuen. Da das Wetter auch durch die Bank trocken bleibt, endet der Abend mit einer Menge glücklicher Gesichter... die sich glücklicherweise auf einen weiteren aufregenden Festivaltag freuen dürfen.

Set List IN EXTREMO (1. Abend)

01. Erdbeermund
02. Frei zu sein
03. Stetit Puella
04. Krummavísur
05. Herr Mannelig
06. Nymphenzeit
07. Loreley
08. Vollmond
09. Die Gier
10. Wind
11. Vänner och Frände
12. Werd ich am Galgen hochgezogen
13. Miss Gordon of Gight (Dr. Pymonte allein)
14. Ave Maria
15. Palästinalied
16. Hiemali Tempore
17. Küss mich
18. Rotes Haar
19. Omnia Sol Temperat
20. Spielmannsfluch

Zugaben:
21. Albtraum
22. Ai Vis Lo Lop
23. Merseburger Zaubersprüche II
24. Liam
25. Villeman Og Magnhild

Anreisebedingt beginnt der zweite Tag für uns wiederum ein bisschen später und entsprechend bleibt ein längerer Fußmarsch vom Parkplatz bis zum Festivalgelände. Deswegen hören wir nur noch den letzten Song von FIDDLER'S GREEN wirklich. Der abschließende Applaus zeigt immerhin, dass wir offenbar einen stimmungsvollen Gig verpasst haben. Da es noch einen Changeover bis zu einem krassen Außenseiter im Billing gibt, ist das dann wohl der rechte Zeitpunkt, um sich einmal den Mittelaltermarkt anzuschauen.

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Der Begriff "klein, aber fein" könnte vielleicht für diesen Markt erfunden worden sein, denn wenn der Raum auch überschaubar sein mag - höchstens 150m, denke ich -, so ist doch alles am Start, was das mittelalterliche Herz begeht. Wer einkaufen will, bekommt alles Wesentliche, kulinarisch werden auch alle bedient und natürlich gibt es auch Massen an Met zu kaufen. Auch eine kleine Bühne ist vorhanden, die den ein oder anderen alten Bekannten aufbieten kann. Wer also zwischenzeitlich auf der Hauptbühne sich selbst musikalisch nicht wiederfinden kann, der hat hier eine schöne Ausweichmöglichkeit. Nett zudem: kein Eintritt und der Markt ist auch offen für Nichtfestivalbesucher. Nach einem kleinen Rundgang möchte ich zumindest dennoch gerne wieder aufs Gelände des Festivals - ich möchte nämlich gerne DIE KRUPPS sehen, da mir diese Band bislang live noch nicht untergekommen ist.

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DIE KRUPPS

Die Wahl, es bei den Gästen auch mit der Düsseldorfer NDH-Legende DIE KRUPPS zu versuchen, ist dabei durchaus mutig. Leider sind die Herren um Sänger Jürgen Engler mit einem äußerst bescheidenen Sound geschlagen, den der doch recht agile Frontmann auch mehrmals lautstark und recht genervt bemängelt. Erst sehr spät im Set tut sich hieran jedoch etwas zum Besseren. So wummert der Klang der Band über den größten Teil des Sets doch gar fürchterlich und auch von den Vocals ist bei weitem nicht das zu vernehmen, was wünschenswert wäre. Ob das insgesamt eine Hilfe gewesen wäre, mag jedoch dahin gestellt sein, denn unterm Strich freut sich wohl wirklich nur ein kleiner Teil der Anwesenden ernsthaft über DIE KRUPPS.

Der doch ordentlich elektronisch eingeschlagene Industrial-Sound vermag wohl bei den wenigsten IN EXTREMO-Fans durchzudringen, egal ob es sich nun um die neueren Songs handelt oder um alte Klassiker. Selbst der bekannte Gassenhauer 'To The Hills' kommt klanglich sehr breiig rüber und kann dadurch wohl auch keinen mehr vom Hocker hauen oder gar reißen. Professionell zocken der redlich bemühte Engler und seine Jungs, die wohl selbst merken, dass sie hier nicht mehr viel gewinnen können, trotzdem tapfer ihr Set runter und bringen den Gig zu einem ehrenvollen Abschluss. Ich zumindest habe mich jedenfalls über die abwechslungsreiche Wahl im Billing gefreut. Trotz breiigem Klang und viel zu wenig Lautstärke am Nachmittag war zumindest doch zu spüren, warum DIE KRUPPS schon so lange im Geschäft sind.

ELUVEITIE

Das Risiko, komplett am Publikum vorbeizugehen, dürfte bei ELUVEITIE deutlich geringer liegen. Die Schweizer sind zwar auch schon länger im Geschäft, aber passen wohl einfach deutlich besser in die Erwartungen der IN EXTREMO Fans. Als Pagan Metal ist man wohl doch irgendwie einfacher für die Fans zu verdauen. Und fürwahr, der keltische Touch kommt auch gleich viel besser an.

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Der Fokus der Band um Christian "Chrigel" Glanzmann liegt beim heutigen Gig zwar leicht beim neueren Material, innerhalb der gebotenen Kürze des Sets wird dennoch ein guter Querschnitt des Schaffens der Helveten geboten. ELUVEITIE sind auch deutlich bemüht, das Publikum einzubeziehen. Höhepunkt in diesem Zusammenhang ist wohl die Version von 'The Call Of The Mountain', die heute in der Muttersprache, also schwyzerdütsch, dargeboten wird und vom Publikum gesanglich im Refrain unterstützt werden darf und soll. Mag es im ersten Moment auch ungewohnt klingen, unterm Strich passt es dennoch irgendwie.

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Die gutturalen Klänge von Chrigel bilden einen interessanten Kontrast zu den cleanen Vocals von Anna Murphy. Auch wenn ich das normalerweise eher nicht so mag, bei ELUVEITIE passt es irgendwie. Offenbar sehen das auch die IN EXTREMO Fans so, denn das Set kommt offenbar durchweg gut an. Mit zehn Songs ist man dabei gut dabei, um weder zu wenig zu bieten, noch irgendwann eine Übersättigung zu bieten. Die Schweizer liefern eben immer wieder Qualitätsarbeit ab.

Set List ELUVEITIE

01. King
02. Thousandfold
03. Omnos (Metal Version)
04. The Call Of The Mountains (schwyzerdütsch)
05. From Darkness
06. Brictom
07. Scorched Earth
08. A Rose for Epona
09. Tegernakô
10. Inis Mona

EISBRECHER

Ob EISBRECHER, die ja doch wieder eine ganze andere Schiene bedienen, hier heute bei diesem Publikum punkten können? Leider hat es – zwischenzeitlich ist es schon recht dunkel geworden – nun auch noch angefangen, vom Himmel dann doch mal zu schütten. Von Eis sind wir zwar noch temperaturmäßig weit entfernt, aber es wird doch leicht unangenehm auf der Loreley – wie immer eben, wenn das Wetter nicht so mitspielt. Die Regencapes, so sie denn vorhanden sind, werden allseits ausgepackt und auch mehr als nur ein Schirm wird aufgespannt.

Doch EISBRECHER… tja, EISBRECHER legen gleich mit einer enormen Macht los und haben verdammt schnell das Publikum auf ihrer Seite. Alex Wesselsky und seine Mitstreiter rocken bereits mit dem Opener 'Volle Kraft voraus' gewaltig den Felsen und lassen den eisernen Griff, mit dem sie das Publikum nun in der Hand haben, auch nicht mehr los. Die Set List ist heute ziemlich "Schock"-lastig, aber das Material aus dem aktuellen Album - man will ja schließlich auch den ein oder anderen vielleicht zu einem Kauf bewegen - fügt sich prima in den Gig ein. Klanglich sind EISBRECHER ebenso eine Wucht wie von der Bühnenpräsenz. Der Sound ist ebenso mächtig wie präzise wie gut abgemischt.

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Alex ist definitiv eine extreme Rampensau, aber gleichzeitig auch ein mindestens so fähiger wie charismatischer Frontmann. Es fällt verdammt schwer, sich der Band zu entziehen, selbst wenn man vielleicht nicht viel bislang kannte. Ich glaube, unterm Strich ist es nicht zu viel, wenn man sagt, dass EISBRECHER nach den Gastgebern hier mit Abstand die beste Band des Wochenendes waren. Wer bislang noch kein Interesse an den Münchnern hatte, der wird es nach diesem granatenstarken Gig sicherlich bekommen haben. Der Applaus spricht mehr als für sich. So und nicht anders muss ein Festivalauftritt aussehen, mit dem man sich neue Fans erspielt.

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Set List EISBRECHER

01. Volle Kraft Voraus
02. So oder so
03. Willkommen im Nichts
04. Fehler machen Leute
05. 1000 Narben
06. Leider
07. Himmel, Arsch und Zwirn
08. This Is Deutsch
09. Verrückt
10. Miststück 2012

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IN EXTREMO (2. Abend)

Nachdem man das Vorprogramm dann jetzt tatsächlich schon vollständig hinter sich hat, wird die Spannung natürlich immer größer. IN EXTREMO werden heute ja eher die neuere Bandphase, die bekanntlich mit großem kommerziellem Erfolg verbunden war, beleuchten. Und beleuchten ist ein gutes Stichwort, denn Pyros und Feuer gehören auch heute dazu, und das nicht zu knapp. 'Sängerkrieg' ist natürlich ein feiner Opener und dementsprechend ziehen die Geburtstagskinder auch heute in den Krieg, denn am letzten Abend gibt es keine Gefangenen.

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Und es geht Schlag auf Schlag, denn wer kann sich schon solchen Krachern wie 'Nur Ihr allein', 'Himmel und Hölle' oder auch 'Belladonna' entziehen? Unterm Strich finde ich die Ausrichtung - wie schon angesprochen - mittlerweile deutlich angenehmer und auch 2015 sind IN EXTREMO immer noch IN EXTREMO, auch wenn sie immer mehr Fans ansprechen. Klar, es ist teils eher Deutschrock mit mittelalterlichen Instrumenten als mittelalterliche Musik. Aber soll es das nicht auch?

'Frei zu sein' oder 'Feuertaufe' sind einfach gutgeschrieben Songs, die man schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bekommt und das ist eben eine Kunst für sich. Live steckt das angesichts der allseits guten Stimmung auch immer noch ein bisschen mehr an, weswegen auch der neue Song 'Loreley' nochmals ausgepackt wird. Das letzte Einhorn ist auch am letzten Abend immer noch gut bei Stimme, doch man merkt zumindest im Vergleich schon, dass der Gute sich an den ersten beiden Abenden ein wenig verausgabt hat. Nichtsdestotrotz klingt er immer noch sehr manierlich und wer könnte dem Frontmann am Geburtstag schon böse sein, dass er schon zwei Abende Vollgas gegeben hat? Hier wird sich eben nicht geschont!

Nach 18 Songs ist dann erst mal Schluss - aber es ist klar, dass noch ein paar Titel offen sind und das Festival nicht so früh schon vorbei sein kann. Fünf ganze Zugaben schütteln die blendend aufgelegten Jungs noch aus dem Ärmel und so kommen die Fans an diesem ausverkauften Abend - der Regen hat zum Glück spätestens zur Hälfte des Sets aufgehört - nochmals vollends auf ihre Kosten. Es ist irgendwie klar, dass der letzte Song heute nochmals 'Vollmond' sein muss - und entsprechend werden die Jungs nochmals abgefeiert.

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Set List IN EXTREMO (2. Abend)

01. Sängerkrieg
02. In diesem Licht
03. Zigeunerskat
04. En Esta Noche
05. Wessebronner Gebet
06. Nur ihr allein
07. Himmel und Hölle
08. Belladonna
09. Gaukler
10. Unsichtbar
11. Flaschenpost
12. Frei zu sein
13. Feuertaufe
14. Alles schon gesehen
15. Loreley
16. Viva La Vida
17. Sieben Köche
18. Auf's Leben

Zugabe:

19. Siehst du das Licht
20. Raue See
21. Sterneneisen
22. Rasend Herz
23. Vollmond

Über vierzig verschiedene Titel an zwei Abenden waren auf jeden Fall viel Holz für ein Open Air und an sich kann hier kein IN EXTREMO FAN unglücklich nach Hause fahren. Das Rahmenprogramm bot auch viel Verschiedenes für alle möglichen Geschmäcker und ließ wenig Wünsche offen. Die Organisation des Festivals war auch tadellos, so dass man IN EXTREMO nur nochmals gratulieren kann - hoffentlich werden auch die nächsten Geburtstage wieder so stilvoll gefeiert, denn "20 wahre Jahre" waren selten so schön!
Billing
IN EXTREMO * EISBRECHER * SCHANDMAUL * ELUVEITIE * FIDDLER*S GREEN * DIE KRUPPS * KORPIKLAANI *DRITTE WAHL * RUSSKAJA * OMNIA * ORPHANED LAND * MANNTRA * PAMPATUT * MAMBO KURT * COR * WRESTLING BASH

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