Burial Clouds - Burn Holy

Review von Baterista vom 02.07.2026 (381 mal gelesen)
Burial Clouds - Burn Holy Es gibt Alben, die man über einzelne Songs, Riffs oder technische Raffinessen beschreibt. Und dann gibt es "Burn Holy". Das zweite Album der Post Doom-Band BURIAL CLOUDS aus Portland, Oregon, funktioniert für mich in erster Linie über Atmosphäre. Es erschafft einen Sog, der einen entweder sofort mitnimmt oder - je nach eigener Tagesform - schlicht überfordert. Dazwischen scheint es kaum etwas zu geben.

Dabei bewegt sich die Band mühelos zwischen Black Metal, Doom, Sludge und all den Spielarten, die sich irgendwo im weitläufigen Post-Universum angesiedelt haben. Doch anstatt diese Einflüsse bloß aneinanderzureihen, entsteht daraus ein erstaunlich geschlossenes Klangbild. Einzelne Riffs oder markante Beats verlieren fast an Bedeutung, weil sie stets dem größeren Ganzen dienen. "Burn Holy" will nicht über einzelne Höhepunkte funktionieren, sondern als zusammenhängende emotionale Reise.

Einen enormen Anteil daran hat die neue Sängerin Marina Lavelle, die auf diesem Album ihren Einstand gibt. Ihre Stimme ist schlicht beeindruckend. Im einen Moment keift sie mit einer ungebändigten Wut, die Erinnerungen an WITCH CLUB SATAN weckt, nur um im selben Song später in eine zerbrechliche, beinahe ätherische Schönheit zu wechseln, die mich stellenweise an BJÖRK denken lässt. Besonders beim Opener 'Burning The Olive Tree' wird diese enorme Bandbreite deutlich. Verzweiflung, Zorn und Verletzlichkeit liegen hier oft nur einen Atemzug auseinander und verleihen der Musik eine Intensität, die lange nachhallt.

Dieses Wechselbad der Gefühle ist vermutlich vor allem etwas für emotionale Tieftaucher. Und auch für mich hängt viel von der eigenen Verfassung ab. Es gibt Tage, an denen man sich dieser verzweifelten Wucht kaum aussetzen möchte. An anderen berührt einen das Album mit voller Kraft und entfaltet eine beinahe kathartische Wirkung.

Atmosphärisch pendelt "Burn Holy" dabei zwischen endloser Kälte und warmen Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch dichte Wolken bahnen. Schönheit und Wut, Trost und Verzweiflung existieren hier nicht als Gegensätze, sondern gleichzeitig - ein Spannungsfeld, das BURIAL CLOUDS mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit ausloten. Dass die Band nach personellen Veränderungen mit diesem Album laut eigener Aussage ihre bislang intensivste und vollständigste Arbeit geschaffen hat, ist durchaus nachvollziehbar. Die Songs wirken durchdacht, organisch gewachsen und dennoch niemals verkopft.

Fazit: "Burn Holy" ist kein Album, das man nebenbei hört. Es fordert Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich emotional darauf einzulassen. Wer dazu bereit ist, erlebt eine beeindruckend dichte Mischung aus Post Doom, Black Metal und Sludge, getragen von einer außergewöhnlichen Gesangsleistung und einer Atmosphäre, die lange nach dem letzten Ton nachwirkt.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Burn The Olive Tree
02. Windflower
03. Ashen Altar
04. Negation
05. Be Not Afraid
06. Screaming, Drowning, Pacified
07. Forget Me Not
08. Eyes Without Light
Band Website:
Medium: CD, LP, Digital
Spieldauer: 41 Minuten
VÖ: 22.05.2026

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