Scraper - Infinite Journey

Review von derkleinekolibri vom 06.05.2026 (796 mal gelesen)
Scraper - Infinite Journey Am 29. September 1932 entstand in luftiger Höhe von 250 Metern ein Foto in Manhattan, welches 11 Männer zeigt, die auf einem Stahlträger Mittagspause machen. Titel des Bildes: "Lunch Atop A Skyscraper". Während der Entstehung des Rockefeller Centers wurde das Bild (vermutlich) von Charles C. Ebbets geschossen.

In Marl, der Wiege von SCARPER, gibt es einige Hochhäuser, die allerdings gerade mal 60 Meter Höhe erreichen. Die Band wurde vor zehn Jahren gegründet, spielt Thrash Metal der feinsten Art und verschließt sich auch nicht dem Death Metal der melodischen Art. Den Beweis hierfür treten die Jungs auf ihrem zweiten Album "Infinite Journey" in beeindruckender Weise an. Ein sehr ansprechendes Cover ziert sowohl die Compact Disc (500 x) als auch das Vinyl, welches in zwei Varianten (200 x Green Marbled und 100 x Intergalactic) erhältlich ist, wobei die intergalaktische Variante exklusiv auf Konzerten erhältlich sein wird. Titel und Artwork des Albums lassen erahnen, dass die Jungs sich eingehend mit Science Fiction beschäftigt haben.

Nach SCRAPERs hervorragendem 2020er Debütalbum "Hunger Within" und ihrem famosen Auftritt im Jahre 2023 beim Treffen der "Heavy Metal Fans" (eine fast familiäre Facebook-Gruppe) im Vortex Surfer Musikclub Siegen waren die Erwartungen an das zweite Album "Infinite Journey" derart hoch, dass es aus Angst vor einer möglichen Enttäuschung schwerfiel, den knapp 45 Minuten langen Silberling zu starten. Nach Überwindung des inneren Schweinehunds erfolgte schließlich der Druck auf die Starttaste. Und sofort machte sich Ärger breit - aber nicht über SCRAPER, sondern über die verdammte Angst, eventuell enttäuscht zu werden. Denn das, was die Truppe hier auffährt, ist eine Kampfansage an die weltweite Thrash/Death Metal-Konkurrenz.

'The Infinite Journey' startet voluminös, lässt den Hörer mit erstauntem Gesicht zurück, aber auch mit einem breiten Grinsen. Wie aus dem Lehrbuch ziehen die Ruhrgebietler alle Register ihres Könnens, wobei in diesem Stück besonders Simons Basslinien und Ralfs Drumming einen ultimativen Kick geben. Carstens Gesang variiert zwischen cleanen Tönen und rauen Klängen. Sebastian und Tobias unterlegen das Ganze mit fetten Riffs und feinen Zwischentönen. Etwas verhaltener dringt es bei 'Hunger Within' und 'Progenies Of The Void' aus den Lautsprechern, wobei verhaltener so zu interpretieren ist, als würde man einen Lamborghini Gallardo nicht mit 250, sondern nur mit 230 Sachen über die Autobahn jagen. Majestätisch und gleichzeitig furchteinflößend öffnet sich dann mit 'Epitome Of Obliteration' (auf Deutsch: Inbegriff der Auslöschung) ein großes, dunkles Tor im Weltraum. Das fette Gebolze des Quintetts erreicht hier einen Höhepunkt an Dynamik. Wer danach glaubt, es würde nun ruhiger werden, den haben SCRAPER wunderbar auf eine falsche Fährte mit dem harmlosen Anfang von 'Cold Resistance' gelockt, denn mit einem Mal scheint ein Holzhacker das Schlagzeug zu malträtieren und verpasst dem Song das Prädikat Ballermann. Oh, Entschuldigung, es muss natürlich ballert alles weg heißen. Ähnlich angelegt ist 'Anatomy Of Devastation'. Tiefe Grunztöne veredeln anschließend 'March Of The Shattered'. Ob 'Battleborn' etwas mit dem PlayStation 4-Spiel zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen, aber Carstens Gesang ist hier etwas höher angesiedelt, ohne dabei den genialen Schmuddelcharakter zu verlieren. Die Marler Formation verabschiedet sich mit dem Acht-Minuten-Werk 'Inheritance Of The Grand Design', was ich als gelungene Hommage an Stephen Hawkings und Leonard Mlodinows gemeinsames populärwissenschaftliches Werk "Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums" verstehe. Der Song besitzt alle Variationen ihrer Musik, die man in den acht Songs zuvor vernommen hat.

SCRAPERs "Infinite Journey" glänzt wie der glatt polierte Monolith, der in Stanley Kubricks "2001: Odyssee Im Weltraum" eine in die Zukunft der Menschheit weisende Bedeutung hat.

Vor 55 Jahren lernte ich im Englischunterricht, dass Scraper Schaben sind. Da ich SCRAPER für alles halte, außer für etwas Schädliches, stände ihnen ein Bandname wie SKYSCRAPER gut zu Gesicht. Wer den Zusammenhang zur Einführung dieses Reviews nicht herstellen kann, dem sei verziehen und derjenige - und auch jeder andere von euch - sollte sich unbedingt dieses hörenswerte Album zulegen und die Jungs live erleben und unterstützen ...

Gesamtwertung: 9.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. The Infinite Journey
02. Hunger Within
03. Progenies Of The Void
04. Epitome Of Obliteration
05. Cold Resistance
06. Anatomy Of Devastation
07. March Of The Shattered
08. Battleborn
09. Inheritance Of The Grand Design
Band Website: www.facebook.com/scrapermetal/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 44:25 Minuten
VÖ: 08.05.2026

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