Bardoma - En La Zona Letal

Review von baarikärpänen vom 01.05.2026 (516 mal gelesen)
Bardoma  - En La Zona Letal Jawoll, man mag es glauben oder auch nicht, aber auch im Jahre 2026 gibt es noch so was wie Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Kontinenten. Womit ich natürlich keine politischen meine, das ist ja leider immer noch der Normalfall. Nein, ich meine sprachliche Schwierigkeiten. Ich wohne nicht in Buenos Aires, meine Muttersprache ist nicht Spanisch, kann mich aber sehr gut in Finnisch oder Englisch verständigen. Bis auf den Part mit der Verständigung auf Englisch trifft das aber alles auf die Mitglieder von BARDOMA zu. Demzufolge kann ich auch nicht beurteilen, was für einen Murks denen der Google-Übersetzer da anzeigt, den ich bemüht habe, um die Dame und die drei Herren in Argentinien zu kontaktieren. Zumindest wurde mir mitgeteilt, dass es zwar ein Presse-Kit gibt, das aber nicht in englischer Sprache verfasst ist. Danach brach der Kontakt leider ab. Auch auf der Facebook-Seite der Band ist seit dem 06. April nichts mehr passiert, was mich jetzt etwas im Trüben fischen lässt. Irgendwie erinnert mich das aber auch an die Zeit so um 1985, als ich für ein keines Fanzine geschrieben habe und uns in den meisten Fällen einfach nur eine Cassette erreichte, auf der lediglich die Titel standen und wer da was im Studio eingespielt hat. Das Internet war ja noch Zukunftsmusik und in vielen Fällen stand noch nicht mal was in den damaligen für die Szene relevanten Zeitschriften. Man hat sich also primär auf das fokussiert, was man zur Verfügung hatte, und das war die Musik. Wird wohl auch hier so zutreffen.

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Auf Bandcamp gibt es nur wenige Informationen zu BARDOMA und selbst die ansonsten allwissenden Seiten der metallischen Archive wissen lediglich, dass BARDOMA aus Buenos Aires kommen, aber nicht, wann die Band gegründet wurde. Geht man von der ersten Veröffentlichung aus, der Single 'La Enorme Estupidez', sollte 2023 wohl hinkommen, mit den heute noch zur Band zählenden Gründungsmitgliedern Edu Tobio (Gitarre) und Sängerin Sabrina Gorosito. Neuester im Team und noch nicht an den Aufnahmen zu "En La Zona Letal" beteiligt ist Bassist Matias Lo Presti. Sämtliche Bandmitglieder waren bereits in anderen argentinischen Bands tätig. Es fällt aber auf, dass diese Bands eher im Bereich Thrash-, Groove- oder Black Metal zu verorten sind und nicht im traditionellen Stahl, dem sich BARDOMA widmen. 2024 erschien das selbstbetitelte und ebenfalls sehr empfehlenswerte Debüt der Band, dem jetzt im Februar der noch bessere Zweitling "En La Zona Letal" folgte. Anscheinend ist Argentinien aber nicht mit Plattenfirmen/Label gesegnet wie andere Länder auf dem Globus, denn obwohl beide bisherigen Veröffentlichungen absolut internationalen Standard vorzuweisen haben, sind beide Werke bisher nur in digitaler Form erhältlich. Also falls das hier irgendein Vertreter eines hiesigen Labels liest, der darf sich gerne mit den Argentiniern in Verbindung setzen, denn was BARDOMA auf ihrem Zweitling abliefern, das macht einfach nur Spaß und sollte keinesfalls ein eher lokales Thema bleiben.

Es ist für mich schon so was wie ein dickster der dicken Pluspunkte, wenn eine Band ein Album mit einem Song eröffnet, der mich gleich gefangen nimmt. Genau das machen BARDOMA mit 'Culto A La Ignorancia'. Ein geradezu "epischer" Anfangspart, nach dem die Band das Gaspedal bis zum Bodenblech durchtritt. Das hat was, was mich irgendwie an die Hochzeit der deutschen Metal-Bands der 80er Jahre erinnert, so wie es RESTLESS mit 'Breakin' Out' gemacht haben oder STEELER mit 'Rulin' The Earth'. Nicht nur die Instrumentalisten wissen hier sofort zu begeistern, es ist vor allem Sängerin Sabrina Gorosito, die den Song mit ihren kraftvollen Vocals auf ein noch höheres Level hievt. Ein User hat BARDOMA im Netz mit SANTA aus Spanien verglichen, die 1984 mit "Reencarnación" ein kleines Meisterwerk veröffentlicht haben. Mag vielleicht auch sein, weil die Spanier ebenfalls mit Azuzena eine starke Sängerin vorzuweisen hatten, die aber im Vergleich mit Sabrina Gorosito sogar noch den Kürzeren zieht. Ich höre hier aber eher mehr richtig geilen Heavy Metal, der sich vor allem auch an den teutonischen Bands der glorreichen 80er orientiert, aber zu keiner Sekunde altmodisch ist. Was auf den ersten Song zutrifft, gilt auch für das direkt nachfolgende 'Era Demente'. Aber BARDOMA können auch Abwechslung, was sie direkt mit 'Criaturas Del Vertigo' beweisen. Das Ding groovt von vorne bis hinten und hat einen interessanten Mittelteil. Hier auch, wie auf vielen anderen Stücken des Albums, diese tollen mehrstimmigen Vocals im Chorus. Wenn man einen Song rauspicken sollte, auf dem Sabrina Gorosito so was von richtig glänzt, dann dürfte es wohl das temporeiche 'La Dimension Atroz' sein. Und tatsächlich schimmern die bereits erwähnten STEELER in 'Zona Letal' durch, auch wenn das ein oder andere Riff sogar an ACCEPT erinnert. BARDOMA haben ein äußerst gutes Hänchen für's Songwriting, was auch auf diesem Track mit seinem geschwindigkeitsgedrosselten Zwischenpart gut zur Geltung kommt.

Darf's vielleicht ein kleiner Schlenker gen US-Metal sein? Bitte sehr, auch das können BARDOMA liefern. Einfach mal den Anfangspart von 'Obseso' anhören, wer dann den Finger hebt und OVERKILL sagt, der darf sich 'nen Keks nehmen. Auch 'Desenfreno' ist riffbetonter Stahl, den man schon seit Ewigkeiten nicht mehr aus den USA gehört hat. Ihr vermisst etwas, das sich bei den Besten der Besten der britischen Szene hören lassen kann? Okay, dann einfach eine Runde 'La Condena' anchecken, dessen Beginn mich so was von an 'Crusader' der Helden SAXON erinnert. Und wer bei einem Knaller wie 'Para La Accion' nicht die Rübe schüttelt oder die Faust reckt, hat den Metal nicht verstanden. Punkt aus!

Wer dann noch Lust auf Geschwindigkeit hat, den bedienen BARDOMA mit dem vorletzten und fast schon in Speed Metal-Gefilden wildernden 'Presencias Del Mal'. Das stimmige und eher langsame 'Tempestad' beschließt dieses kleine Meisterwerk. Und meisterhaft - neben Sängerin Sabrina Gorosito - darf man auch das nennen, was Gitarrist Edu Tobio in Albumlänge abliefert. Egal ob Riffs oder Soli, der Mann steckt so mach anderen hoch eingeschätzten Saitenhelden locker ins Täschchen. Internationalen Standards gerecht wird übrigens auch die Produktion von "En La Zona Letal", was ja auf viele Veröffentlichungen aus dem südamerikanischen Raum leider nicht immer zutrifft. Was der geneigte und interessierte Fan allerdings mitbringen sollte, ist eine Vorliebe für die Farben Giftgrün und Lila, denn das Artwork ist für einen Release im Bereich des klassischen Metals vom Motiv her eher ungewöhnlich und durch die Farbgebung gewöhnungsbedürftig. Aber da auch das Artwork des Debüts schon derartig gestaltet war, scheint das eher ein BARDOMA-Ding zu sein, in gewisser Weise Trademark.

Ich bin nicht unbedingt ein Fachmann der argentinischen Szene, lediglich hin und wieder hört man im Youtube-Kanal NWOTHM einiges, aber bis auf BARDOMA jetzt hat mich keine andere Band aus diesem südamerikansichen Land derart überzeugt. Deshalb adle ich BARDOMA jetzt einfach mal als Speerspitze des trationellen Metals aus Argentinien. Was die Dame und die drei Herren hier abliefern gehört - trotz der spanischen Texte - international zum Besten, was mir seit Langem von einem Newcomer untergekommen ist und verdient so was von mehr Aufmerksamkeit. Natürlich erfindet hier keiner den Metal neu, aber das wollen BARDOMA auch gar nicht. Dafür haben sie alleine schon mit Sängerin Sabrina Gorosito und Gitarrist Edu Tobio zwei absolute Argumente, um auch außerhalb ihrer Heimat mehr als nur ein wenig Staub aufzuwirbeln. Genau das ist mir in dem Fall dann auch die Höchstnote wert, verbunden mit der Bitte, der Band auf Bandcamp (Link oben) einen Besuch abzustatten und euch den Download zu sichern.



Gesamtwertung: 10.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Culto A la Ignorancia
02. Era Demente
03. Criatura Del Vértigo
04. La Dimensión Atroz
05. Zona Letal
06. Obseso
07. Desenfreno
08. La Condena
09. Para La Acción
10. Presencias Del Mal
11. Tempestad
Band Website: www.facebook.com/bardoma.rock
Medium: Digital
Spieldauer: 48:54 Minuten
VÖ: 11.02.2026

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