Abominator - The Fire Brethren

Review von Chaosswampchicken vom 05.12.2025 (652 mal gelesen)
Abominator - The Fire Brethren Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 sind ABOMINATOR durch Feuer und Schatten gegangen. Chris Volcano und Andrew Undertaker fanden sich damals zusammen, nahmen ein Jahr später ihr erstes Demo auf und sahen seither unzählige Musiker kommen und gehen. Die beiden Kernfiguren sind Veteranen der Szene: Volcano hat in neun Formationen gewirkt - von atmosphärischem Ambient Metal bis hin zu kompromisslosem Death Metal - und auch Undertaker hinterließ Spuren in mehreren Bands. Zehn Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sie sich nun zurück, treu ihrer alchemistischen Mixtur aus Black, Death und War Metal. Auffällig leise verlief die Veröffentlichung - keine Streaming-Singles, kein Vorab-Hype -, doch die Fans waren längst wachsam: Seit 2015 warten sie auf die Fortsetzung von "Evil Proclaimed". Mit "The Fire Brethren", das zu Halloween über Hells Headbangers das Licht der Welt erblickte, erfüllt sich diese Erwartung endlich.

Zehn Jahre Pause? Scheinbar kein Problem für ABOMINATOR


Zehn Jahre Ruhe können bei den meisten Bands ein Risiko bedeuten - nicht jedoch bei ABOMINATOR. Ihre Rückkehr beweist, dass sie weder eingerostet noch verwässert sind. Dieses Projekt war nie eines, das sich Trends beugte oder schüchtern den Weg änderte: Die Band bleibt ein Bollwerk aus unbeugsamem Old-School-Extreme-Metal. Und falls jemand dennoch zögert, genügt ein Blick auf das Siegel von Hells Headbangers auf der Plattenrückseite: ein Qualitätssiegel, das kaum einen Zweifel offenlässt.

Steigen wir doch direkt in den ersten Track ein. 'The Templar's Curse' öffnet das Album wie das Gnarzen eines alten, eisenbeschlagenen Tores. Ferne Kirchenglocken hallen, Wind streift durch die Kulissen, und die Gitarren schneiden wie scharfe Stahlklingen durch den Nebel - ein Auftakt, der nicht nur atmosphärisch, sondern programmatisch ist. Kaum setzt die erste Salve aus rasenden Riffs und marschierenden Blastbeats ein, macht ABOMINATOR unmissverständlich klar: Hier wird kein Neuanfang simuliert, sondern ein Orkan entfesselt, der sich seit Jahren angestaut hat. Begleitet von blasphemischen Litaneien, genau das, was wir alle an Black Metal so schätzen - Zorn, Lästerung und Katharsis. Der folgende Titel 'Underworld Vociferations' verschiebt nicht die Richtung, sondern vertieft sie: ein rücksichtsloser Beschuss aus Tremolo-Linien und Schlagzeugsalven, der fast wirkt, als solle die Hölle selbst zum Mitbeben gezwungen werden. Das Album atmet hier seine Essenz aus - es ist kompromisslos, archaisch und auf eine unheimliche Weise belebend.

Doch ABOMINATOR wissen, dass Dunkelheit nicht nur aus Aggression besteht. 'Covens For Azmodeus' zeigt hier eine ganz andere Facette, nämlich eine rituelle. Hypnotische Gitarrenlinien erschaffen hier diesen Eindruck, bevor sich das Stück erneut in einem Flammenkranz aus Blastbeats und Dämonenrufen entzündet. Hier blitzt die unterschwellige Poetik des Albums auf: Es geht nicht nur ums Zerstören, sondern ums Heraufbeschwören. Das erste große Highlight des Albums markiert 'Progenitors Of The Insurrection Of Satan'. Über siebeneinhalb Minuten entfaltet sich dieser Song wie ein dunkles und mystisches Ritual. Die Riffs kaskadieren, die Drums marschieren wie ein apokalyptisches Bataillon, und die Vocals verhallen wie Gebete aus einem unterirdischen Tempel. Der Song ist weniger Track als Manifest - eine gesteigerte Liturgie, die das antikosmische Leitmotiv des Albums alles überstrahlend auf den Punkt bringt.

"The Fire Brethren" im weiteren Verlauf mit ordentlich Death Metal


ABOMINATORs größte Stärke auf "The Fire Brethren" liegt unbestreitbar in ihrer Fähigkeit, das Publikum mit einem unablässigen Sturm aus Drum-Attacken niederzuwalzen. Das Schlagzeug ist mehr als nur Rhythmusgeber - es ist die Peitsche, die das Album vorantreibt, ein permanenter Angriff, der kaum Raum zum Atmen lässt. Doch zwischen all diesem Chaos blitzen Momente auf, die beweisen, dass ABOMINATOR weit mehr beherrschen als nur rohe Gewalt. Die Gitarrensoli stechen besonders hervor: Sie sind ebenso wütend wie präzise, in bester Tradition von MORBID ANGEL oder INCANTATION - schnell, schneidend, beinahe archaisch melodisch und so markant, dass sie sich unauslöschlich im Gehörgang festsetzen.

Für mich persönlich sticht 'Author Of All Calamity' hervor. Er nimmt das Tempo etwas zurück, ohne an Druck oder Bösartigkeit einzubüßen, und setzt stattdessen auf einen treibenden Groove. Das Schlagzeug spielt hier abwechslungsreicher und federnder, die Fills sitzen, die Blastbeats sind punktiert statt zwanghaft - es ist ein Song, der zeigt, dass die Band Dynamik ebenso beherrscht wie Raserei.

Mit 'Desolation Epoch' setzen ABOMINATOR ihren Feldzug nahtlos fort - und erneut zeigt sich, wie stark das Duo Death Metal-Elemente in seine schwarze Klangruinenlandschaft integriert. Der Track ist ein weiteres solides Geschoss im ohnehin dicht bestückten Arsenal dieses Albums. Man könnte kritisieren, dass sich die Songs stellenweise in ähnlichen Strukturen bewegen, doch solange das Fundament stimmt, fällt diese Homogenität weniger ins Gewicht. Hier zählt das Gefühl, nicht die Überraschung - und dieses Gefühl stimmt.

Der Titelsong 'The Fire Brethren' ist entsprechend ein programmatisches Stück: eine Beschwörung, die dem Album seinen Charakter verleiht. Besonders auffällig ist der morbid-rituelle Gesang, der sich perfekt über die grollenden Gitarren legt und die Nummer zu einem der atmosphärisch dichtesten Momente der Platte macht. Abgeschlossen wird das Album durch 'Sulphur From The Heavens', das erneut die Sieben-Minuten-Marke sprengt und als düsteres Epilogstück fungiert. Gegen Ende öffnet sich der Song überraschend thrashmetalligen Einflüssen - die Tempi ziehen an, die Riffs schnalzen härter, das Zusammenspiel wird bissiger. Diese Wendung wirkt wie ein letzter Adrenalinschub, ein Moment, in dem nicht nur die Nackenmuskulatur beansprucht wird, sondern auch ein spürbares Grinsen ins Gesicht des Hörers wandert. Eine willkommene Dynamik, die zeigt, dass ABOMINATOR mehr können als nur in einem stetigen Sturm zu verharren.

Fazit


Bemerkenswert an diesem Album ist zum einen seine Länge: Mit 47 Minuten liegt es über dem Durchschnitt dessen, was man im extremen Metal normalerweise so erwarten würde. Die Frage, ob das zu Ermüdung führt, drängt sich auf - doch die Antwort fällt überwiegend positiv aus. Zwar hätte eine kompaktere Spielzeit die rohen Songs möglicherweise noch schärfer wirken lassen, dennoch gelingt es der Band, die Spannung weitgehend aufrechtzuerhalten. Das liegt nicht zuletzt an kleinen Details, die für Dynamik sorgen - etwa einem melancholischen Akkord, der das sonst aggressive Klangbild kurzfristig in eine düstere Stimmung taucht. Gerade solche Momente zeigen, dass die Band nicht nur auf maximalen Krach setzt. Das Duo versteht es, Struktur und Wirkung gezielt zu gestalten. Die Songs entfalten sich als kontrolliertes Chaos, als bewusst aufgebaute Attacken, die konsequent das brutalste und finsterste Spektrum des Genres bedienen. Die acht Tracks wirken wie ein einziger, schwefliger Sturm, der Hörerinnen und Hörer entweder überfordert oder befeuert - je nach persönlicher Affinität zum Underground-Sound.

Im Kern ist dieses Album ein kompromissloses Werk, das sich an ein spezifisches Publikum richtet. Wer dem harschen Black/Death Metal mit seinen peitschenden Drums, dichten Gitarrenwänden und gutturalem Gesang nichts abgewinnen kann, wird hier kaum einen Zugang finden. Für Fans jedoch, die nach genau dieser rotzigen, hämmernden Intensität suchen, liefern ABOMINATOR ein überzeugendes Lebenszeichen. Man spürt, dass der extreme Metal - zumindest in dieser Nische - weiterhin lebendig ist und in Down Under gedeiht.


Gesamtwertung: 8.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
1. The Templar’s Curse
2. Underworld Vociferations
3. Covens For Azmodeus
4. Progenitors Of The Insurrection Of Satan
5. Author Of All Calamity
6. Desolation Epoch
7. The Fire Brethren
8. Sulphur From The Heavens
Band Website:
Medium: CD, LP, digital
Spieldauer: 47:18 Minuten
VÖ: 31.10.2025

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