Vøvk - Litera

Review von Rockmaster vom 30.11.2025 (244 mal gelesen)
Vøvk - Litera Nachdem sich VØVK ("Wolf") bei den Norwegern das Ø für ihren Bandnamen ausgeliehen haben, könnte man die Band auch irrtümlich in Nordeuropa verorten. Auch die ersten Takte des Openers 'Sil' auf der Gitarre würden durchaus in nordische Winterlandschaften und melancholische Klangwelten passen. Tatsächlich handelt es sich bei dem Trio aber um Ukrainer, und nachdem das "Ø" in der gängigen Transkription aus dem Ukrainisch-Kyrillischen keine Verwendung findet, darf vermutet werden, dass es wie das MOTÖRHEAD-Ö einfach als Markenzeichen dient, um den Bandnamen etwas prägnanter darzustellen. Passend dazu bedeutet der Titel "Litera" (nach "Lair" das zweite Album der Band) "Buchstabe" oder "Kennzeichen". Sprache der Wahl für die Songtexte ist Ukrainisch - was auf dem Weg zum internationalen Erfolg durchaus eine Hürde darstellen kann. Andererseits setzt diese Entscheidung (auf "Lair" wurde noch Englisch gesungen) in den aktuellen Zeiten ein selbstbewusstes Statement. Musikalisch kredenzt uns die Band eine Mischung aus Prog Metal und Post-Metal, die sich vielschichtig zwischen ruhigen, melancholischen Passagen und wütenden Ausbrüchen gibt. Der Opener 'Sil' baut von der anfänglichen Gitarrenfigur über deren Weiterentwicklung und die Strophen einen Spannungsbogen auf, der hier noch in verhaltener Härte kumuliert und sich gegen Ende in einer Variante der Figur auflöst. 'Iskara' kommt da tendenziell flotter daher und legt auch in Sachen Härte hier und da noch eine Schippe drauf. Die Songstrukturen, weiterentwickelte Motive und dezente Rhythmuswechsel sind die aus dem klassischen Progressive Metal entlehnten Stilelemente, während die härteren Passagen nach modernem Post-Metal (oder teils Post-Rock) klingen. Den melodiösen Passagen der Titel wohnt stets eine gewisse Düsternis inne, was gut zum textlichen Inhalt passt. "Litera" folgt einem groben Konzept (ohne jedoch eine durchgängige Erzählung wiederzugeben, wenn ich den Beipackzettel da richtig interpretiere). In den einzelnen Titeln geht es um Naturphänomene wie Dürre, Feuer, Flut und andere, die hier metaphorisch für innere Zerrissenheit und Kampf stehen - womit in dieser Bildsprache auch die Befindlichkeiten des ukrainischen Volkes seziert werden, ohne den verbrecherischen Angriffskrieg gegen das Land als Kontext explizit zu thematisieren.

Neben der Stammbesetzung, bestehend aus Oleksandr Kuts an Mikro und Bass, Yehor Druzenko an der Gitarre und den Synthies sowie Yevhenii Khrulov am Schlagzeug, gibt es einige Gastauftritte. Johannes Persson (CULT OF LUNA) singt in 'Promin' und dürfte der Bekannteste der Gastsänger sein. Wer sich auf den musikalischen Ausdruck einlässt - oder der Musik einfach genug Zeit gibt - kann in "Litera" ein vielschichtiges, emotionales Werk entdecken. Auch wenn die Musik mit ihren Post-Metal-Anleihen und atmosphärischen Klangschichtungen vorwiegend "moderne" Hörgewohnheiten anspricht, konzentrieren sich VØVK auf einen organischen Sound und verzichten auf starkes Djenting, komplexe Polyrhythmik oder überproduzierte Hochglanzästhetik. Mir gefallen am besten 'Promin' und noch etwas mehr 'Okean', die sich klassisch-progressiv entfalten - jedoch ohne die sonst häufig zu findende Instrumentalakrobatik. Die Titel nehmen sich viel Zeit und erlauben es dem Hörer, in das sich nach und nach steigernde Ambiente einzutauchen.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Sil (5:36)
02. Iskra (4:44)
03. Leleka (4:43)
04. Mur (5:21)
05. Tyhr (6:54)
06. Promin (7:55)
07. Okean (7:29)
Band Website: https://vovk.bandcamp.com/
Medium: CD
Spieldauer: 42:43 Minuten
VÖ: 03.10.2025

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