Swartzheim - Wounds

Review von derkleinekolibri vom 29.11.2025 (413 mal gelesen)
Swartzheim - Wounds Damit Jeppe Halse Fugleberg seiner Karriere als Sänger von SWARTZHEIM nicht schaden kann, sollte er unbedingt einem Lungenkatarrh vorbeugen. Er und seine vier Gefährten Joe Thinggaard Timmins (Gitarre), Niels (Napalm) Kasule (Gitarre), Ebbe Hyldahl Rask (Bass) und Sebastian Vestergaard (Schlagzeug) formierten sich 2018 und begannen seitdem damit, ihren Bekanntheitsgrad kontinuierlich im dänischen Randers und dessen Umgebung in Ost-Jütland zu vergrößern. Auch in ferneren Gefilden konnte man sie mittlerweile live erleben. Besonders erwähnenswert sind das Wacken Open Air (2024) und Dänemarks größtes Metal-Festival Copenhell (2025) inmitten der Hauptstadt Kopenhagen. Auch andere kleine, unabhängige Festivals boten der Crossover Metal-Band Gelegenheit, ihre voluminös klingende Musik darzubieten. Hört man sich nun ihr Debütalbum "Wounds" an, macht man sich unweigerlich Sorgen um des Sängers Stimmvolumen. Diesem Mann scheint nichts Einhalt zu gebieten, so zwingt er seine Stimmbänder auf vielerlei Art und Weise zur Höchstleistung. Es wäre durchaus denkbar, dass er bei seinen Auftritten in einem Sauerstoffzelt künstlich beatmet werden muss.

"Wounds" als Album zu bezeichnen ist schon ein wenig gewagt, denn obwohl es zehn Songs gibt, kommt man gerade mal auf ein paar Sekunden mehr als eine halbe Stunde Spielzeit. Dafür geht es nach dem kurzen 'Intro' sofort in die Vollen. Die Jungs machen keine Gefangenen, sodass es nicht verwundern würde, wenn die Hälse ihrer Saiteninstrumente zu glühen beginnen. Manchmal klingt das ein wenig tapsig, größtenteils aber wie in Energie umgewandelte Wut. Lauscht man - sofern verständlich - den Texten, spiegelt sich darin die Sorge um die Jugend der Welt wieder. Sie prangern die Situation junger Menschen an, die durch stärker werdende negative Einflüsse (Armut, Hunger, Krieg, Social Media) zu immer mehr Aggression, Frustration und Isolation bis hin zum Suizid führt.

Den fünf Jungs merkt man an, dass sie mit Herzblut hart an ihrem Longplayer gearbeitet haben. Kompromisslos jagt ein Titel den nächsten. Apokalyptische Riffs der beiden Gitarristen verstärken das hemmungslose Gebaren des Schlagzeugers. 'Sympathy' ist eines jener Stücke, bei welchem man dem Sänger am liebsten eine Sauerstoffflasche reichen würde. Nicht alles, was seiner Kehle entfleucht, ist optimal, kommt aber definitiv aus tiefstem Herzen. Ebenso (noch) unvollkommen spielen seine Gefährten auf und genau das macht sie so sympathisch. Das Ungestüme, das Wilde treibt das Quintett voran und macht "Wounds" zu einem nicht erwarteten Hörerlebnis. Solotechnisch zeigt sich bereits eine große Begabung: 'Thrown Away' wird durch das Solo zu einem der Höhepunkte des Debütalbums der Dänen. Einen regelrechten Ritt auf den Hälsen ihrer Instrumente vollführen die Gitarristen Joe und Niels bei 'Artillery', das sich ebenfalls durch ein giftiges, mit herrlichem Doublebass aufgeblähtes Schlagzeugspiel auszeichnet. 'No One To Blame' ist ein hammerharter Song, der wie ein stinknormales Heavy Metal-Stück beginnt, dann aber zu einer Vollnarkose führen kann, sobald das frech injizierte Solo seine Wirkung zeitigt.

Das Coverartwork ist so düster wie der Inhalt dessen, was die fünf Dänen anprangern. Sogar der verkaufsfördernde Sticker "Parental Advisory - Explicit Content" prangt auf der Vorderseite. Ein Großteil der jungen Menschen fühlt sich von solchen Warnungen magisch angezogen und greift umso lieber zu. Aber auch so alte Säcke wie meine Wenigkeit fühlen sich zu solcher Musik hingezogen.

Euren Kindern und Enkelkindern könnt ihr "Wounds" von SWARTZHEIM in ihre geputzten Schuhe am Nikolaustag stecken, da die CD noch rechtzeitig einen Tag vorher veröffentlicht wird und in den Handel gelangt.

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Intro
02. Wounds
03. No One To Blame
04. Sympathy
05. Discarded
06. Spitting Nails
07. Artillery
08. Execute
09. Thrown Away
10. Outro
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 30:33 Minuten
VÖ: 05.12.2025

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten