Medieval Demon - All Powers Of Darkness

Review von Froosti vom 20.09.2025 (1715 mal gelesen)
Medieval Demon - All Powers Of Darkness Es gibt wohl kaum ein Genre, das jeglichen modernen Einfluss so vehement ablehnt wie der Black Metal. Diese sture Rückbesinnung auf die alten Zeiten bringt so einige Vor- und Nachteile mit sich. Zum einen wird der Spirit von damals hochgehalten. Lo-Fi-Sound, DIY-Ästhetik, Atmosphäre, ungestüme Brutalität und eine gewisse Mystik machten das Genre groß und sind für mich die essenziellen Faktoren, warum mich Black Metal so fasziniert. Zum anderen können Gatekeeper einen ziemlich nerven, und es gibt viele Bands, die einfach nur die alten Helden kopieren und keine eigene Seele besitzen. MEDIEVAL DEMON aus Griechenland sind schon seit 1993 unterwegs und haben es sich zur Aufgabe gemacht, die alte Flamme am Leben zu halten. Doch wo steht ihr neues Album "All Powers Of Darkness"?

Noch bevor ich die ersten Töne der Platte anhöre, bringt mich die Aufmachung bereits in eine freudige Stimmung. Ob es das simple, aber passende Bandlogo ist oder das schwarz-weiße Cover samt Skelettkriegern und Untoten, es weckt in mir sofort dieses unverwechselbare Oldschool-Feeling. Auch bei Titeln wie 'Mystic Path Towards The Abyss' oder 'Eosforean Night' schlägt mein schwarzes Herz höher. Damit könnten die Bedingungen gar nicht besser sein und ich bin gespannt, was die Musik zu bieten hat.

Bereits der Opener 'Raging Lord Of The Deeps' macht deutlich, in welche Richtung MEDIEVAL DEMON marschieren. Es wird nicht die Stachelkeule rausgeholt und alles kurz und klein geschlagen. Bei "All Powers Of Darkness" dominiert der atmosphärische, keyboardlastige Black Metal das Geschehen. Dabei macht der Band in Sachen Atmosphäre so schnell niemand etwas vor. Die Keyboards treten mal in bester Dungeon Synth-Manier als Teppich im Hintergrund auf und übernehmen ein andermal die Melodieführung. Auch eingestreute Chöre kommen immer wieder zum Einsatz. Das donnernde Schlagzeug klingt fast wie eine Kriegstrommel und unterstreicht hervorragend die Stimmung der Platte. Ob man das nun als intensiven Bombast oder als störenden Kitsch bezeichnet, ist jedem selbst überlassen. Das Thema Keyboards hat die Geister schon immer gespalten. In Kombination mit okkulten Spoken-Word-Passagen fällt es mir leicht, in die Atmosphäre einzutauchen und zu versinken. Natürlich kommt das Ganze zu einem gewissen Preis. Die Gitarren rücken etwas in den Hintergrund und an manchen Stellen fehlen mir einfach eiskalte Gitarrenriffs. Die Dominanz des Keyboards, Schlagzeugs und des Gesangs hätte man noch ein wenig abschwächen können.

Bei den Vocals gibt es aber nichts zu meckern. Sänger Sirokous beherrscht sein Organ und bietet über die gesamte Spielzeit viel Abwechslung an. Gequältes, verzweifeltes Ächzen, giftiges Gekeife und okkulte Beschwörungen liefert er überzeugend ab. Damit ist er einigen seiner Kollegen ein gutes Stück voraus. Mit den Promo-Bildern dazu kann ich mir bildlich vorstellen, wie er auf der Bühne eine intensive, schwarze Messe abliefert, wie man sie nur noch selten sieht.

So sehr dies alles auch dem Oldschool Black Metal entspricht, kann sich die Gruppe aber nicht vollständig der Moderne entziehen. Zum einen haben wir da die Produktion, welche zwar Ecken und Kanten hat und schön rau aus den Boxen hämmert, aber dennoch weit weg ist vom Lo-Fi-Sound der alten Tage. Für mich ist dies aber kein Nachteil, denn der druckvolle, differenzierte Sound macht es mir leichter, die einzelnen Elemente zu genießen. Damit tut die Produktion genau das, was sie immer machen sollte, nämlich den Sound der Band zu unterstreichen, ohne dabei an Rohheit zu verlieren. Zum anderen schleicht sich sogar ein Saxofon mit auf die Platte. Im Song 'Tartarean Winds Of Vengeance' übernimmt es kurz die Melodieführung und sorgt für ein überraschtes Grinsen. Solche Elemente bauen MEDIEVAL DEMON immer wieder ein und schaffen es damit, sich von der breiten Masse abzuheben.

Damit wissen wir nun auch, wo MEDIEVAL DEMON mit ihrer neuesten Platte stehen. Mit ihrem abwechslungsreichen Black Metal, der einerseits den alten Spirit weiterträgt, aber nicht alle Vorteile der Moderne ausschlägt, überzeugen sie mich mit Leichtigkeit. Die dichte, okkulte Atmosphäre und der abwechslungsreiche Gesang runden das Album ab. Lediglich beim Mix der einzelnen Instrumente könnte man die Gitarren etwas mehr berücksichtigen. "All Powers Of Darkness" ist ein Anwärter für meine Top-Alben des Jahres im Bereich Black Metal und läuft die letzten Wochen in Dauerschleife. Wer keyboardlastigen Black Metal mag, sollte hier unbedingt mal reinhören.



Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Raging Lord Of The Deeps
02. Eosforean Night
03. Archaic Sacrificial Rites
04. Mystic Path Towards The Abyss
05. Fullmoon Over The Temple Of Belial
06. Abaddon
07. Tartarean Winds Of Vengeance
08. All Powers Of Darkness
Band Website:
Medium: CD, LP
Spieldauer: 50:07 Minuten
VÖ: 22.08.2025

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