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Lyijykomppania - Tarpeettomia Ikävyyksiä

Review von baarikärpänen vom 04.04.2021 (510 mal gelesen)
Lyijykomppania - Tarpeettomia Ikävyyksiä Im Interview, Teil unseres letztjährigen Specials, war Esa Moilanen noch guten Mutes, dass die Arbeiten am nächsten Album noch im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein würden. Aber dann kamen gesundheitliche Probleme und natürlich Corona sämtlichen Plänen in die Quere. Laut Esa Moilanen waren die Aufnahmen an sich wirklich schon zu Beginn der Pandemie beendet, Covid verzögerte also nur den finalen Mix und hatte keinerlei Auswirkungen auf die Texte. Letztendlich war die Verzögerung aber auch so etwas wie ein Wink des Schicksals, denn die verspätete Veröffentlichung führt dazu, dass "Tarpeettomia Ikävyyksiä" nun just in dem Jahr erscheint, in dem LYIJYKOMPPANIA ihren 40. Geburtstag feiern dürfen. Was mich noch zu einer kleinen Randbemerkung veranlasst. In Deutschlands größter Metal-Postille war vor einigen Monaten ein ausführliches Finnland-Special, in welchem Kimmo Kuusniemi als Wegbereiter für hardrockige und metallische Klänge in Finnland beschrieben wird, was ja auch in gewisser Weise zutrifft. Dass allerdings LYIJYKOMPPANIA, die seit 1981 kompromisslos und dunkel-fatalistisch wie keine andere Band ihren Weg gehen, mit keinem Wort erwähnt werden, halte ich persönlich für einen nicht wiedergutzumachenden Fauxpas. Denn es gibt eigentich keine andere Band, die so für die finnische Identität und Mentalität steht, wie es LYIJYKOMPPANIA nun schon seit 40 Jahren machen. Das aber nur als kurze Anmerkung.

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"Tarpeettomia Ikäävyksiä" (frei übersetzt in etwa "unnötige Unannehmlichkeiten") ist also das sechste Album der finnischen Individualisten und es hat sich ausnahmsweise nach dem Vorgänger "Tietoja Epäonnistumisista Ja Päättämättömyyksistä, Tai Väkivaltaa Ja Vääriä Lääkkeitä" mal nichts an der Bandbesetzung geändert. Es scheint so, als ob diese Konstante sich auf die Songs an sich ausgewirkt hat. War der Vorgänger schon gut, ist "Tarpeettomia Ikäävyksiä" sogar noch besser. Sämtliche Kompositionen stammen von Bassist Petri Lindström, Esa Moilanen steuerte wieder alle Texte bei. Genau die sind dann auch wieder schonungslos ehrlich, besonders wenn Esa Moilanen soziale Probleme anspricht. Auch wenn der übrwiegende Teil unserer Leser mit der finnischen Sprache wenig anfangen kann, schadet es nicht, sich mit den Texten näher zu befassen, weil Moilanen geradezu ein Meister darin ist, humorige Spitzen zwischen den Worten zu verstecken. Aber auch historische Ereignisse werden aufgearbeitet. Bestes Beispiel dafür ist das eröffnende 'Kuoleman Eskadroona'. Im Text geht es um die Dragoner, eine Einheit der finnischen Armee, in der ersten Strophe ihre Ausbildung, in der zweiten ihr aussichtloser Kampf gegen die russische Armee, als nahezu alle den Tod fanden. Passend dazu auch die musikalische Umsetzung. Der Song wird mit unheilvoll kingenden Kriegshörnern eröffnet und ist einer der wenigen doomigen Songs, neben dem großartigen 'Varpunen', auf "Tarpeettomia Ikäävyksiä". Womit wir auch schon beim größten Unterschied zu dem bisherigen musikalischen Schaffen von LYIJYKOMPPANIA wären. Die Band hat sich auf dem Album vom reinrassigen Doom entfernt und klingt geradezu rockig/ positiv. Aber nicht falsch verstehen, denn LYIJYKOMPPANIA sind immer noch so positiv wie ein Sturz durch's Eis eines zugefrorenen Sees bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt - und ihr "rockig" bewegt sich auch im eher unteren Midtempobereich. Moll regiert hier klar über Dur. Aber genau damit spielen LYIJYKOMPPANIA vermehrt. Wenn ein Riff geradezu "freundlich" klingt, kommt mit Sicherheit ein dunkles direkt hinterher. Stellvertretend für diesen Ansatz im Songwriting sei 'Mummot Naftaliiniin' genannt, das mich in Teilen sogar an VIIKATE erinnert. Dieser Song wartet auch mit dem wohl kritischsten Text des Albums auf. Inspiriert dazu wurde Esa Moilanen nach eigener Aussage zum einen durch seine Frau, die in einem Altenheim arbeitet und eines Morgens erschöpft von ihrer Nachtschicht berichtete, als sie und ihr Kollege sich alleine um 60 Pflegebedürftige kümmern mussten, was sie desillusioniert zur Aussage verleitete "Oh fuck, wenn wir doch nur die alten Omas ruhigstellen könnten". Zum anderen bezieht sich Moilanen auch auf die Berichte in der Presse über die unhaltbaren Zustände in finnischen Altenheimen. Starker Tobak fürwahr. Ein weiteres "heißes Eisen" verarbeitet Moilanen in den Texten von 'Tuuhlaajapoika' und 'Töppöset pystyssä' (frei übersetzt 'Ärsche hoch"), die sich kritisch mit dem zunehmenden Egoismus der Gesellschaft befassen, wenn jeder nur noch an sich denkt, ohne sich darum zu kümmern, was das für Auswirkungen auf seine unmittelbaren Mitmenschen hat. Perfekt positioniert ist das fast schon beschwingt klingende und mit Flöten aus dem Computer aufgepeppte Instrumental 'Niksejä Hevosen Kengitykseen', dem das tolle, wiederum an VIIKATE erinnernde, 'ART' folgt.

Dass sich LYIJYKOMPPANIA auf "Tarpeettomia Ikäävyksiä" neu erfunden hätten kann man nicht wirklich sagen. Was sie aber geworden sind, ist zugänglicher, ohne sich und ihr bisheriges musikalisches Schaffen über Bord zu werfen. LYIJYKOMPPANIA bleiben sie selbst, authentisch, immer mit der gewissen Note. Dazu tragen auch die bestens zum Material passende Stimme von Tero Vuorinen und das auf das Wesentliche reduzierte Drumming bei. Dieses Unverkennbare teilen sich LYIJYKOMPPANIA mit ihren Landsleuten TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS, deren Namensgeber 15 Jahre lang Teil von LYIJYKOMPPANIA war. Welche der beiden Bands sich manchmal wie wer anhört, darüber darf also gestritten werden. Für den tollen Sound des Albums war übrigens Juha-Matti Kopelomäki zuständig, das Mastering stammt von keinem Geringeren als Mika Jussila.

Klar, der internationale Markt ist für eine finnische Band, die in Landessprache singt, nicht das Hauptziel. Aber unter unseren Lesern finden sich bestimmt viele, die auch gerne mal über Tellerränder/ Landesgrenzen hinausschauen. Wer also auf der Suche nach einem total eigenständig klingenden Stück Musik in der Schnittmenge aus Doom/Heavy Metal ist, der wendet sich an die Band selbst oder geht shoppen bei Levykauppa Äx, die weltweit liefern. Weil LYIJYKOMPPANIA es mit diesem Album und dem breitenwirksameren Songwriting schaffen, aus ihrer kleinen Nische, in der sie sich eigentlich ganz wohl gefühlt haben, herauszutreten, gibt es satte neun Punkte.



Gesamtwertung: 9.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood dry
Trackliste Album-Info
01. Kuoleman Eskadroona
02. Tuuhlaajapoika
03. Asiantuntija
04. Yksinäisen tähden harhailija
05. Mummot Naftaliiniin
06. Varpunen
07. Niksejä Hevosen Kengitykseen
08. ART
09. Äänislinnan vakkamestari
10. Töppöset Pystyssä
Band Website: www.lyijykomppania.com
Medium: CD
Spieldauer: 36:34 Minuten
VÖ: 01.04.2021

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