Twin Dive - Lavish Material | |
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Review von Damage Case vom 09.09.2022 (3265 mal gelesen) | |
Grunge aus Dänemark. Oder so ähnlich. Also nicht Dänemark, sondern die Beschreibung des Geschrammels. Drei Dänen kommen 2018 auf die Idee, Mucke zu machen, die in Seattle Mitte bis Ende der 1980er ordentlich die Clubs eingeheizt hätte. Kommerziell ist hier eigentlich gar nix. Außer der Videos. Videos? Ja, Videos! Denn TWIN DIVE haben bemerkenswert viele und optisch sehr ansprechende Videos zu ihren Songs auf YouTube hochgeladen. Für Newcomer sehr unüblich, zeigt es doch auch, dass wir hier eine Band, ein Power-Trio im besten Wortsinn, vor uns haben, die sich auch über das Visuelle definiert. Dabei darf es gerne schmutzig sein, Lo-Fi eben. Die Produktion ist dementsprechend wie zu erwarten weder totkomprimiert noch auf Hochglanz poliert. Das hier riecht verdammt nach analogem Bandsalat, möchte man sich zumindest einreden. Der Bass darf Bass sein und das Rauschen nicht nur der Gitarre überlassen. Schlagwerker Raggi gibt an den geflickten Fellen alles. Über allem thront Sänger, besser Krächzer, Robert Jancevis. Der Typ sieht zwar aus wie der junge Graham Bonnet, kann aber eigentlich überhaupt nicht singen und das ist genau der Clou, denn keine andere Sorte Stimme würde besser zu diesem geilen Lärm passen. Genießt nur mal die Studio-Liveperformances der beiden Kracher 'Animal' und 'Blue Husky' oder hört euch die Anspieltipps vom Ende dieses Texts an - hier passt optisch wie akustisch alles für den dirty Rock'n'Roller. Fazit: Für Fans von Seattle-Größen wie zum Beispiel SOUNDGARDEN und NIRVANA vor deren jeweiligem kommerziellen Durchbruch sehr interessant. Oder auch für solche Zeitgenossen, die auf Lo-Fi-Krach von der Basis und Chartbreaker von morgen stehen - quasi diejenigen, die die Chartstürmer noch im versifften Club gesehen haben wollen. Doch ob "Lavish Material" wie von Band und Label vorhergesagt die internationale Rockszene erobern wird, bleibt zu hoffen - erwartbar ist es wohl nicht. Mal 2023 retrospektiv überprüfen, wie TWIN DIVE 2022 ankamen. Drei Anspieltipps: In 'Holly' erinnert nicht nur Sänger Robert Jancevics krächzender Gesang wohlig warm an MANTAR. 'Let Light In', so hätten OASIS geklungen, wären sie eine ordentliche Demophase durchlaufen. 'Vaporize' wurde zwar nicht in der Wüste aufgenommen, denn die gibt es in Dänemark nicht. Aber mehr nach KYUSS, als es viele andere Stoner gerne täten, klingt der Song trotzdem allemal. Gesamtwertung: 9.0 Punkte | |
Trackliste | Album-Info |
01. Biblical 02. Holly 03. All At Once 04. Summon Her 05. Let Light In 06. Animal 07. Only Eyes 08. Vaporize 09. Blue Husky 10. Joy Will Follow 11. Say His Name | Band Website: Medium: CD + digital Spieldauer: 50:26 Minuten VÖ: 09.09.2022 |
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