Roachclip - Night Falls

Review von Stradivari vom 07.06.2012 (5352 mal gelesen)
Roachclip - Night Falls ROACHCLIP sind ein rockendes Unikum aus deutschen Landen, die mit "Nightfalls" nun ihr drittes Album auf die geneigte Hörerschaft loslassen. Ihr Debüt "Till Morning Light" wurde bereits 1990 veröffentlicht und nach einer kleinen schöpferischen Pause ließ man 2009 den Zweitling "The Return" vom Stapel. Ich muss gestehen, ich kenne beide Scheiben nicht und es ist auch allgemein relativ schwierig, halbwegs sinnige Information über die Band zu erhalten, da es keine Homepage gibt und man die Facebook-Seite - freundlich ausgedrückt - als "verstümmelt" bezeichnen kann. Aus dem Promo-Sheet der Plattenfirma bekommt man auch nicht wahnsinnig viel aussagekräftigen Input, außer, dass die Mitglieder von ROACHCLIP bereits mit Größen wie ROSE TATTOO, Udo Lindenberg, Nicko McBrain oder Jon Lord musiziert haben. Okay, dann konzentriere ich mich halt ausschließlich auf das Wesentliche - Let The Music Do The Talking...

Los geht's mit dem simplen, aber recht spaßigen Opener 'No Reason'. Etwas mehr Energie hätte nicht geschadet, aber der leicht antiquierte Keyboardsound im Refrain sowie die griffige Hookline sind absolut hörenswert. Bei 'Buffalo' wird zunächst eine akustische Klampfe ausgepackt, mit der Zeit steigen dann allerdings auch satte Strom-Gitarren ein, so dass sich der Song zu einem feisten Stück mit Ohrwurmqualitäten steigert. Die tollen Gesangslinien verdecken Gott sei Dank größtenteils den fürchterlich kitschigen Text. 'Le Bon Roi Dagobert' ist die verrockte Adaption eines Volksliedes aus der französischen Revolution. Wirklich gut gemacht und mit Gute-Laune-Garantie, aber mich persönlich stören die französischen Vocals. Ich kann auf die Sprache überhaupt nicht. Aber gut, persönliches Pech. Als netten Gimmick haben ROACHCLIP ein altertümliches Schallplatten-Knacken eingebaut, was in diesem Zusammenhang richtig klasse kommt. Was 'GL 298' bedeutet, weiß ich nicht, musikalisch hat es der Hörer jedenfalls mit einem ziemlich banalen, getragenen Rocksong zu tun. Eher ein überflüssiger Füller, der lediglich durch die schönen Hammond-Einlagen auf sich aufmerksam macht. Für 'It Is You' gilt im Grunde das Gleiche wie für viele Tracks auf "Nightfalls" - nett gemacht, handwerklich absolut sauber, aber eine Spur zu druck- und leblos. Wohltuende Ausnahme ist das beinahe schon metallische 'Poison Blonde'. Etwas Power hat noch nie geschadet... Mit '1077' verfallen ROACHCLIP dann aber leider umgehend wieder in Lethargie. Der Titel geht irgendwie spurlos an mir vorbei. Ein weiterer Lichtblick folgt mit dem straighten 'Praying Mantis'. Das bluesige 'St. James Infirmary' beweist zum einen, welche tolle Musiker hier am Start sind und lebt zum anderen von der großartigen Gastsängerin. Für mich das Highlight der Scheibe. Auch 'Stay With Me' vermag auf Grund der grandiosen Instrumentierung und Produktion zu überzeugen, obwohl sich der Song insgesamt erneut ein Bisschen dahin schleppt. Mit 'Suck Duck Rockin'' wagen ROACHCLIP einen kleinen Exkurs in AC/DC-Gefilde. Fette Riffs, rauer Gesang und ein strunzdummer Text. Herrlich! 'When The Night Falls' weist Spurenelemente von Country auf, besticht durch Gänsehaut-Melodien, muss aber mit Abzügen in der B-Note leben, da man aus diesen Ansätzen viel mehr hätte machen können. Statt sich in epischer Breite zu ergießen, bleibt der Track in einer recht minimalistischen Umsetzung hängen. Den Abschluss bildet 'Fisherman', welches sich in die Riege der eher belanglosen, getragenen Stücke einreiht. Allerdings zumindest aufgepeppet durch putziges Wellenrauschen, weibliche Vocals im Refrain und LP-Geknister im Outro.

ROACHCLIP rocken nostalgisch, sind extrem authentisch, scheren sich einen Dreck um zeitgemäße Konventionen und machen einfach das, was sie wollen. Irgendwie sind sie das unbeugsame kleine gallische Dorf der deutschen Musikszene. Das finde ich so cool, dass es mich gewisse Durchhänger und Unzulänglichkeiten wohlwollend überhören lässt. Wer mal wieder ein "richtiges", bodenständiges und abwechslungsreiches Rockalbum jenseits von Casting, Hype und Internet genießen möchte, dem sei "Nightfalls" jedenfalls wärmstens ans Herz gelegt.


STRADIVARI

Gesamtwertung: 6.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood dry dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. No Reason 4:10
02. Buffalo 4:55
03. Le Bon Roi Dagobert 3:18
04. GL 298 4:53
05. It Is You 4:39
06. Poison Blonde 3:18
07. 1077 4:50
08. Praying Mantis 3:02
09. St. James Infirmary 5:29
10. Stay With Me 4:58
11. Suck Duck Rockin' 5:34
12. When The Night Falls 5:28
13. Fisherman 6:02
Band Website: www.roachclip.de
Medium: CD
Spieldauer: 60:36 Minuten
VÖ: 25.05.2012

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

zur info : es gib inzwischen eine homepage unter: roachclip.de vielen dank für die bewertung
(15.06.2012 von sven)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten