Master Massive - White Shadows

Review von Stormrider vom 18.08.2026 (522 mal gelesen)
Master Massive - White Shadows Wer 2026 sein Album mit einem über elfminütigen Brocken namens 'Noah's Cross' eröffnet, hat einfach keinen Bock auf Mainstream. Warum auch, wenn man doch seiner Leidenschaft in einer Nische so viel besser frönen kann? Dass sie keine Eile haben, auch daran lassen MASTER MASSIVE kaum Zweifel, denn nachdem sie sich bereits 1993 gegründet haben, datiert "The Pendulum" aus 2015, "Black Feathers On Their Graves" aus 2020 und nun steht mit "White Shadows" Album Nummer drei im Regal. Gut Ding will Weile haben, heißt es bekanntlich. Und da man sich musikalisch ebenfalls recht eigenwillig gibt, ist das für die Zielgruppe auch kein Problem. Die Schweden werfen klassischen Heavy Metal, Doom, Progressive Metal und eine ordentliche Portion US-Power Metal in den Topf und würzen das Ganze mit einem deutlichen Achtziger- beziehungsweise Mittneunziger-Flair.

Der schon genannte Opener beginnt zunächst etwas zäh, bevor die Vocals mehr Zug in die Nummer bringen. In der Folge wird jedoch noch fleißig an Riffs, Tempi und Arrangements geschraubt und gedreht und man wirft hier schon von allem etwas in den Ring. Spannend? Durchaus. Vollkommen rund und als Song funktionierend? Nicht unbedingt, denn die vielen guten Ideen wirken noch nicht stringent verknüpft. Deutlich besser funktioniert das folgende 'Islands And Bells'. Doomige Schwere, hoher Gesang und majestätische Riffs erinnern ein wenig an CANDLEMASS, während eine MERCYFUL FATE-artige Düsternis und progressive US-Metal-Einflüsse (wer erinnert sich noch an JACOBS DREAM?) für die nötige Kauzigkeit sorgen. 'Jonah And The Whale' und auch 'Silver Bullet' gehen anschließend kompakter und deutlich zugänglicher zu Werke und gehören zu den stärksten Momenten der Platte. Hier wird deutlich, dass MASTER MASSIVE im Grunde viel mehr Massentauglichkeit haben könnten, wenn sie denn wollten. Wollen sie aber vermutlich nicht.

Klanglich bleibt die Band angenehm erdig und organisch. Der Sound ist daher recht altmodisch, etwas dünn und warm, aber eben extrem passend für das Songmaterial. Eine aktuelle "Mehr-ist-Mehr"-Produktion würde aber auch nicht mit dem Material harmonieren, das einfach von dieser kauzigen Extravaganz lebt und die sich im kompletten Paket widerspiegelt. Denn schaut euch das Cover an: Wer hier nicht an Epic Metal denkt, der hat Epic Metal nie gefühlt.

Folglich sind MASTER MASSIVE definitiv keine Band für den schnellen Nebenbei-Konsum oder die nette Unterhaltung beim Kochen. "White Shadows" braucht mehrere Durchläufe, bleibt bisweilen konsequent sperrig, belohnt die Hörer, die dabeibleiben, aber mit immer neuen Details. Nicht alles sitzt hier perfekt oder ist final auf den Punkt gespielt. Manches wirkt sogar herrlich obskur und bewusst eigenwillig. Niemand kommt hier auf die Idee, etwas mit KI-Sounds zu assoziieren. Das ist alles menschlich und echt. Und ja, genau darin liegt der Charme. Das Septett (!) zieht sein Ding durch und schert sich nicht um neuzeitliche Konventionen. Und ist es nicht genau das, was unser aller Passion ausmacht? Dass Metal echt sein muss, und nicht perfekt?

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Noah's Cross
02. Islands And Bells
03. Jonah And The Whale
04. Blood On The Floor
05. Tantrum Rebellion
06. Silver Bullet
07. White Shadows
Band Website: www.facebook.com/mastermassiveband
Medium: CD
Spieldauer: 49:21 Minuten
VÖ: 10.07.2026

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