Gentle Giant - In A Glass House | |
|---|---|
| Review von Metal Guru vom 09.08.2026 (579 mal gelesen) | |
GENTLE GIANT waren früher, sind jetzt und werden für immer bleiben: eine absolute artistische Ausnahme im ach so fiesen/gemeinen/harten/lauten/prätentiösen Rock'n'Roll-Zirkus. In den gerade mal zehn Jahren ihres Bestehens haben Gary Green (A- und E-Gitarren, Flöte, Gesang, Percussion), Kerry Minnear (Cello, Flöte, Haupt- und Hintergrundgesang, Orgel, Percussion, Piano, Synthesizer, Vibrafon, später auch noch Gitarre), Derek Shulman (Haupt- und Hintergrundgesang, Percussion, Saxofon), Ray Shulman (A-Gitarre, E-Bass, Geige, Gesang, Percussion) und John Weathers (Schlagzeug, später auch noch Gesang, Gitarre, Percussion und Vibrafon) insgesamt zehn Studio-LPs rausgehauen (siehe hierzu auch den nächsten Absatz) und damit die vorzugsweise britische "Progressive Scene" beeinflusst wie keine andere Band jener Zeit. Einen "Götter-Status" wie ihre "Kollegen" ELP, GENESIS, JETHRO TULL oder YES konnten sie indes zu keinem Zeitpunkt - nicht mal ansatzweise! - erlangen. Gründe hierfür gab's gestern/gibt's heute viele, allesamt faaar too much to mention here."In A Glass House" kam 1973 - nach dem debütierenden "Gentle Giant" (1970), der geschmackvollen "Aquiring The Taste" (1971), den freundlichen "Three Friends" (1972) und dem achtstückigen "Octopus" (1972) - raus, beinhaltete sieben (eigentlich nur sechs "richtige") Stücke in 37 Minuten und 45 Sekunden und definierte wie kaum ein anderes Album jener Zeit den zum Teil virtuos-verkopften, selbstverliebten und -süchtigen, künstlerisch-irritiernden, beizeiten anstrengenden Art Rock (= so nannte sich der Progressive Rock damals). Danach folgten noch die gloriös-kraftvolle "Power And The Glory" (1974), die befreiende "Free Hand" (1975), das interessante "Interview" (1976), das anfänglich enttäuschende/mit der Zeit wachsende "The Missing Piece" (1977), der komplett uninspirierte "Giant For A Day" (1978) und schließlich der völlig unterschätze "Civilian" (1980). Aber zurück zu "In A Glass House": Alles (ich wiederhole: ALLES!) an dieser Scheibe war (und IST!) außergewöhnlich: Arrangements und Kompositionen, Cover und Konzept, gesangliche und instrumentelle Leistungen, Produktion und Sound. Ich hab' das Teil hier tatsächlich noch im Original (= mit dem partiell durchsichtigen Außen- und dem teilweise bedruckten Innen-Cover, die beide zusammen den akustischen Inhalt der Platte optisch sehr treffend visualisieren) stehen. Wenn Frau bedenkt, WANN das Teil aufgenommen wurde ('73: no computers, no digital editing, no pre- oder post production), fragt Mann sich gegebenenfalls, WIE die fünf galanten Giganten (plus Ton-Ingineur ) diese Platte eingetütet haben. Gestrichene Celli treffen auf geblasene Flöten treffen auf gefiddelte Geigen, akustische Martins mischen sich mit namenlosen Mandolinen mischen sich mit elektrifizierten Les Pauls, mittelalterliche Minne-Gesänge kanonisieren mit rock'n'rolligen Reibeisen-Shouts, Glockenspiele klingeln gegen hölzerne Marimben klötern gegen stählerne Vibra- beziehungsweise Xylofone, punktgenaue Pauken prallen auf taktische Tambourine, tremolierende Triangeln und triumphierende Trompeten - eine geradezu absurde Masse an live (hallo?!) gespielten Instrumenten (über)fordert selbst des progressivsten Lauschers Ohr. Unnötig zu erwähnen die GENTLE GIANT-typische rhythmische Vielfalt, soll heißen: Vierviertel eher Ausnahme denn Regel. Tatsächlich passiert quasi sekündlich irgendetwas Interessantes/Schräges/Unerhörtes. Also, MEINES Wissens gab's sowas weder vor- noch nachher - von keiner anderen MIR bekannten Band (okay, FRANK ZAPPA came close). Der vorliegende Remix "ersetzt" den alten (= detailreichen/direkten/dynamischen, staubtrockenen/sterilen/studiotechnischen) auf gaaar keinen Fall, sondern fügt ihm quasi eine neue Sicht- beziehungsweise Hörweise hinzu: da mehr Hall, hier mehr Kompression, immer mal wieder veränderte Lautstärke- und Positionierungsverhältnisse und so weiter und so weiter. Ob der aufrechte GENTLE GIANTler/die geneigte GENTLE GIANTlerin diese neue Variante alten Materials nun unbedingt braucht - well, I don't know! Nach dieser etwas längeren Rezi mach ich's jetzt (= Fazit) um so kürzer: Als enthusiatischer/ernsthafter, lebenslanger/leidenschaftlicher, unverhohlener/überzeugter (gestern) Art-, (heute) Progressive Rock-Lover kann ich sowohl GENTLE GIANT (= jener beispiellosen Band) als auch "In A Glass House" (= jenem abenteuerlichen Album - ob nun als '73er-Original oder als '26er-Remix) nur zehn Tropfen verabreichen. Aber gar keine Alternate Takes, gaar keine Live-Shots, gaaar keine Work-In-Progress-Versionen, überhaupt null-nix-nada Zusätze whatsoever machen aus zehn theoretischen leider "nur" neun praktische Tropfen. Ja, klar: Für Hitparadenhörende, Nebenbeikonsumierende oder Tanzwütende ist das hier natürlich nix, aber für alle problemorientierten Progheads ganz sicher eine der eigenständig-individuellsten/künstlerisch-gekonntesten/unnachahmlich-verschwurbelsten Scheiben ever recorded! Gesamtwertung: 9.0 Punkte
| |
| Trackliste | Album-Info |
| 01. The Runaway (7:24) 02. An Inmates Lullaby (4:29) 03. Way Of Life (7:52) 04. Experience (7:47) 05. A Reunion (2:11) 06. In A Glass House (7:40) 07. Index (0:22) | Band Website: Medium: CD, LP, BD Spieldauer: 37:45 Minuten VÖ: 31.07.2026 |
Alle Artikel
GENTLE GIANT waren früher, sind jetzt und werden für immer bleiben: eine absolute artistische Ausnahme im ach so fiesen/gemeinen/harten/lauten/prätentiösen Rock'n'Roll-Zirkus. In den gerade mal zehn Jahren ihres Bestehens haben Gary Green (A- und E-Gitarren, Flöte, Gesang, Percussion), Kerry Minnear (Cello, Flöte, Haupt- und Hintergrundgesang, Orgel, Percussion, Piano, Synthesizer, Vibrafon, später auch noch Gitarre), Derek Shulman (Haupt- und Hintergrundgesang, Percussion, Saxofon), Ray Shulman (A-Gitarre, E-Bass, Geige, Gesang, Percussion) und John Weathers (Schlagzeug, später auch noch Gesang, Gitarre, Percussion und Vibrafon) insgesamt zehn Studio-LPs rausgehauen (siehe hierzu auch den nächsten Absatz) und damit die vorzugsweise britische "Progressive Scene" beeinflusst wie keine andere Band jener Zeit. Einen "Götter-Status" wie ihre "Kollegen" ELP, GENESIS, JETHRO TULL oder YES konnten sie indes zu keinem Zeitpunkt - nicht mal ansatzweise! - erlangen. Gründe hierfür gab's gestern/gibt's heute viele, allesamt faaar too much to mention here.
