Alien - Alien

Review von Stormrider vom 09.07.2026 (642 mal gelesen)
Alien - Alien Man soll ein Album ja bekanntlich nicht nach seinem Cover beurteilen. Im Fall des selbstbetitelten Debüts von ALIEN fällt das allerdings schwer. Im Plattenladen (ja, so was gab's früher mal) hätte ich bei dem Cover jedenfalls nicht direkt zugegriffen. Aber auch der Bandname weckt falsche Erwartungen. ALIEN klingt nach vernichtendem Cybermetal oder doch wenigstens nach kernigem Hard Rock. Stattdessen gibt's auf diesem bereits 1988 erschienenen Debüt überwiegend weichgespülten AOR.

So plätschern der Opener 'Brave New Love' und auch das folgende 'Tears Don't Put Out The Fire' zwar angenehm, aber auch ziemlich ereignisarm dahin. Das ist sauber gespielt, ordentlich gesungen und melodisch völlig okay, aber es zieht die Wurst nicht vom Brot. Mit 'Go Easy' zeigen die Schweden dann, warum sie damals überhaupt Aufmerksamkeit bekommen haben. Der Song baut eine schöne Spannung auf und punktet mit einem starken Gitarrensolo. 'I've Been Waiting' startet zunächst als Ballade mit akuter Käsealarm-Gefahr, und nur ein paar beherzte Gitarrenriffs verhindern, dass der Song komplett in Cheesiness versinkt. Wer aber noch nicht genug der 80er hat und noch viel mehr davon braucht, der wird bei 'Jaimie Remember' sein Herzensglück finden. Breite Synthesizerteppiche, Gesangslinien und Lyrics, die zu Tränen rühren sollen und Gitarren, die sich zwischen den Keyboards irgendwie Gehör verschaffen müssen. Man wartet eigentlich nur noch darauf, dass irgendwo ein schwarzer Trans Am mit roter Lichtleiste in der Motorhaube durchs Bild fährt.

Apropos The Hoff. Wer es noch etwas cineastischer braucht, der hört bitte in 'Wings Of Fire' rein. Der Track beginnt tatsächlich wie das Intro einer vergessenen Baywatch-Folge. Ich sehe vor meinem geistigen Auge David in Zeitlupe bei Sonnenuntergang den Strand entlangjoggen. Leider entwickelt sich daraus nicht viel mehr als gepflegte Belanglosigkeit. Passt also gut zu Baywatch. Was hingegen überraschend gut funktioniert, ist das Cover von 'Only One Woman'. Auch wenn es am Ende trotzdem deutlich hinter den Versionen von THE MARBLES oder den BEE GEES anzusiedeln ist. Und wenn ihr denkt, dass noch ein Klischee fehlen sollte, dann sollt ihr es natürlich auch bekommen. 'Touch My Fire' liefert mit Fire/Desire natürlich noch den Todesreim der Musikgeschichte.

Wer in den 80ern musikalisch sozialisiert wurde und Lust auf einen Nostalgietrip hat, der wird auf "Alien" alles finden, was er liebte. Denn das ganz große Guitar-Hero-Solo darf am Ende genauso wenig fehlen wie die Herzschmerzballade. 'Dreamer' liefert Ersteres, während 'Mirror' das Album mit einer Pianoballade ausklingen lässt. Oft fühlt man sich musikalisch ein wenig an FOREIGNER erinnert. Aber nicht an deren unsterbliche Klassiker, sondern eher an deren B-Seiten. Wirklich schlecht ist das Material nie, wirklich zwingend leider auch nicht. Daher ist "Alien" eher etwas für diejenigen, die das Album damals schon liebten. Und deswegen wird es auch in einer kleinen 500er Auflage wiederveröffentlicht. Wer es haben möchte, sollte also schnell sein.

- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. Brave New Love
02. Tears Don't Put Out The Fire
03. Go Easy
04. I've Been Waiting
05. Jaimie Remember
06. Feel My Love
07. Only One Woman
08. Wings Of Fire
09. Dying By The Golden Rule
10. Touch My Fire
11. Dreamer
12. Mirror
Band Website: www.facebook.com/Alien.Sweden/
Medium: CD
Spieldauer: 49:45 Minuten
VÖ: 19.06.2026

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