Rock Justice - You've Been Served | |
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| Review von baarikärpänen vom 07.07.2026 (428 mal gelesen) | |
Mit den Ambitionen ist es ja so eine Sache. Natürlich braucht man die, um überhaupt was auf die Beine zu stellen, sie können aber auch extrem hinderlich sein und das Endergebnis total verzichtbar machen. Nennt man dann überambitioniert, sich selbst im Wege stehen. Kam mir so in den Sinn, als ich mir "You've Been Served" von ROCK JUSTICE angehört habe. Die haben nun weiß Gott (oder wer auch immer) genügend Ambitionen, aber leider so viele davon, dass man sich nach dem Ende des letzten Songs fragt, was das jetzt eigentlich soll. Dabei machen ROCK JUSTICE nun wirklich keine verfrickelten Prog-Sachen- im Gegenteil, sondern ... na ja, da fängt das mit den Ambitionen wieder an, was eigentlich?Verantwortlich für die Gründung von ROCK JUSTICE ist der Gitarrist Bas Maas, den einige vielleicht noch von AFTER FOREVER kennen. Bei denen konnte Maas mit seinen Songideen irgendwie nie landen, also beschloss er, seine eigene kleine Band aufzustellen. Klar war ihm von vornherein, dass er auf alle Fälle einen Sänger brauchte, der seine Ideen auch umsetzen kann. Problem nur, dass er keinen geeigneten finden konnte. So landete er immer wieder bei Maggie Luyten (unter anderem AYREON) und nachdem er sie dann wieder bei einer AYREON-Albumpräsentation getroffen hatte, stand einer Zusammenarbeit nichts mehr im Wege. Die Richtung, in die es musikalisch gehen sollte, war ebenfalls klar: Rock'n'Roll! Bedeutet hier alles, was gut und heavy ist, aus den 70ern, 80ern, Hard Rock und Heavy Metal. Hört sich interessant an, ist aber genau der Schwachpunkt an "You've Been Served". Aber fangen wir vielleicht mit einem anderen Schwachpunkt an: der Laufzeit dieses Albums. Würde man "You've Been Served" als EP vermarkten, kein Problem. Aber auf ein Debut gerade mal acht Songs zu packen, die mit Ach und Krach die 30-Minuten-Marke knacken, ich weiß ja nicht. Logo, hat SLAYER seinerzeit völlig gereicht, um mit "Reign In Blood" ein Statement zu setzen und alles zu sagen, was zu sagen wäre. Aber ROCK JUSTICE sind nicht SLAYER, und im Gegensatz zu denen legen sie sich auch nicht auf einen Stil fest. Und gerade wenn man sich so breit aufstellt, dann reichen 30 Minuten und acht Songs eben nicht, um so was wie eine Band-DNA ausmachen zu können. Das ist deswegen schade, weil ROCK JUSTICE eigentlich vieles richtig machen und gerade Maggie Luyten so was von zu überzeugen weiß mit ihrer mehr als variablen Röhre. Die ist es dann auch, die einen weiteren Fauxpas gerade noch verhindert, da ROCK JUSTICE tatsächlich mit 'I Just Wanna Make Love To You' einen Coversong ins eh schon nicht üppig vorhandene Material packen. Eine Nummer, die auch gerne mal leicht nach hinten losgehen kann, hier aber durchaus gefällt, dank Maggie Luyten eben. Die anderen sieben Songs lassen sich wohl am besten als "ein bunter Strauß Blumen" einsortieren, von jeder Sorte ein wenig was. Womit wir wieder beim eigentlichen Problem wären. Kinners, versteht mich jetzt nicht falsch, ich finde das, was wir auf "You've Been Served", ähem, serviert bekommen, alles ganz gut. Der straighte Opener 'My Worst Enemy', ein ganz feiner Melodic Metal-Song mit einem coolen Riff, kann durchaus überzeugen. Etwas metallischer noch, aber mit einer sleazy Note, wird's mit 'Rocker's Confession'. Etwas zu balladesk und leider auch etwas cheesy wird es bei 'Rest Of The World', auch wenn Bas Maas hier wieder eine tolle Arbeit an der Gitarre zeigt. Oder der etwas plakativ betitelte Gute-Laune-Rocker 'Chicks Can't Rock', der Spaß macht und vor allem mit seinem Phil Campbell-Gedächtnissolo gefällt. Für mich funktionieren ROCK JUSTICE aber am besten, wenn sie sich voll und ganz dem reinen Heavy Metal zuwenden. Das passiert leider nur beim NWoBHM-inspirierten 'You Know Better' (was für ein tolles Riff!) oder der speedigen Abrissbirne 'Shape Up Or Ship Out', die mal ganz locker zu den Highlights auf den letzten ACCEPT-Scheiben gezählt hätte. Das sagt ja schon eine Menge über die durchaus vorhandene Qualität von ROCK JUSTICE. Und da wäre ja noch die veritable Metal-Hymne 'First In Line' einer Hommage an all die Metal-Helden und eine Erinnerung, immer weiter zu machen. Für 'First In Line' konnten Maas und Luyten die Metal Queen herself, Doro, als Duettpartnerin gewinnen. Der Song selbst in bester Tradition teutonischen Stahls. Gut gemacht! Ebenfalls gut, dass sich Maas von Bassist Nick McGrath hat überreden lassen, den geplanten Drum-Computer in die digitale Wüste zu schicken und stattdessen Drummer Mischa Aussems für die Aufnahmen ins Boot zu holen. Weitere Pluspunkte sind die glasklare Produktion und natürlich das farbenfrohe Cover aus dem Pinsel (?) des brasilianischen Künstlers Khriztian León. Wie gesagt, wäre das hier eine knackig kurze EP mit den Songs 'You Know Better', 'Shape Up Or Ship Out' und 'First In Line', unter diesem Review würde, vor allem wegen der tollen Leistung von Maas und Luyten, eine absolut gerechtfertigte Neun parken. Da sich aber "You've Been Served" wegen der anderen fünf Stücke eher wie ein Gemischtwarenladen anhört, gibt's leider deftige Punktabzüge und es bleiben dann noch siebeneinhalb Zählerchen über. Gut, es ist ein Debut und Maas und Luyten haben natürlich das Recht zu machen, was sie wollen, aber mehr Fokus auf die erwähnten Songs beim nächsten Mal, und aus ROCK JUSTICE könnte in der Tat was Großes werden. Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. My Worst Enemy 02. Rocker's Confession 03. You Know Better 04. I Just Wanna Make Love To You 05. The Rest Of The World 06. Shape Up Or Ship Out 07. Chicks Can't Rock 08. First In Line | Band Website: www.facebook.com/rockjustice.band Medium: CD, LP, Digital Spieldauer: 30:24 Minuten VÖ: 26.06.2026 |
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Mit den Ambitionen ist es ja so eine Sache. Natürlich braucht man die, um überhaupt was auf die Beine zu stellen, sie können aber auch extrem hinderlich sein und das Endergebnis total verzichtbar machen. Nennt man dann überambitioniert, sich selbst im Wege stehen. Kam mir so in den Sinn, als ich mir "You've Been Served" von ROCK JUSTICE angehört habe. Die haben nun weiß Gott (oder wer auch immer) genügend Ambitionen, aber leider so viele davon, dass man sich nach dem Ende des letzten Songs fragt, was das jetzt eigentlich soll. Dabei machen ROCK JUSTICE nun wirklich keine verfrickelten Prog-Sachen- im Gegenteil, sondern ... na ja, da fängt das mit den Ambitionen wieder an, was eigentlich?
