Albion - It Was The Month Of May I | |
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| Review von baarikärpänen vom 16.06.2026 (580 mal gelesen) | |
Ich schätze durchaus den Ansatz vieler Bands, die Metal oder rockige Klänge mit Folk verbinden. Gerade in Kneipen, auf Festivals stößt vieles davon auf offene Ohren. Und ganz ehrlich: Wer in fröhlicher Runde ein paar Gläser heben will, der braucht dazu garantiert nicht CANNIBAL CORPSE. Alles schön und gut soweit? Leider nein! Ich möchte vielen Truppen ihren künstlerischen Anspruch nicht absprechen, aber gerade in der Kombination Metal/Folk ist vieles Kalkül. Manches sogar so ärgerlich, dass es im ZDF-Fernsehgarten auftreten darf. Wer's braucht, ok. Aber wenn ich mich wirklich in einem Album zwischen rockigen Klängen und Folk geradezu verlieren will, ein Album in das man förmlich eintauchen kann, welches einen auf eine Reise mitnimmt, dann braucht es schon andere Kaliber. Und ein solches sind die Briten ALBION.ALBION existieren bereits seit 2019 und haben sich von Beginn an dem Erhalt von Folksongs und Folklore, speziell der der britischen Insel, verschrieben. Das bedeutet bei dieser Band aber nicht, dass hier alter Wein in neue Schläuche verpackt wird, auch wenn sich hin und wieder einige Traditionals auf den Veröffentlichungen finden. ALBION nehmen diese Folklore als Grundlage, um daraus neue, spannende und vor allem wunderschöne neue Songs zu erschaffen. Ein großer Verdienst vor allem von Joe Parrish-James, immerhin ausgestattet mit einem Abschluss in klassischer Komposition vom London College Of Music. Kurz nachdem Joe ALBION mit Gitarrist Jack Clark gründete, verpflichteten JETHRO TULL ihn 2020 als neuen Gitarristen, eine Position die er bis 2024 inne hatte, bevor ihn sein Freund Jack Clark ablöste. Mehr Zeit für ALBION also. 2021 erschien die EP "Pryderi" (hier das Review), 2024 dann das Debüt "Lakesongs Of Elbid", das ich ebenfalls wirklich jedem wärmstens ans Herz legen möchte. Mit "Lakesongs Of Elbid" fiel es mir dann auch leicht, die Verknüpfung zu einer anderen britischen Band herzustellen, die musikalisch eher weniger mit ALBION zu tun hat, aber so was wie Brüder im Geiste sind: WYTCH HAZEL. Diese "Spiritualität" im Songwriting verbindet Colin Hendra mit Joe Parrish-James und die ist es auch, die das neue Album "It Was In Th Month Of May I" wieder zu etwas ganz besonderem macht. Da ist es geradezu schade, dass man ALBION wirklich nur selten auf dem europäischen Festland sehen darf. Vor allem auch, weil Auftritte der Band wirklich zum einen musikalisch großartig, zum anderen recht spaßig sind. Aber wer weiß, vielleicht ändert das neue Scheibchen ja was und ALBION wagen öfters mal den Sprung über den Kanal. Wer sein Album im Mai veröffentlicht, der darf es natürlich auch gebührend und passend beginnen, was ALBION mit 'Mis Mai' machen. Der Text des Stücks stammt nicht aus der Feder von Joe Parrish-James sondern vom walisischen Dichter Daffyd ap Gwylim, einem der größten Poeten des Mittelalters in Europa. Fun Fact: Der gute Dafydd hatte durchaus auch seine schlüpfrige Seite, so ist eines seiner bekanntestetn Gedichte "A Poem in Praise of the Penis" betitelt. 'Mis Mai' ist allerdings einzig und allein dem Monat Mai gewidmet und feiert den herannahenden Sommer. Und wie Joe Parrish-James diese "Feier" musikalisch umsetzt, ist wieder mal bemerkenswert und vor allem schön. Elektrische Instrumente sind hier zwar Fehlanzeige, hätten für mein Empfinden bei diesem feinen Opener auch gestört. Aber don't fear, schon das direkt nachfolgende 'The Green Knight' fährt die geballte Power der ganzen Band auf. Bei Joe Parrish-James und seiner musikalischen Vergangenheit konnte man es fast erwarten, dass TULL-typische Querflötenklänge integriert werden. Die gefallen mir hier aber deutlich besser wie bei TULL. Gelungen auch die fast schon postrockigen Gitarren an vereinzelten Stellen, die den Sound bereichern. Klug auch, dass Parrish-James seine Schwester Rhiannon Parris-James für den Backgroundgesang mit ins Boot geholt hat. 'Down With The Hero' ist für mich der "folkigste" Song auf "It Was In The Month Of May I", zeigt aber gleichzeitig auch, wie wichtig die richtigen Musiker für diese Art von Musik sind. Was Bassist Peter Szypulski und Drummer Ollie Medlow zum Gelingen der Scheibe beitragen, sollte nicht unerwähnt bleiben. 'Eldest (Tom Bombadil)", auch die erste Singleauskopplung, macht besonders schön deutlich, was für ein toller Songwriter Joe Parrish-James ist. Eigentlich ist bei diesem an sich schon fast simplen folkigen Song nach vier Minuten der Drops gelutscht, aber da kommen weitere vier Minuten, die die Geschwindigkeit zunächst anziehen und allen vier Musikern die Gelegenheit zur "Entfaltung" bieten, bevor das Grundthema des Songs im letzten Viertel wieder aufgegriffen wird, zunächst dramatisch zum Höhepunkt, um leise auszuklingen. 'She Is The River (Goldberry)' ist dann wieder ein rein akustisch gehaltener Song, der mich in Teilen gar an BLACKMORE'S NIGHT erinnert. Ein wenig mystisch wird es dann mit 'Hymn To Elbereth', dessen Text vom Meister des Fantastischen himself stammt, J.R.R. Tolkien. Schön, wie Parrish-James das musikalisch umgesetzt hat. Weiter geht es recht ruhig und ich bin mir nicht sicher, ob Joe Parrish-James es beabsichtig hat oder ob er den Vergleich nicht nachvollziehen kann, aber 'Cherry Hill (Maya II)' lässt mich an die ganz ruhigen und verträumten Stücke denken, die Paul Simon für SIMON & GARFUNKEL verfasst hat. Gefühlskino sozusagen. 'Calan Mai', mit über zehn Minuten gleichzeitig der längste Track des Albums, bündelt all das, was ALBION auszeichnet. Verträumte Parts, Emotionen, gleichzeitig gibt es hier in Teilen die härtesten Riffs des gesamten Albums zu hören. Müßig zu erwähnen, dass das hier alles so produziert wurde, wie es sich für ein solch schönes Album gehört. Was aber erwähnt werden muss ist das tolle Artwork, das kein geringerer als Travis Smith nach Vorgaben der Band angefertigt hat und das alleine schon die Anschaffung auf Vinyl rechtfertigt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger "Lakesongs Of Elbid" ist "It Was In The Month Of May I" kürzer ausgefallen, vor allem aber wesentlich ruhiger, reduzierter. Das tut der Klasse des Materials aber keinen Abbruch. ALBION hätten es sich ja leicht machen können und das Konzept von "Lakesongs Of Elbid" auch für das neue Album einfach übernehmen können. Ob dann aber solch ein schönes und verträumtes Werk herausgekommen wäre, darf bezweifelt werden. Auch wenn das Elektrische auf "It Was The Month Of May I" deutlich zurückgefahren wird, etabliert es ALBION trotzdem als Speerspitze für ehrlichen und vor allem ernstgemeinten Folk Metal, der dennoch mit dem nötigen Augenzwinkern versehen ist. Bezeichnet man die Kanadier VOIVOD gerne als "Thinking man's metal", dann sollte, ja muß man sogar, ALBION als "Sophisticated man's Folk" bezeichnen. Was bleibt ist die Empfehlung, sich eine Kopie von "It Was The Month Of May I" schnellstmöglich auf Bandcamp zu sichern. Von meiner Seite aus gibt es neun Punkte für dieses träumerisch schöne Stück Musik. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Mis Mai 02. The Green Knight 03. Down With The Hero 04. Eldest (Tom Bombadil) 05. She Is The River (Goldberry) 06. Hymn To Elbereth 07. Cherry Hill (Maya II) 08. Calan Mai | Band Website: www.facebook.com/albionofficialuk/ Medium: CD, LP, digital Spieldauer: 52:01 Minuten VÖ: 27.05.2026 |
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Ich schätze durchaus den Ansatz vieler Bands, die Metal oder rockige Klänge mit Folk verbinden. Gerade in Kneipen, auf Festivals stößt vieles davon auf offene Ohren. Und ganz ehrlich: Wer in fröhlicher Runde ein paar Gläser heben will, der braucht dazu garantiert nicht CANNIBAL CORPSE. Alles schön und gut soweit? Leider nein! Ich möchte vielen Truppen ihren künstlerischen Anspruch nicht absprechen, aber gerade in der Kombination Metal/Folk ist vieles Kalkül. Manches sogar so ärgerlich, dass es im ZDF-Fernsehgarten auftreten darf. Wer's braucht, ok. Aber wenn ich mich wirklich in einem Album zwischen rockigen Klängen und Folk geradezu verlieren will, ein Album in das man förmlich eintauchen kann, welches einen auf eine Reise mitnimmt, dann braucht es schon andere Kaliber. Und ein solches sind die Briten ALBION.
