Gravvålnad - Dreams of Evernight

Review von Zephir vom 16.06.2026 (499 mal gelesen)
Gravvålnad - Dreams of Evernight Hier kommt die Dunkelheit. Kommt sie aus Mordor, aus Shadowfell - oder doch einfach aus Schweden? Das Ein-Mann-Projekt GRAVVÅLNAD präsentiert auf dem Debüt "Dreams Of Evernight" eine schwarze Ambient-Gemengelage, die abgerückt vom klassischen Black Metal in eine atmosphärische Himmelsrichtung marschiert, wie sie ähnlich auch SUMMONING, EMYN MUIL oder CALADAN BROOD beschritten haben. Ob die Inspiration tatsächlich, wie von mir vermutet, aus dem Fantasy-Genre stammt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber wer nur einen Blick auf die Tracktitel wirft, wird bei Archetypen wie 'Eyes Of The Red Temple', 'Riders Of The Black Moon' oder 'Cursed Sword' diese Assoziationen teilen.

Die Grundstimmung von "Dreams Of Evernight" ist rau und schroff. Anders als beispielsweise ELDAMAR bewegt sich GRAVVÅLNAD keineswegs in verträumten Elbenklanglandschaften, sondern lässt dumpfe Marschtrommeln schlagen und donnernde Hufe im Galopp dröhnen. Dazu gibt es gefolterte Screams, die durch Mark und Bein gehen - so suizidär kenne ich das von den oben genannten Bands nicht - und epische Background-Vocals, die mal archaisch und monumental, mal leicht gregorianisch daherkommen. Zu den roh produzierten, aber durchaus melodisch komponierten Riffs mischt sich ein gewisser Vibe von Dungeon Synth, der auch bei GRAVVÅLNAD diese typische hypnotische Wirkung hat.

Plötzliche Tonartwechsel, wie sie im letzten Drittel von 'Steps Of The Mountain Tower' vollzogen werden, angedeutete Flöten-Einsprengsel oder die neo-klassizistische Orchestrierung im Interlude 'Riders Of The Black Moon' verstärken den soundtrackähnlichen Charakter des Albums. Der Experimentierfreude des Masterminds, der für alle (synthetischen) Instrumente und Sounds verantwortlich zeichnet, sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Dass ein Einzelner hinter der Instrumentierung steht, legt natürlich deren synthetischen Ursprung offen, aber das ist in diesem Genre ja nichts Ungewöhnliches. Die anno 2026 erreichte Grenzenlosigkeit der kompositorischen und interpretatorischen Möglichkeiten soll die Wirkung von "Dreams Of Evernight" nicht schmälern, denn alle Effekte sind hier sehr bewusst eingesetzt und zumindest im Großteil der Platte so reduziert, dass dieser schwarze Soundtrack nicht überfrachtet wird, sondern einfach nur reinhaut.

Für Black Metal-Puristen ist "Dreams Of Evernight" natürlich nichts. Wer hingegen gern in epischen Klanglandschaften versinkt, keine Angst vor Screams direkt aus den Folterkellern Angbands hat und zudem auch Synthie-Klängen wohlgesonnen ist, der sollte einmal reinhören.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. The Return Of 12 Ships
02. Steps Of The Mountain Tower
03. Eyes Of The Red Temple
04. Riders Of The Black Moon
05. Cursed Sword
06. Arrows Of Evernight
07. Hill Of Sorcery And Black Flames
Band Website:
Medium: CD, LP
Spieldauer: 46:24 Minuten
VÖ: 06.06.2026

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