Devin Townsend - The Moth | |
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| Review von Opa Steve vom 14.06.2026 (546 mal gelesen) | |
Uff. Das ist meine erste Reaktion auf "The Moth". Und egal, welche Gefühle der Hörer nach dem ersten Durchlauf dieses Mammutwerks spüren wird, eins wird nicht dabei sein: Gleichgültigkeit. Was Devin hier in der ungefähren Maximalspiellänge einer CD abliefert, ist nicht nur musikalisch eine Reise durch unerforschte Gebiete. Sondern auch emotional und sehr persönlich ein tiefer Einblick in die faszinierende Gedankenwelt des Kanadiers. Die groben Ideen von "The Moth" hatte Devin schon vor zehn Jahren im Kopf und das Konzept schien ihm wie das Konzept seines Lebens. Man durchläuft die Metamorphose, wird vom Licht angezogen, verbrennt und steht gleichzeitig mit seiner unsterblichen Seele und der physischen Existenz in Kontakt. Klingt bizarr? Natürlich. Ob philosophisch, metaphysisch oder einfach nur dezent durchgeknallt, das muss jeder selbst entscheiden. Nicht umsonst gibt es zwei Lyric-Sheets zu den jeweiligen Songs. Nämlich die Lyrics des realen Ichs, dazu Lyrics der Seele, des Paralleluniversums, des Zeitsprungs, der Zeitlosigkeit oder whatever. Bezeichnet als "Afterlife". Es wäre ja zu einfach, wenn Devin dies so erklären würde, dass man interpretationsfrei dem Konzept folgen kann. Meist haben die Afterlife-Vocals nicht viel beizutragen und sind voller "Aaaahhhs", "Ooooohs" oder "Day, day, day oh. Dm day, dm day, nine, nine, nine, nine, nine, nine" - klar so weit? Die Lyrics der Life-Rolle haben zwar mehr Prosa, sind aber auch keineswegs einfacher zu begreifen: "Show us all, show us all, show us all (50 gigawatt), show us all (60 gigawatt), human falling to the grey. I've been living through your pain! Rise ... rise ... rise ... rise ... rise ... rise!!" Und gelegentlich taucht in den Lyrics auch einfach mal Chinesisch auf. Damit dürfte das Umfeld schon mal ausreichend abgesteckt sein. Kommen wir jetzt zur Musik. Die ist nicht minder ausufernd und stilistisch rätselhaft. DEVIN TOWNSEND war schon immer Grenzgänger zwischen den Genres, aber "The Moth" wirkt so unglaublich opulent. Nicht nur durch die sinfonischen Arrangements mit dem niederländischen Orchester. Sondern auch durch die Songs an sich. Mal ist es Oper, mal ist es Musical, mal Filmscore. Manchmal erinnern die Tracks an die Revue-Einlagen in Filmen aus den 50er Jahren. Die klassische Bandinstrumentierung hält sich sehr zurück und das Orchester hat definitiv eine tragende Rolle in dem Werk. Die Scheibe hat dazu eine gigantische Dynamik. Von leise gehauchten Vocals bei zarten Streichern bis zum typischen Townsend-Lärmausbruch ist alles dabei. Einige wenige Titel hätte man auch auf "Terria" verorten können und sie haben die vertraute Wucht mit fetten Gitarrenwänden, die auch hier allerdings den Orchesterstimmen Platz einräumen. Zu den Titeln gehören 'War Beyond Words' und 'A Proxy For God'. 'Enter The City' und 'Prepare For War' erinnern dagegen in Teilen an die vertraute Durchgeknalltheit auf "Deconstruction". Das sind die Momente, wo man ganz klar die Handschrift des Meisters erkennt und Vergleiche ziehen kann. Und seine Stimme ist natürlich unter Hunderten sofort identifizierbar. Aber die Mehrheit dieser 24 Titel sind Wanderer zwischen den Welten, ungewohnt und stilistisch so grenzenlos angesiedelt, wie es Devin bis dahin vermutlich nie war. Zwischendurch erkennt man auch auf Anhieb die vertraute Stimme von Anneke van Giersbergen, die mit Devin auch auf dieser Scheibe wieder eine tragende künstlerische Symbiose eingegangen ist. Einzelne Songs hervorzuheben ist völlig unmöglich, da fast jeder Titel so wilde Sprünge macht und seine Geschichte erzählt, dass es unglaublich schwerfällt, sich auch nach einigen Hördurchgängen zu orientieren, an welchem Song man gerade dran ist. Das Schema mit Strophen, Parts, Bridges, Refrains ist auf "The Moth" quasi ausgehebelt. Wie soll man diese Scheibe bewerten? Ich fühle mich dazu nicht in der Lage. Es hat mit Metal in seinen vielfältigen Spielarten nur am Rande zu tun. Die Scheibe ist experimenteller, als man es selbst von Devin erwarten würde. Die Zugriffe auf musikalische Erzählstile wie Oper, Musical oder Revuefilm stellen die Toleranz eines Durchschnittsrockers auf eine harte Probe. Ob die Musik einem Musikwissenschaftler als hochwertig vorkommen würde, kann ich nicht sagen. Sie ist beeindruckend und intensiv. So viel steht fest. Ob sie mir deswegen gefällt ... da bin ich noch überfordert. - ohne Wertung - | |
| Trackliste | Album-Info |
| 01. Semi-prologue 02. War Beyond Words 03. The Moth 04. Ode To My Eye 05. Enter The City 06. Covered By Causes 07. Lexin 08. Runaways 09. A Proxy For God 10. The Mothers 11. Orion 12. Stay There 13. Home At Night 14. Intermission 15. Lexin Returns 16. The Clergy 17. Prepare For War 18. The Big Snit 19. Silver Princess 20. A Life In Review 21. Metamorphosis 22. Stained Hearts 23. Let Go 24. We Dont Deserve Dogs | Band Website: www.hevydevy.com Medium: CD, LP Spieldauer: 70:14 Minuten VÖ: 29.05.2026 |
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Uff. Das ist meine erste Reaktion auf "The Moth". Und egal, welche Gefühle der Hörer nach dem ersten Durchlauf dieses Mammutwerks spüren wird, eins wird nicht dabei sein: Gleichgültigkeit. Was Devin hier in der ungefähren Maximalspiellänge einer CD abliefert, ist nicht nur musikalisch eine Reise durch unerforschte Gebiete. Sondern auch emotional und sehr persönlich ein tiefer Einblick in die faszinierende Gedankenwelt des Kanadiers. Die groben Ideen von "The Moth" hatte Devin schon vor zehn Jahren im Kopf und das Konzept schien ihm wie das Konzept seines Lebens. Man durchläuft die Metamorphose, wird vom Licht angezogen, verbrennt und steht gleichzeitig mit seiner unsterblichen Seele und der physischen Existenz in Kontakt. Klingt bizarr? Natürlich. Ob philosophisch, metaphysisch oder einfach nur dezent durchgeknallt, das muss jeder selbst entscheiden. Nicht umsonst gibt es zwei Lyric-Sheets zu den jeweiligen Songs. Nämlich die Lyrics des realen Ichs, dazu Lyrics der Seele, des Paralleluniversums, des Zeitsprungs, der Zeitlosigkeit oder whatever. Bezeichnet als "Afterlife". Es wäre ja zu einfach, wenn Devin dies so erklären würde, dass man interpretationsfrei dem Konzept folgen kann. Meist haben die Afterlife-Vocals nicht viel beizutragen und sind voller "Aaaahhhs", "Ooooohs" oder "Day, day, day oh. Dm day, dm day, nine, nine, nine, nine, nine, nine" - klar so weit? Die Lyrics der Life-Rolle haben zwar mehr Prosa, sind aber auch keineswegs einfacher zu begreifen: "Show us all, show us all, show us all (50 gigawatt), show us all (60 gigawatt), human falling to the grey. I've been living through your pain! Rise ... rise ... rise ... rise ... rise ... rise!!" Und gelegentlich taucht in den Lyrics auch einfach mal Chinesisch auf. 