Lex Legion - Lex Legion | |
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| Review von baarikärpänen vom 11.06.2026 (580 mal gelesen) | |
Es sind diese köstlichen Momente, die einem irgendwie in die Hirnrinde tätowiert sind. Wir schreiben das Jahr 1985, ich sitze mit einem Bekannten in seinem umgebauten Bauwagen bei einem Bierchen. Mitgebracht hab' ich meinen neuesten Zugang auf Vinyl (den ich am Nachmittag gleich mal auf Tape kopiert habe). Also Kassette in den Player, mein Bekannter bangt begeistert mit, reckt den Daumen nach oben, sagt was von "Klasse Gitarristen"... und dann kommt der Gesang! Ehrlich, ich habe in all den Jahren seither nie mehr gesehen, wie sich ein Gesichtsausdruck in dieser Geschwindigkeit von begeistert zu absolut erschrocken gewandelt hat. Der Grund dafür: 'A Dangerous Meeting' von MERCYFUL FATE.Bei all der unbestrittenen musikalischen Klasse von MERCYFUL FATE oder dem Nachfolger KING DIAMOND, an der Stimme des Kings haben sich und werden sich auch immer die Geister scheiden. Die einen können gar nicht genug davon bekommen, andere nehmen immer noch Reißaus. Das war 1985 so und ist es auch noch 2026. Und jetzt dann trotzdem mal Hände hoch, wer schon seit Ewigkeiten auf was Neues aus dem Hause Kim Bendix Petersen wartet. Mal kurz durchzählen. Aha, sind ja doch eine Menge. Nur, da kommt leider nichts. Der King wird auch nicht jünger und hatte auch so seine Probleme mit der Gesundheit. Trotzdem war es die letzte Tour, die ja noch gar nicht sooo lange her ist, die dafür sorgt, dass viele geradezu mit den Hufen scharren und endlich neues Material haben wollen. Denen - und vor allem denjenigen, die die Musik immer mega fanden, aber mit der Stimme nix zu tun haben wollten - kann jetzt geholfen werden. Und das ist wirklich "Hilfe" aus dem allerobersten Qualitätsregal. LEX LEGION, so der Name dieser, man kann es wirklich mal so nennen, Supergroup, mit Schlagzeuger Mikkey Dee, den Gitarristen Pete Blakk und Andy La Rocque sowie Bassist Hal Patino vier Fünftel der klassischen KING DIAMOND-Besetzung Ende der 80er Jahre. Dazu gesellt sich mit Goldkehlchen Nils K. Rue (PAGAN'S MIND) ein Sänger, der eigentlich jedem Metaller mit Hang zu purem Heavy Metal zusagen sollte. Die Grundidee zur Band stammt von Dee und Blakk und hatte satte 25 Jahre Zeit zur Reife, später stießen dann Patino und La Roque dazu, schlussendlich Nils K. Rue. Zur Entstehung des selbstbetitelten Debüts sagt Mickey Dee: "Das Album "Lex Legion" ist ganz so entstanden, wie wir auch in den 80ern dachten. Wir haben damals geschrieben, was wir wollten, und wenn es euch gefallen hat, war das ein toller Bonus. Wenn es euch nicht gefallen hat, war das für uns auch in Ordnung!" Und ganz ehrlich, beweisen müssen die Herren ja keinem mehr etwas. Genau das hört man dem Album dann auch an. Hier sind Musiker, die sich ihrer Geschichte bewusst sind, aber mit nunmehr vier Dekaden mehr auf dem Buckel, also jeder Menge Erfahrung, wissen was sie wollen. Dass Dee, Blakk, Patino, La Roque und Rue nicht den einfachen Weg gewählt haben (massentaugliches Songmaterial), darf man ihnen hoch anrechnen und es trägt auch wesentlich zum mehr als positiven Gesamteindruck bei. Schauen wir uns also "Lex Legion" mal genauer an und beginnen mit dem größten Kritikpunkt: der Albumlänge! Zieht man das abschließende Instrumental 'Far Away' mal ab, bleiben gerade mal etwas mehr als 31 Minuten über. Logo, Dee und die anderen Herren sind ja durchaus anderweitig sehr beschäftigt, aber nach 25 Jahren Planung etcetera von LEX LEGION hätte es schon das ein oder andere Stück mehr auf's Album schaffen dürfen. Wer weiß, vielleicht ist das aber auch ein geschickter Schachzug in Zeiten von Streaming, Spotify und Konsorten, wenn die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs mittlerweile schon länger ist als die vieler Musikhörer. Weniger ist also mehr? Na ja, Meckern auf hohem Niveau und so. Weitere acht Songs verteilen sich auf die verbleibenden 31 Minuten und jeder einzelne davon entschädigt. 'Sleep Eternally', gleichzeitig auch die erste Singleauskopplung und das Video haben die meisten wohl schon gesehen, eröffnet den bunten Reigen. Und sofort ist es wieder da, dieses besondere Feeling, was man sofort nach "Fatal Portrait", "Abigail" oder "Them" hatte (auf Letztgenanntem ist die Besetzung identisch mit der von "Lex Legion", abzüglich King Diamond natürlich). Von MERCYFUL FATE inspiriert, aber mit einer ganz eigenen Note versehen. Auch wenn Rue zu Beginn des Songs den King gibt, führt er auf eine falsche Fährte. Nils K. Rue begeht erst gar nicht den Fehler, hier zur Imitation zu verkommen. Dafür kann der Mann einfach zu viel, um niveaumäßig so abzusinken, und hat das auch gar nicht nötig. 'Sleep Eternally' macht aber auch schnell klar: Wer geradliniges Songwriting erwartet, den enttäuschen LEX LEGION. Dieses fast schon progressive, die stetigen Wandlungen, waren ja auch eines der Qualitätsmerkmale bei KING DIAMOND. Und wie wir ja wissen, spielen hier vier Fünftel der damaligen Besetzung, die allesamt in die Entstehung der Alben jener Zeit involviert waren. Man hört aber wirklich, dass sich alle musikalisch nochmals gesteigert haben in all den Jahren. Vor allem Mickey Dee dürfte jede Menge Spaß gehabt haben. Entgegen der doch eher straighten Ausrichtung seiner früheren und jetzigen Arbeitgeber kann er hier so richtig zaubern. Einfach mal in 'When The Stars Align' reinhören, ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Bei aller Komplexität halten sich LEX LEGION glücklicherweise zurück und anstatt ausufernder Songs ist hier alles sehr kompakt gehalten. Dennoch genug Raum für La Rocque und Blakk, um riff- und solomäßig zu glänzen. Auf diesem Album ist wirklich alles wie aus einem Guss, was die gehobene Qualität angeht, aber wenn man ein Stück wirklich herausheben möchte, dann fällt die Wahl unweigerlich auf 'Darkness', welches sich zu Beginn tatsächlich an CANDLEMASS orientiert, auch wenn ab circa Mitte des Songs die Geschwindigkeit rapide angezogen wird. Spannender Track und für mich ein echtes Highlight auf "Lex Legion". Perfekt in Szene gesetzt wurde das alles übrigens von Andy La Rocque. Wem die Wartezeit also langsam zu lang wird, bis der King mal aus dem Quark kommt, der greift unbedingt zu LEX LEGION. Logischerweise klingt hier viel nach KING DIAMOND, aber es ist eben nicht einfach eine Kopie, sondern etwas Eigenständiges. Und weil Nils K. Rue eine absolut tolle Leistung abliefert, die wirklich keinen abschrecken dürfte (im Gegensatz zur gesanglichen Darbietung von King Diamond), ist "Lex Legion" ein Album geworden, das im besten Sinne des Wortes massenkompatibel ist. Leichte Abzüge gibt es wegen der doch sehr kurzen Spielzeit, aber es bleiben am Ende eben doch satte achteinhalb Punkte. Wollen wir nur hoffen, dass LEX LEGION kein Kurzzeitprojekt geworden ist, sondern vielleicht sogar die Bühnen dieser Welt beehrt. Gesamtwertung: 8.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Sleep Eternally 02. Gypsy Tears 03. When The Stars Align 04. (I Am) The Resurrected 05. Lost Inside 06. Darkness 07. Saviours 08. Life Eternal 09. Far Away | Band Website: www.facebook.com/OfficialLexLegion Medium: CD, LP Spieldauer: 34:39 Minuten VÖ: 12.06.2026 |
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Es sind diese köstlichen Momente, die einem irgendwie in die Hirnrinde tätowiert sind. Wir schreiben das Jahr 1985, ich sitze mit einem Bekannten in seinem umgebauten Bauwagen bei einem Bierchen. Mitgebracht hab' ich meinen neuesten Zugang auf Vinyl (den ich am Nachmittag gleich mal auf Tape kopiert habe). Also Kassette in den Player, mein Bekannter bangt begeistert mit, reckt den Daumen nach oben, sagt was von "Klasse Gitarristen"... und dann kommt der Gesang! Ehrlich, ich habe in all den Jahren seither nie mehr gesehen, wie sich ein Gesichtsausdruck in dieser Geschwindigkeit von begeistert zu absolut erschrocken gewandelt hat. Der Grund dafür: 'A Dangerous Meeting' von MERCYFUL FATE.
