Abrogation - Widerschein

Review von ReviewRalle vom 17.05.2026 (705 mal gelesen)
Abrogation - Widerschein Na da schau mal einer an, als riesiger Melodic Death Metal-Fan habe ich nicht schlecht staunen müssen, als mir ABROGATION mit "Widerschein" in die Hände fiel, da ich davon ausging, es mit einer frischen, neuen Kapelle zu tun zu haben, aber stattdessen gibt es das Fünfergespann bereits seit 1995 und "Widerschein" ist bereits das siebte Album der Band. Dennoch ist "Widerschein" auch irgendwo ein Comeback, liegen zwischen dem neuen Album und dem Vorgänger "Urstant" immerhin zehn Jahre. Das Line-up ist bis auf den neu hinzugestoßenen Gitarristen Kutte (TARABAS) noch das gleiche. Schön, dass sich das Line-up trotz der langen Pause halten konnte.

Auf "Widerschein", welches am 10.04.2026 auf die Menschheit losgelassen wurde, gibt es deutschsprachigen Melodic Death Metal auf die Ohren, dem ein dezenter märchenhafter Charme beiwohnt. Das Artwork sticht auf jeden Fall aus der Menge hervor und hat sicherlich auch einen tieferen Sinn, der sich mir aber nicht erschließen mag, cool ist es wegen seiner Andersartigkeit aber ohne Frage. Die zehn Songs kommen zusammen auf eine Laufzeit von über 48 Minuten und bis auf das einminütige Intro 'Anbeginn' gibt es keine Lückenfüller, Interludes oder Outros.

Dass die Band keine Neulinge sind, macht das sehr atmosphärische Intro direkt klar, dass der Übergang in das erste richtige Stück 'Puppenspieler' fließend ist, steht also außer Frage. 'Puppenspieler' startet mit satten Gitarren und stampfenden Drums und lädt direkt zum Headbangen ein. Mit dem Einstieg des Sängers wird auch das Tempo angezogen. Sänger Benny macht eine fantastische Figur, passend zum eingangs erwähnten märchenhaften Charme ist seine Performance entsprechend ausdrucksstark und bisweilen theatralisch.

'Kleiner Mann' klingt nach deutlich klassischerem Melodic Death Metal und geht auch etwas derber nach vorne als 'Puppenspieler', ein schöner Kontrast. Die Leadgitarren gehen gut ins Ohr und auch die gelegentlichen Akzente an den Becken und der Hi-Hat machen was her. Dass der Gesang genial ist, ist nach dem ersten Song bereits zu erwarten.

Episch beschreibt das folgende und bisweilen düstere 'Morgenrot' sehr gut. Der Einsatz von Streichern gibt dem Melodic Death Metal eine schicksalsschwangere Atmosphäre, passend zum Songnamen. Der Refrain ist großartig und hallt auch nachträglich noch nach, aber hört selbst:


Der Einstieg von 'Der Nimmersatt' baut ordentlich Spannung auf, was durch die theatralischen Vocals nur noch mehr unterstützt wird. Das anfänglich gedrosselte Tempo wird durch einen kurzen, aber knackigen Blast Beat aufgebrochen und dann nimmt das Lied gut Fahrt auf und groovt wie eine Dampfwalze über einen Hinweg.

Überraschend, aber nicht weniger passend erklingt eine schöne Frauenstimme (Jyl) im Refrain von 'Spieglein, Spieglein' und sorgt in der Mitte des Albums für einen gut platzierten Stimmungswechsel. Wäre schade, wenn Jyls wunderbarer Gesang nur einmal zum Einsatz kommt, oder? Das dachten sich auch ABROGATION und haben Jyl noch auf 'Aus Einem Hab Ich Zwei Gemacht' und 'Die Letzte Sinfonie' als Gastsängerin dabei und auch diese beiden Stücke werden durch ihren Gesang noch weiter aufgewertet.

Mit einem schmissigen Solo ausgestattet kommt 'Nur Weil Ich Es Sag' daher und ist sonst auch wieder ein guter, eher klassischer Melodic Death Metal-Song.

'Gegenwind' beginnt mit wunderbar melodischer Gitarrenarbeit und kostet diese auch lange aus, bevor sich Bennys starke Vocals dazugesellen. Im Mittelteil wartet ein gutklassiges, melodisches Solo auf einen und die wiederkehrenden Doublebass-Attacken sitzen hervorragend.

Mit 'Die Letzte Sinfonie' wird das eh schon gute Album mit dem stärksten Song beendet und mehr als würdig abgeschlossen. Der sinfonische Beginn erzeugt eine dichte, beklemmende Atmosphäre, die sich schön steigert und intensiviert. Wenn sich dann das an Marschtrommeln erinnernde Schlagzeug dazugesellt, lässt das Donnerwetter nicht mehr lange auf sich warten. Mächtige Riffs treffen auf ein donnerndes Schlagzeug und diesen wirklich starken Gesang und auch die Tempowechsel gehen fließend ineinander. Eine Perle des Genres.

Zu guter Letzt verdient auch die Produktion ein Lob, der Sound ist sehr hochwertig, aber besitzt dabei trotzdem eine angenehme, rohe Note, die der Musik den nötigen Druck und Rotz verleiht.

ABROGATIONs Melodic Death Metal ist gleichermaßen klassisch wie einzigartig und kreiert damit einen sehr eigenständigen, aber dennoch vertrauten Sound. Hört unbedingt rein, es lohnt sich.

8/10


Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Anbeginn
02. Puppenspieler
03. Kleiner Mann
04. Morgenrot
05. Der Nimmersatt
06. Spieglein, Spieglein
07. Nur Weil Ich Es Sag'
08. Aus Einem Hab Ich Zwei Gemacht
09. Gegenwind
10. Die Letzte Sinfonie
Band Website: www.abrogation.de
Medium: CD, LP, Digital
Spieldauer: 48:32 Minuten
VÖ: 20.03.2026

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