Crown Lands - Apocalypse

Review von baarikärpänen vom 17.05.2026 (551 mal gelesen)
Crown Lands - Apocalypse RUSH drehen ja gerade mit ihrer deutschen Schlagzeugerin eine "Ehrenrunde", nachdem man vor Jahren und nach dem Tod von Neil Peart das Kapitel eigentlich abgeschlossen hatte. Dass diese besagten Konzerte - so hört man - weitgehend ausverkauft sind oder ausverkauft sein werden, lässt schon an manchen Menschen zweifeln. Sicher, es wird viele Besucherinnen und Besucher geben, die RUSH nie live auf der Bühne gesehen haben und das nun nachholen können. Aber auch viele Alt-Fans, die einfach nochmal in den Genuss kommen wollen. Und das bei diesen horrenden Preisen, die dafür aufgerufen werden und die selbst durch die gestiegene Inflation oder Energieausgaben nie und nimmer gerechtfertigt sind. Ich möchte ab sofort in keinen Foren mehr Kritik über Ticketpreise lesen, denn durch die Flut an Kartenverkäufen für diese Tour werden andere große Acts nun nachziehen und deren nächste Tour wird dann nochmal 'ne Ecke teurer. Aber gut, genug dazu. Eigentlich ging es ja um RUSH, DEM Aushängeschild in Sachen Progressiver Rock aus Kanada. Und es geht auch darum, dass das Duo von CROWN LANDS seit Jahren damit leben muss, dass immer wieder der Name RUSH in den Ring geworfen wird, wenn es darum geht, Vergleiche zu finden. CROWN LANDS können ihre Herkunft und einige Querverweise zu ihren Landsleuten nicht leugnen, aber es ist einfach ungerecht und weit an der Wahrheit vorbei, sie auf das zu reduzieren.

CROWN LANDS haben es gar geschafft, mit ihrer fast schon anachronistisch zu nennenden Musik direkt mit ihrem Debut einen der in Kanada begehrten Juno-Awards abzuräumen. Etwas, worauf ihre innovativen Landsleute von VOIVOD Jahrzehnte haben warten müssen. Und dieser Juno-Award war für CROWN LANDS vollauf verdient. Das Duo bestehend aus Gitarrist/Bassist/Keyboarder Kevin Comeau und Schlagzeuger/Sänger Cody Bowles hat genau das, was es braucht, um die übergroßen Fußstapfen von (schon wieder) RUSH zu füllen. Und das nicht, weil sie 1:1 so klingen, sondern von ihrer höchsteigenen Herangehensweise an ihre Musik, die an eben jene erinnert. Geddy Lee und Co. waren in ihrer Karriere immer eine Band, die den Sound teilweise drastisch von einem zum anderen Album ändern konnte und trotzem immer unverkennbar blieb. Wozu RUSH viele Jahre gebraucht haben, das haben CROWN LANDS mit ihren ersten vier Alben schon (fast) zustande bekommen. Man nehme nur das selbstbetitelte Debut und vergleiche es mit dem neuen "Apocalypse". Das ist immer noch unverkennbar CROWN LANDS, aber eben doch anders, noch besser. Und um noch ein allerletztes mal RUSH zu erwähnen: die haben, wenn es hoch kommt, vielleicht mit fünf bis zehn Prozent ihren Eindruck bei dem Duo hinerlassen und das war's auch schon. So ganz kann man sich als Kanadier, in progressiven Sphären unterwegs, nicht distanzieren. Apropos progressiv: CROWN LANDS sind auch das, aber die Art und Weise, wie sie es sind, macht sie so außergewöhnlich. Dazu aber gleich mehr.

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Bevor wir uns der Musik auf "Apocalypse" widmen, noch ein kleiner Ausflug in Sachen Inhalt und Produktion. Die Geschichte über den Planeten Karagon, die CROWN LANDS bereits auf "Fearless" und "Ritual" erzählten, bekommt auf "Apocalypse" eine Fortsetzung. Wobei es nicht chronologisch zugeht. "Fearless" (gleichzeitig auch der Name des Protagonisten) behandelt die kriegerische Phase, "Ritual" die Zeit des Friedens und "Apocalypse" wiederum den Weg vom Frieden zum Krieg. Eine komplexe Geschichte, die hier auszuführen den Rahmen sprengen würde, die aber eine Anschaffung des physischen Formats von "Apocalypse" empfiehlt. Zur Produktion wäre zu sagen, dass CROWN LANDS wie schon auf "Ritual" wieder in ihrem heimischen Studio aufgenommen, aber dieses Mal auch die Produktion selbst in die Hand genommen haben. Lediglich bei den Passagen, die dem Duo besonders wichtig erschienen, griff man auf die bekannten Produzenten Nick Raskulinecz und David Bottrill zurück. Eben diese Produktion finde ich auf "Apocalypse" besonders gelungen. Kein schickes oder teures Studio war nötig, auch kein großes Budget des Labels. Da hat jemand bei der Produktion der vorherigen Alben gut aufgepasst und setzt es jetzt gekonnt um.

Und was machen die beiden Kanadier nun auf "Apocalypse"? Ganz einfach, sie machen CROWN LANDS-Sachen, nur eben noch mal auf einem höheren Level. Wer nicht sonderlich viel mit Instrumentalmusik wie auf "Ritual" anfangen kann, wird sich zunächst mal freuen, die so prägnante Stimme von Cody Bowles wieder zu vernehmen. Die alleine ist schon ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal. Natürlich kommt einem der Sänger dieser kanadischen Band, die wir nicht schon wieder nennen wollen, in den Sinn. Aber, und da liegt das besondere, eben auch ein gewisser Robert Plant, seines Zeichens Sänger von LED ZEPPELIN. LED ZEPPELIN sind auch das, was wir uns im Verlauf von "Apocalypse" merken sollten. Das epische Intro 'Proclamation' eröffnet die wilde Fahrt. Schlag mich tot, aber ich musste nach den ersten zehn Sekunden der Synthieklänge unweigerlich an 'The Sun Always Shines On TV' von A-HA denken. Das direkt anschließende 'Foot Soldiers Of The Syndicate' ist dann ein schönes Beispiel dafür, wie CROWN LANDS ihr Songwriting auf ein höheres Level gehoben haben. Das ist eingängig, geht locker ins Ohr, ist aber dennoch progressiv, eine Achterbahn komprimiert auf etwas mehr als vier Minuten. Was Kevin Comeau hier auf der Gitarre bietet, reicht einem Jimmy Page (LED ZEPPELIN) locker das Wasser. Nicht weniger eingängig, aber weitaus epischer wird es auf 'Through The Looking Glass'. Nicht das wir uns hier falsch verstehen, mit LED ZEPPELIN-Worshipping hat "Apocalypse" aber auch gar nichts zu tun, abgekupfert wird hier rein gar nichts. Es geht um dieses ganz bestimmte Gefühl, welches sich beim Anhören der Musik einstellt und das ich seit der ersten Berührung mit LED ZEPPELIN so nicht mehr hatte. Würden wir das Jahr 1974 schreiben, die Engländer müssten sich ab sofort mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Und dennoch ist das, was CROWN LANDS hier machen, so was von relevant für 2026. Ganz einfach, weil es neben ihnen keine andere Band in diesem Bereich gibt, die es in dieser Perfektion hinbekommt. 'Blackstar' ist dann auch wenig LED ZEP, dafür aber eine Reminiszenz an den frühen Heavy Metal, sowas wie TRIUMPH im neuen Jahrtausend.

Spannend wird es dann mit 'The Fall'. Stellt euch vor, Cody Bowles und Kevin Comeau hätte man mit Roger Waters (PINK FLOYD) in der Zeit in einen Raum gesetzt, als Letztgenannter den Klassiker "The Wall" geschrieben hat. Da darf ein Part des Songs gerne an 'Another Brick In The Wall' erinnern, dazu das Majestätische von CROWN LANDS, wenn es zum Refrain kommt. Für mich schon jetzt ein Highlight des noch jungen Jahres. Vor dem großen Finale bittet das sehr ruhige 'The Revenants' dann zur inneren Einkehr, Zeit, die Kräfte wieder zu sammeln. Und dann heißt es anschnallen, denn mit dem über 19 Minuten langen Titelsong beginnt eine wilde Fahrt, wie ich sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört habe. Meine Damen und Herren, sie mögen es nicht glauben, aber ELP, LED ZEPPELIN, RUSH (da sind sie ja doch wieder), (frühe) MARILLION und sogar SAGA sind allesamt in eine Zeitmaschine gestiegen und bitten 2026 zum Tanz. Es ist völliger Wahnsinn, wie viele verschiedene Parts hier direkt aufeinander folgen und wie CROWN LANDS es schaffen, aus all diesen doch so unterschiedlichen Teilen ein großes Ganzes zu formen. Wirr klingt so was bei anderen, bei CROWN LANDS wird es zum Erlebnis der gehobenen Qualitätsklasse. Es dürfte jetzt schon spannend sein zu erfahren, wie die beiden Kanadier das auf die Bühne bekommen wollen. Vor allem Kevin Comeau sollte sich ungehend vier weitere Arme zulegen. Oder dann doch lieber weitere Musiker mit auf Tour nehmen. Man blickt irgendwann auf die Zeit, bemerkt, es sind gerade mal zehn Minuten vergangen und man kommt sich vor, als hätte man jetzt schon einen wilden Exkurs in Sachen progressiver Meisterleistung unternommen, aber da kommen ja noch weitere neun Minuten hinzu, die nicht weniger spannend werden. Ganz toll auch, wie geschickt CROWN LANDS die für meinen Geschmack feinen "schamanischen" Klänge von "Ritual" hier im Songwriting unterbringen. Und den vorletzten Part des Songs jazzig-bluesig zu gestalten, ist dann noch mal großes Kino für die Ohren. Ich für meinen Teil bin geplättet!

"Apocalypse" ist nicht einfach nur ein Album, es ist vielmehr eine zweiteilige Reise. Der erste Teil eben jener Reise (die Songs eins bis sechs) sollen die Hörerin oder den Hörer möglichst geschmeidig zum eigentlichen Ziel bringen. Dort angekommen (beim Titelsong) eröffnen sich dann wunderschöne Landschaften, deren Entdeckung zwar fordernd ist, die jede Mühe aber so was von wert sind. GRETA VAN FLEET werden ja zu gerne mal als legitime Nachfolger von LED ZEPPELIN bezeichnet, was ihr aber ganz schnell wieder vergessen könnt, denn die haben auf ihren ersten Alben schlicht und ergreifend (wenn auch äußerst gelungen) abgeschrieben. Wenn es denn einen legitimen Nachfolger der Briten geben sollte, der eben nicht kopiert, sondern das verinnerlicht hat, worum es geht, den Spirit nämlich, dann können es nur CROWN LANDS sein. Und "Apocalypse" ist nicht nur einfach ein Album, es ist eine Machtdemonstration, für die es nur eines geben kann: die Höchstnote!




Gesamtwertung: 10.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Proclamation
02. Foot Soldiers Of The Syndicate
03. Through The Looking Glass
04. Blackstar
05. The Fall
06. The Revenants
07. Apocalypse
Band Website: www.facebook.com/crownlandsmusic/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 42:25 Minuten
VÖ: 15.05.2026

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