Grandma's Ashes - Bruxism | |
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| Review von Stormrider vom 08.04.2026 (200 mal gelesen) | |
Schon der Bandname weckt Erwartungen, oder? Die Asche der Oma, ein morbider Aufhänger für eine All-Female-Band. Finde ich zumindest. Das albumeröffnende 'Saints Kiss' erfüllt dann auch die klanglichen Erwartungen, denn der schleppende, düstere Gitarrensound weckt unweigerlich Assoziationen zu MARILYN MANSON und baut eine dunkle Atmosphäre auf. Nur, um nach gut einer Minute überraschend in eine fast schon beschwingte fröhliche Melodie zu kippen. Das ist auf eine ganz eigene Art schräg, aber effektvoll und auch ein wenig exemplarisch für die Zerrissenheit von "Bruxism". Leider folgt mit 'Empty House' direkt im Anschluss die erste Ernüchterung. Denn der Song knüpft nicht an die Eigenwilligkeit des Openers an, sondern ist bestenfalls ein solider, aber unspektakulärer und irgendwie auch belangloser Rocksong. Und hier tritt auch die größte Schwäche des Trios erstmals direkt ins Rampenlicht. Die Vocals sind vergleichsweise dünn. Der Rotz und Dreck, den beispielsweise eine Liv Sin ausstrahlt, so was fehlt komplett. Würde dem Ganzen aber guttun. Und wo wir gerade schon beim Thema sind, man muss schon auch ein Faible für den französischen Akzent haben, der ab 'Sufferer' immer deutlicher zum Vorschein kommt. Wohlwollend könnte man sagen, dass auch das eine Facette im Gesamtbild ist, die einen eigenen Charakter impliziert. Aber über weite Strecken von "Bruxism" fehlt dem Album irgendwie genau das, der Charakter. Vielleicht ist man sich im Bandcamp dessen auch bewusst und haut dann in 'Flesh Cage' wie aus dem Nichts heraus auf einmal ein paar Growls raus. Das wirkt als einzelner, vom Rest des Materials losgelöster Kontrastpunkt aber eher gewollt denn passend. Manche Tracks bleiben dann auch komplett farblos und plätschern gemütlich vor sich hin, tun aber niemandem weh oder erwecken größere Aufmerksamkeit. Hier sei zum Beispiel 'Calix' genannt.Die im Promowaschzettel genannten Inhalte eines Pariser Alltags zwischen Gewalt und Gefühllosigkeit, feministischen Botschaften oder gar eine "intime Odyssee" werden musikalisch nicht wirklich vollumfänglich untermalt. Wenn man das liest, hat man, oder zumindest ich, doch auch sofort eine höhere Erwartungshaltung. "Bruxism" ist kein schlechtes Album, aber auch keines, was wirklich Akzente setzt. Die Mischung aus Alternative Rock und Industrial-Elementen, den cleanen weiblichen Vocals und der benannten thematischen Tiefe hat eigentlich jede Menge Potenzial. Doch in der Umsetzung bleibt vieles Stückwerk, und die Songs pendeln zwischen den musikalischen Stühlen, sodass man zwar ein paar nette Ideen nicht abstreiten kann, aber dieses Gefühl gleich in einem Tanztempel loszuzappeln, welches man bei den ersten Takten hatte, das stellt sich in Summe zu selten ein. Gesamtwertung: 6.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Saint Kiss 02. Empty House 03. Sufferer 04. Nightwalk 05. Flesh Cage 06. Neutral Life Neutral Death 07. Cold Sun Again 08. Calix 09. Duality 10. Dormant | Band Website: Medium: CD, digital Spieldauer: 43:21 Minuten VÖ: 27.03.2026 |
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Schon der Bandname weckt Erwartungen, oder? Die Asche der Oma, ein morbider Aufhänger für eine All-Female-Band. Finde ich zumindest. Das albumeröffnende 'Saints Kiss' erfüllt dann auch die klanglichen Erwartungen, denn der schleppende, düstere Gitarrensound weckt unweigerlich Assoziationen zu MARILYN MANSON und baut eine dunkle Atmosphäre auf. Nur, um nach gut einer Minute überraschend in eine fast schon beschwingte fröhliche Melodie zu kippen. Das ist auf eine ganz eigene Art schräg, aber effektvoll und auch ein wenig exemplarisch für die Zerrissenheit von "Bruxism". Leider folgt mit 'Empty House' direkt im Anschluss die erste Ernüchterung. Denn der Song knüpft nicht an die Eigenwilligkeit des Openers an, sondern ist bestenfalls ein solider, aber unspektakulärer und irgendwie auch belangloser Rocksong. Und hier tritt auch die größte Schwäche des Trios erstmals direkt ins Rampenlicht. Die Vocals sind vergleichsweise dünn. Der Rotz und Dreck, den beispielsweise eine Liv Sin ausstrahlt, so was fehlt komplett. Würde dem Ganzen aber guttun. Und wo wir gerade schon beim Thema sind, man muss schon auch ein Faible für den französischen Akzent haben, der ab 'Sufferer' immer deutlicher zum Vorschein kommt. Wohlwollend könnte man sagen, dass auch das eine Facette im Gesamtbild ist, die einen eigenen Charakter impliziert. Aber über weite Strecken von "Bruxism" fehlt dem Album irgendwie genau das, der Charakter. Vielleicht ist man sich im Bandcamp dessen auch bewusst und haut dann in 'Flesh Cage' wie aus dem Nichts heraus auf einmal ein paar Growls raus. Das wirkt als einzelner, vom Rest des Materials losgelöster Kontrastpunkt aber eher gewollt denn passend. Manche Tracks bleiben dann auch komplett farblos und plätschern gemütlich vor sich hin, tun aber niemandem weh oder erwecken größere Aufmerksamkeit. Hier sei zum Beispiel 'Calix' genannt.
