Enisum - Autumn Embrace

Review von Zephir vom 05.04.2026 (374 mal gelesen)
Enisum  - Autumn Embrace Während es allenthalben Frühling wird, zelebrieren die Atmospheric Black Metaller ENISUM die Melancholie des Herbstes. Die introspektive Naturmystik der Italiener erreicht mit "Autumn Embrace" eine nächste Station ihrer Reise, die immer wieder durch einsame Berglandschaften und dämmerige Täler führt. Was traurig sinnierend im Nirgendwo ('Nowhere') beginnt, entsteht aus Windrauschen und Regenprasseln, baut sich auf lediglich drei Harmonien auf und führt direkt in die schwermütigen Reflexionen in den Himmel gerichteter Seelenspiegel - ohne Überraschungen, aber mit Gefühl für die Erwartungen, die an diese Sparte des Schwarzmetalls gerichtet sind. Titeltrack 'Autumn Embrace' geht alsdann ohne Vorwarnung in die Vollen: Der Herbst umarmt uns ungestüm und aggressiv, ohne die dem Genre eigene Melodiösität in Form zarter Gitarrenintermezzi vermissen zu lassen. Wer die Arbeit von Gründungsmitglied und Frontmann Lys (aka Marcello Apolinari) kennt, wird den heiseren Kreischgesang zu schätzen wissen, und nur allzu schnell ist der keine viereinhalb Minuten lange Herbststurm vorbei, um dem anschließenden 'Oblivion Cave' Platz zu machen. In beklemmend sinistrem Songwriting gibt sich dieser etwas zurückhaltender, die Vocals gehen gar in dunkel-doomiges Gegrowle über.

Der erste Überraschungsgast ist alsdann 'Woods Of Lost Souls': Hier bewegen wir uns zwischenzeitlich erstmals auch in Dur-Harmonien, was vor allem mit dem unvermittelt einsetzenden Cleangesang und der begleitenden Gitarrenarbeit ein wenig ALCESTisch anmutet. Dass die Franzosen ihre schwarzmetallischen Wurzeln mittlerweile gekappt haben, ist bekannt, aber was passiert aktuell bei ENISUM? 'Miss You', mit leicht poprockigen Singer-Songwriter-Anleihen und abermals zu Teilen clean intoniert, bemüht sich zwar nicht übermäßig um Geschmeidigkeit und verwebt auch die gefälligeren Töne mit einer Restmenge an Garstigkeit. Dennoch erinnert mich der etwas potpourrihafte Track irgendwie an jüngere ANATHEMA und fällt nach meinem Empfinden hinter den drei ersten Songs zurück. Kurz frage ich mich, ob ENISUM hier den gleichen Weg einschlagen wie zuletzt AUSTERE.

'Sweet Autumn Of Decadence' besinnt sich dann wieder auf das ursprüngliche Konzept, arbeitet mit elegischen Ostinati und schrammelt die Seelen seiner Hörerschaft zuschanden. Der abschließende Track 'Forest Breath' ist nicht nur der längste des Albums, sondern meines Erachtens auch derjenige, der die Mischung aus melodischer Melancholie, moderner Cleanness und Black Metal am besten beherrscht. Zwar wagen ENISUM auch hier nicht viel harmonisches Experiment, doch ist 'Forest Breath' auch da in sich stimmig, wo er sich in Dur-Gefilde bewegt und schlussendlich in Windrauschen zergeht.

Mit "Autumn Embrace" haben ENISUM vielleicht nicht den ganz großen Wurf gelandet, und den seltsamen Ausflug 'Miss You' empfinde ich als einen kleinen Schönheitsfleck (für den ich einen halben Punkt abziehe). Das scheint mir ein Trend der Zeit: Ähnlich erging es mir nämlich mit dem letzten Werk von AUSTERE, "The Stillness Of Dissolution", und mit dem jügsten Output von UNREQVITED, "A Pathway To The Moon" (beide 2025). Aber ansonsten ist mit 'Autumn Embrace' durchaus ein solides Stück atmosphärisches Schwarzmetall gelungen.

Gesamtwertung: 6.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Nowhere
02. Autumn Embrace
03. Oblivion Cave
04. Woods of Lost Souls
05. Miss You
06. Sweet Autumn of Decadence
07. Forest Breath
Band Website:
Medium: CD, LP, MC
Spieldauer: 39:00 Minuten
VÖ: 27.03.2026

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