Corrosion Of Conformity - Good God / Baad Man | |
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| Review von Damage Case vom 31.03.2026 (481 mal gelesen) | |
CORROSION OF CONFORMITY waren einmal auf dem Weg eine größere Nummer zu werden. Mitte der 1990er war das, als man mit den beiden in den USA chartenden Hitalben "Deliverane" (1994) und "Wiseblood" (1996) kernigen Rock ablieferte und sogar METALLICA als Support Act auf deren Load-Tour begleiten durfte. Der Durchbruch schien greifbar nah - doch dann passierte … nichts. Die Folgealben der 2000er waren ordentlich, doch irgendwie war aus C.O.C. die Luft raus. In der Zwischenzeit zog Sänger, Gitarrist und Aushängeschild Pepper Keenan sein Ding durch: Er spielte (vergebens) als Bassist bei METALLICA vor, konzentrierte sich auf seine andere Band DOWN, stieg 2006 bei C.O.C. aus und 2014 wieder ein. Er hat 'ne Menge erlebt und das sieht man ihm 2026 auch an. Mit nicht einmal 60 Jahren sieht er inzwischen so was von fertig aus! Doch zumindest seine Stimme klingt immer noch so frisch wie dereinst. Was natürlich massiv ins Gewicht fällt, ist der Verlust von Drummer Reed Mullin, der 2020 verstarb. Sein Nachfolger Nick Shabatura erledigt den Job an der Schießbude makellos, doch wenn ein Originalmitglied fehlt, hört man das mitunter nicht (nur), sondern spürt es einfach beim Hören neuer Musik.Leider, und damit nehme ich direkt die Bewertung vorweg, ist bei der Band kompositorisch schon lange nicht mehr alles Gold, was glänzt. Acht lange Jahre nach dem letzten Lebenszeichen "No Cross No Crown" (2018) fehlt es zwar nicht ab Ideen, doch an deren Umsetzung. Dabei wäre das Rezept für ein mindestens durchgehend sehr überzeugendes Album sehr einfach, denn die Jungs haben es drauf, ohne jede Frage. Riffs gibt es ohne Ende. Packende Leads auch. Groove sowieso. Und der Sound stimmt auch. Von Country über Doom, Southern Rock und Stoner gibt es hier eine Menge zu hören, das dank der Erfahrung von Pepper Keenan und Woody Weatherman grundsätzlich gut passt. Doch als Warren Riker (Produzent des Albums) hätte ich der Band rigoros verboten, Songs zu schreiben, die länger als maximal viereinhalb Minuten die Tanzfläche blockieren. Straffung wäre hier pures Gold gewesen, denn bei keinem der sechs überlangen Songs passiert in der zweiten Hälfte etwas Weltbewegendes, das man nicht kürzer und kompakter hätte ausdrücken können. Dann stünde unter diesem Review mindestens ein ganzer Punkt mehr unter 'Note'. So wird das Album künstlich zu einem Doppelalbum aufgepumpt, was den sich teilweise künstlich ziehenden, kurzweiligen Songwritingideen nicht gut bekommt. Wenn bei 'Run For Your Life' die zehnte Songminute beginnt, will man dem Songtitel fürwahr Folge leisten, ist aber möglicherweise schon eingeschlafen. Geweckt wird man im Anschluss von dem massiven Selbstzitat im Titelsong 'Baad Man' - ich komme einfach nicht darauf, bei welchem eigenen Song sie sich das Strophenriff geklaut haben. Oder doch bei THIN LIZZY? Fazit: Musikalisch gibt es größtenteils die gechillte Version dessen, was man von der Band dereinst mit mehr Energie dargeboten bekam. Also Musik von 60-Jährigen für 60-Jährige. Doch "Good God / Baad Man" ist ein typischer Grower. Die ersten beiden Hördurchgänge rauschten einfach so vorbei. Doch sobald man den urtypischen Sound der Band wahrnimmt, die Mischung aus vertontem furztrockenem Staub und süßer Melancholie, darf man in die Songs eintauchen. Thematisch mag es als Doppelalbum mit erster und zweiter Hälfte vieles zu entdecken geben. Am Ende ist es mit circa 67 Minuten Spielzeit einfach eine gute neue CD, deren 14 Songs auf 50 Minuten komprimiert richtig geknallt hätten. Anspieltipps: Der groovende Opener 'Good God? / Final Dawn' macht mit seinen weitausholenden Riffs die Tür sehr weit auf und bittet uns Gäste mit wohlbekanntem Sound herein. Im schnellen Rocker 'Gimme Some Moore' wirkt Onkel Al (Jourgensen von MINISTRY) mit - das alleine genügt schon für einen Reinhörtipp. Die Band hat vor den Songwriting-Sessions bei Pepper zu Hause gemeinsam viel Classic Rock gehört, darunter auch ZZ TOP. Das hört man dem swingenden 'Handcuff County' an. Was ein cooler Song! Und SABBATH liefen auch, davon zeugt 'The Handler', der die rockige Seite der Ursuppe von Tony Iommi & Co. gekonnt zitiert. Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Good God? / Final Dawn 02. You Or Me 03. Gimme Some Moore 04. The Handler 05. Bedouin’s Hand 06. Run For Your Life 07. Baad Man 08. Lose Yourself 09. Mandra Sonos 10. Asleep On The Killing Floor 11. Handcuff County 12. Swallowing The Anchor 13. Brickman 14. Forever Amplified | Band Website: www.coc.com Medium: CD, 2 LPs Spieldauer: 67:26 Minuten VÖ: 03.04.2026 |
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CORROSION OF CONFORMITY waren einmal auf dem Weg eine größere Nummer zu werden. Mitte der 1990er war das, als man mit den beiden in den USA chartenden Hitalben "Deliverane" (1994) und "Wiseblood" (1996) kernigen Rock ablieferte und sogar METALLICA als Support Act auf deren Load-Tour begleiten durfte. Der Durchbruch schien greifbar nah - doch dann passierte … nichts. Die Folgealben der 2000er waren ordentlich, doch irgendwie war aus C.O.C. die Luft raus. In der Zwischenzeit zog Sänger, Gitarrist und Aushängeschild Pepper Keenan sein Ding durch: Er spielte (vergebens) als Bassist bei METALLICA vor, konzentrierte sich auf seine andere Band DOWN, stieg 2006 bei C.O.C. aus und 2014 wieder ein. Er hat 'ne Menge erlebt und das sieht man ihm 2026 auch an. Mit nicht einmal 60 Jahren sieht er inzwischen so was von fertig aus! Doch zumindest seine Stimme klingt immer noch so frisch wie dereinst. Was natürlich massiv ins Gewicht fällt, ist der Verlust von Drummer Reed Mullin, der 2020 verstarb. Sein Nachfolger Nick Shabatura erledigt den Job an der Schießbude makellos, doch wenn ein Originalmitglied fehlt, hört man das mitunter nicht (nur), sondern spürt es einfach beim Hören neuer Musik.
