Generator - Seal Your Fate

Review von derkleinekolibri vom 15.03.2026 (682 mal gelesen)
Generator - Seal Your Fate Zwei Zahlen: 2025 und 2026. Das könnte ungefähr die Anzahl der Tapes sein, die ich seit Ende der Sechziger gesammelt habe. Doch die beiden Zahlen haben noch eine viel wichtigere Bedeutung: Im Jahre 2025 wurde von der Bone Dry Rock'n'Roll-Band GENERATOR am 21. November ihre zweite EP "Seal Your Fate" mit sieben Titeln veröffentlicht. Anfang 2026 schließlich versandten die Jungs dazu Demo-Tapes, so wie es dereinst auch METALLICA und Konsorten machten und zu Weltruhm gelangten. Ehrlich, ich finde es total geil, dass es noch Musiker gibt, die Althergebrachtes zu schätzen wissen und für ihre eigenen Zwecke einsetzen. Natürlich ist es nicht gerade das klanglich beste Medium, doch diesen Nachteil gleichen die Österreicher mit ihrer Musik aus, die roh und unverfälscht dem magnetisierten Band entfleucht und die Lautsprechermembranen zum Schwingen bringt.

'Fortune Teller', bereits als Single veröffentlicht, zeigt locker-flockig, wo der Hammer hängt. Schon nach kurzer Spielzeit vernimmt man das erste Gitarrensolo der fast 28 Minuten langen EP. Auf Anhieb findet man den Zugang zu GENERATORs Bone Dry Rock'n'Roll, wie sie ihre Musik selbst bezeichnen. Klasse, wie auch des Bassmanns Viersaiter sehr deutlich zu vernehmen ist. Das schmissige 'Roll Your Dice' rumpelt dank einer Schlagzeugattacke nach der anderen ordentlich und ein feuriges Gitarrensolo rundet das Stück hervorragend ab. Der Titeltrack 'Seal Your Fate', kraftvoll, leicht bluesig und mit doomigem Einschlag, mausert sich mit ruppigen Riffs und einem weiteren Gitarrensolo zum Höhepunkt. Izzys Stimme, die markant, aber (noch) nicht perfekt ist, klingt hier wie nach dem Genuss von Whisky und verleiht diesem Highlight noch das Sahnetüpfelchen obendrauf. 'Mighty Sol', 'Split The Line' und 'Kick In The Door' lassen dann ein weiteres Spielfeld der Jungs durchblicken: Thrash. Zwar nicht durchgängig, aber mit allen Wassern gewaschene Thrash-Parts, die dem Hörer geschmeidig in die Lauschmuscheln gehen und die Produktion des Wohlfühlhormons Serotonin steigern, zeigen die rohe Wildheit der Band aus dem Weinviertel. Den famosen Schlusspunkt setzen die Jungs mit 'Eat You Alive'. Izzys Gesang hat hier eine minimal deprimierte Tonlage. Klasse!

Die A-Seite des Demo-Tapes ist mir achteinhalb Blutstropfen wert. Allerdings kann ich dieses sehr ordentliche Ergebnis nicht für die B-Seite stehenlassen. Bevor ihr allerdings vermutet, die Qualität ließe nach, greife ich vor und verrate euch, dass der Livemitschnitt "GENERATOR Live @ Chelsea Vienna" höchstmögliche zehn Blutstropfen freisetzt. Das Quartett ist auf der Bühne so roh wie ungeschliffene Diamanten. Nichts ist perfekt, aber genau das wollen die Gäste sehen und hören. Da stehen keine schmierigen, durchgestylten Profis auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sondern gestandene Kerle, die sich alles aus der Seele prügeln, riffen und schreien, um dem Publikum einen exzellenten Abend zu kredenzen. Wie schon bei den im Studio aufgenommenen Songs auf der A-Seite, haben die Stücke mit den thrashigen Parts die Nase vorn ... sehr weit vorn. Bei 'Gasolina' aus dem Jahre 2024 wird es richtig brachial, feurige Gitarrensalven durchqueren den Raum und knallharte Schlagzeugattacken prügeln alles an negativen Gefühlen aus dem Schädel. Die Heftigkeit dieser Live-Stücke hätte ein zahlenmäßig sehr viel größeres Publikum verdient - in den Veranstaltungsraum gehen bei dem 1995 neu eröffneten Chelsea nur 250 Leute rein. Der ursprüngliche Standort des Clubs hat übrigens noch Bands wie DIE GOLDENEN ZITRONEN oder SOUNDGARDEN gesehen. GENERATOR sind zwar noch nicht so bekannt, doch sollte sich das nach solchen Auftritten schnell ändern. Ein Klanggewitter schlechthin war in den geheiligten Wiener Hallen der vorletzte Song 'Kick In The Door', Volldampf aus allen Rohren sozusagen. Schade, dass ich das nicht miterleben konnte. Während des Gigs stellte Izzy übrigens den Gästen die beiden Leadgitarristen der Band vor - ein wenig Stolz schwang da in seiner Stimme mit. Am Ende des Auftritts gaben die Jungs mit dem Titel 'Generator' noch einmal alles voll auf die Fresse.

GENERATOR haben mit "Seal Your Fate" ein kleines Meisterwerk zustande gebracht, dem man unbedingt mehr Aufmerksamkeit widmen sollte - nein - widmen muss. Nicht jeden Tag findet man solch ungeschliffene Diamanten ...

Ihr habt die Möglichkeit, GENERATOR in nächster Zeit live zu erleben, und zwar am 24. März im Escape Metalcorner (Wien), am 2. Mai im Replugged (Wien) und am 26. September beim Metal Speck Festival in Deutschland, für das am 15. März der Vorverkauf beginnt. Wenn ich könnte wie ich wollte ...

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
Promo-Tape Seite A:

01. Fortune Teller
02. Roll Your Dice
03. Seal Your Fate
04. Mighty Soul
05. Split The Line
06. Kick In The Door
07. Eat You Alive

Promo-Tape Seite B:

01. - 08. Generator Live @ Chelsea Vienna
Band Website: www.generatormusic.at
Medium: EP
Spieldauer: 27:30 Minuten
VÖ: 21.11.2025

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