Ulvehyrde - Dødsdømt | |
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| Review von Chaosswampchicken vom 02.03.2026 (273 mal gelesen) | |
Ende Oktober 2025 meldete sich Solistitium Records nach längerer Pause eindrucksvoll zurück - und eines der ersten neuen Releases ist "Dødsdømt", das zweite Studioalbum der norwegischen Black Metal-Band ULVEHYRDE. Die Band, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern von URGEHAL und BEASTCRAFT, legte bereits 2022 mit ihrem Debüt über Dusktone den Grundstein für ihren rauen, atmosphärischen Sound. Auf knapp 40 Minuten entfalten die acht Stücke von diesem Werk einen Black Metal, der gleichzeitig roh, ungeschliffen und ungemein dicht wirkt. Die Texte, in denen alte norwegische Geschichten von Mord, Totschlag und Vergeltung erzählt werden, fügen sich nahtlos in das dunkle, kreativ gestaltete Klangkonzept ein. Schon der Albumtitel, übersetzt in etwa "Zum Tode verurteilt", deutet die bedrohliche Grundstimmung an, die sich durch das gesamte Werk ziehen wird. Die Produktion bleibt hier bewusst roh, ohne die dichte und mystische Atmosphäre zu beeinträchtigen. ULVEHYRDE schaffen es, die rohe Energie des norwegischen Untergrunds mit erzählerischer Tiefe zu verbinden.Das Album wird eröffnet von 'Merraflåer' und einem zunächst ungewohnt klaren und cleanen Tremolo-Riff, das sich erst nach und nach zu einem düsteren und mysteriösen Gesamtbild verdichtet. Mit dem Einsetzen der bedrohlich wirkenden Vocals und des schleppenden Schlagzeugs kippt die anfängliche Klarheit in eine Atmosphäre, die von Melancholie ebenso geprägt ist wie von unterschwelliger, aber präsenter Aggression. Ein kurzes Gitarrensolo setzt einen markanten Akzent, bevor der Song abrupt ausklingt. Inhaltlich greift der Song die Figur des Siver Svendsen auf - ein Henker und Anführer der Nachtwächter, dessen Ruf von Niedertracht und Diebstahl geprägt war. Als ehrloser Außenseiter agierte er bevorzugt im Schutz der Dunkelheit. Auch seine Gefolgschaft galt als zwielichtig: oft Kriminelle oder Mörder, die in einem abgeschiedenen Haus außerhalb des Dorfes lebten und von der Gemeinschaft gemieden wurden. Dieses düstere Narrativ findet eine passende Entsprechung in der beklemmenden musikalischen Ausrichtung des Openers auf "Dødsdømt". Mit 'Jammerdalen' zieht das Album spürbar an. Ein kurzer Einsatz weiblicher Vocals verleiht dem Song eine unerwartete zusätzliche Tiefe und unterstreicht die kompositorische Sorgfalt von ULVEHYRDE. Musikalisch dominiert zunächst klassischer Old School Black Metal: schnelles Schlagzeug, aggressive Screams und druckvolle Gitarren treiben das Stück voran. Tempowechsel, eine kurze Sprechpassage sowie Midtempo-Elemente mit leicht doomiger Note sorgen für Abwechslung, bevor der Song in einem rasanten Finale endet. Lyrisch greift 'Jammerdalen' den Mord an Anne (Larsdatter) Ringeneie aus dem Jahr 1845 auf, die von ihrem Ehemann mit einem Axthammer getötet wurde - eine düstere Geschichte, die sich in der intensiven Klanggestaltung widerspiegelt. Mit 'Dødsdømt', dem Titeltrack des Albums, setzen ULVEHYRDE die düstere Reise fort. Der Song steigt zunächst vergleichsweise fließend ein, getragen von eingängigen Riffs, die gut mit den markanten Vocals harmonieren. Doch schnell ziehen Gitarren und Schlagzeug das Tempo an und treiben das Stück vorwärts. Inhaltlich erzählt der Track von den grausamen Raubzügen des Peter Walberg aus dem Jahr 1805. Nachdem er in einem Haus in Krokskogen Zuflucht gesucht hatte, ermordete er nach dem Essen die Hausfrau und ihren sechsjährigen Sohn mit einer Axt, verletzte die Tochter schwer und setzte das Haus in Brand. Kurz darauf wurde er gefasst, enthauptet und verbrannt. Musikalisch spiegelt sich diese Brutalität in der Dynamik des Songs wider: Nach der anfänglichen Raserei folgt eine rhythmisch dichtere Midtempo-Passage, in der dreckigere Screams, klagende Clean Vocals und melodische Gitarrenlinien für ein düsteres Klangvolumen sorgen. Die zunehmende Verzerrung und Intensität der Riffs führen schließlich zu einem Finale, das wie der Höhepunkt eines düsteren Dramas wirkt, bevor das Stück in verlangsamtem Tempo ausklingt. Mit 'Dårekisten' schlägt die Band zunächst progressivere Töne an. Ein basslastiger Einstieg trifft auf treibende Saiteninstrumente, während Growls und Screams das Geschehen im Wechselspiel voranführen. Das Schlagzeug bleibt hier ganz dem Genre treu, während schmerzerfüllte Clean Vocals immer wieder für Kontraste sorgen. Dissonante Gitarrenläufe und helle Tonfolgen erhöhen im Verlauf die Spannung, während die dichte Instrumentierung ein schweres, bedrückendes Klangbild erzeugt. Das Zusammenspiel von Tempo, Dynamik und wechselnden Gesangsstilen verleiht dem Stück eine unruhige, fast beklemmende Atmosphäre. Inhaltlich beschäftigt sich der Track mit den frühen psychiatrischen Einrichtungen Norwegens im 19. Jahrhundert. Damals wurden Patienten unter grausamen Bedingungen festgehalten, oft in Käfigen eingesperrt und als von bösen Geistern besessen betrachtet. Isolation, Krankheiten sowie brutale Behandlungsmethoden wie Lobotomie und Elektroschocks führten für viele Betroffene zum Tod - ein düsteres Kapitel, das sich auch in der musikalischen Ausgestaltung des Songs widerspiegelt. Mit 'Fanitullen' führt das Album direkt in eine düstere, morbide Erzählwelt. Garstiges Midtempo, eisige Vocals und dramatische Gitarrenleads erzeugen ein Klangbild, das gleichermaßen fesselt und verstört. Bedrohung wird hier nicht nur angedeutet, sie wird spürbar. Dieses Konzept setzt 'Morder' konsequent fort: Hämmernde Blastbeats, Tremolo-Riffs und eine dichte Soundwand schaffen eine intensive Atmosphäre, die Unbehagen verursacht. ULVEHYRDE demonstrieren eindrucksvoll, wie klassische Black Metal-Elemente zu einem packenden, eigenständigen Hörerlebnis verdichtet werden können. Der Closer 'Rekviem' hält, was sein Name verspricht: Infernalisches Gelächter leitet die finale Eskalation ein, bissiges Riffing und Midtempo-Passagen à la MAYHEM sorgen für tiefgründige Spannung. Die starken Vocals und die durchweg hochwertige Instrumentalarbeit machen den Track zu einem würdigen Abschluss und einem der stärksten Momente des Albums. FazitMit "Dødsdømt" positionieren sich ULVEHYRDE selbstbewusst innerhalb der norwegischen Black Metal-Tradition, ohne sich von ihr einengen zu lassen. Das Album setzt nicht auf radikale Neuerfindung, sondern auf Substanz - und genau darin liegt seine Stärke. Es führt vor Augen, weshalb dieses Genre seit Jahrzehnten Bestand hat: durch Kälte, Konsequenz, dichte Atmosphäre und das feine Gespür für wirkungsvolle Reduktion. Wer nach frostigem, kompromisslosem Black Metal sucht, der weder in rückwärtsgewandter Verklärung schwelgt noch sich zeitgeistig anbiedert, zugleich aber Wert auf markante Gitarrenarbeit, eigenständiges Drumming und für die Szene ungewöhnlich präsente Basslinien legt, wird hier fündig. Gesamtwertung: 8.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Merraflåer 02. Jammerdalen 03. Dødsdømt 04. Dårekisten 05. Barnedrap 06. Fanitullen 07. Morder 08. Rekviem | Band Website: ulvehyrde.bandcamp.com/album/d-dsd-mt Medium: CD & LP Spieldauer: 39:45 Minuten VÖ: 31.10.2025 |
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Ende Oktober 2025 meldete sich Solistitium Records nach längerer Pause eindrucksvoll zurück - und eines der ersten neuen Releases ist "Dødsdømt", das zweite Studioalbum der norwegischen Black Metal-Band ULVEHYRDE. Die Band, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern von URGEHAL und BEASTCRAFT, legte bereits 2022 mit ihrem Debüt über Dusktone den Grundstein für ihren rauen, atmosphärischen Sound. Auf knapp 40 Minuten entfalten die acht Stücke von diesem Werk einen Black Metal, der gleichzeitig roh, ungeschliffen und ungemein dicht wirkt. Die Texte, in denen alte norwegische Geschichten von Mord, Totschlag und Vergeltung erzählt werden, fügen sich nahtlos in das dunkle, kreativ gestaltete Klangkonzept ein. Schon der Albumtitel, übersetzt in etwa "Zum Tode verurteilt", deutet die bedrohliche Grundstimmung an, die sich durch das gesamte Werk ziehen wird. Die Produktion bleibt hier bewusst roh, ohne die dichte und mystische Atmosphäre zu beeinträchtigen. ULVEHYRDE schaffen es, die rohe Energie des norwegischen Untergrunds mit erzählerischer Tiefe zu verbinden.
