The Sheepdogs - Keep Out Of The Storm

Review von baarikärpänen vom 24.02.2026 (1493 mal gelesen)
The Sheepdogs - Keep Out Of The Storm J.J. Cale war ein wahrer Meister seines Fachs. Während James Brown der "Godfather of Soul" war, war Cale wahrhaftig der "Godfather of Laid Back". Zeit seines Lebens, das leider 2013 in einem Krankenhaus in Kalifornien ein Ende fand, hat der Mann unbeirrt Alben veröffentlicht, ist unentwegt auf Tour gewesen, meist in kleinen Clubs, während andere wie Eric Clapton oder Lynyrd Skynyrd auch mit seinen Kompositionen wie 'After Midnight', 'Cocaine' oder 'Call Me The Breeze' eine mehr als beachtliche Karriere aufgebaut haben. Konnte Cale letztendlich auch nur recht sein, denn so kam immer wieder Geld rein und er konnte das machen, was er eben gerne gemacht hat. Am Ende eines langen, schwülwarmen und arbeitsreichen Tages, irgendwo in den Südstaaten der USA, mit einem eiskalten Bier auf der Veranda sitzen, den Sonnenuntergang beobachten, die erfrischende kühle Brise der heranziehenden Nacht spüren, Cale hat genau das musikalisch auf den Punkt gebracht. Was hat aber J.J. Cale mit den Kanadiern THE SHEEPDOGS zu tun, um deren neues Album "Keep Out Of The Storm" es hier gehen soll? Dazu später mehr.

Zunächst streue ich mal eimerweise Asche auf mein Haupt, denn der Name THE SHEEPDOGS ist mir bisher noch gar nicht untergekommen. Eigentlich verwunderlich bei einer Truppe, die seit 2004 aktiv ist, bisher acht Alben und unzählige EPs veröffentlicht und obendrein satte vier Juno-Awards abgeräumt hat, dazu etliche Gold- und Platinauszeichnungen für Langspieler oder Singles in Kanada, zudem schon öfters in Europa unterwegs war. Man könnte also fast annehmen, dass die Kanadier zumindest bei mir total unter dem Radar geflogen sind, vielleicht ja auch bei vielen anderen. Da hätten wir dann schon mal den ersten kleinen Berührungspunkt zu J.J. Cale. Aufmerksam geworden auf THE SHEEPDOGS bin ich allerdings durch die Kurz-Info unseres Postoffice, denn da stand, dass die Kanadier so klingen, als wenn man im Jahr 1973 den Musikladen im TV angeschaltet hätte. Da ich ja eh auf diese Art von Musik stehe, musste ich mir natürlich die Scheibe für ein Review sichern. Leider ist es aber oft so, dass viele Bands, die sich diesem Stil, also das was man gemeinhin Classic Rock nennt, verschreiben, nur selten restlos überzeugen. Zu viel gewollt, zu belanglos, keine "richtigen" Songs, fehlerhafte Attitüde. Da ist man als Rezensent bei aller Euphorie über die Jahre zum sogenannten "gebrannten Kind" geworden und nähert sich eher vorsichtig einem neuen Album (vor allem, wenn man vorab nichts über die Band gehört hat, so wie in diesem Fall). Umso schöner dann aber, wenn man nach mehrmaliger Einfuhr von "Keep Out Of Storm" in Richtung Ahorn-Country vermelden möchte, dass THE SHEEPDOGS soeben einen neuen Fan hinzugewonnen haben.

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Klar hab' ich mich zunächst mal durch den Backkatalog der Jungs aus Saskatoon/ Saskatchewan gehört. Man möchte ja wissen, ob sich im Sound etwas Grundlegendes verändert hat seit den Anfangstagen. Ist hier nicht der Fall, wie ich mal vermelden möchte (sieht man davon ab, dass Ewan Currie, der Hauptsongwriter, seine Skills natürlich im Laufe der Jahre verbessert hat). Und der Sound ist allerdings auch - auf unser Magazin bezogen - ein Grund, warum THE SHEEPDOGS nur bedingt ein Fall für uns sind. Wie unser Postoffice schon so treffend anmerkte ist die Musik, die die Kanadier uns auftischen, irgendwie aus der Zeit gefallen beziehungsweise steckt in den frühen 70er Jahren und kratzt noch nicht mal an dem, was man gemeinhin Proto-Metal nennen darf. Aber hey, das waren zum Beispiel auch LYNYRD SKYNYRD nicht, und um die hat noch kein Metal-Mag einen weiten Bogen gemacht, weil sie nicht zur Zielgruppe passen könnten. Allerdings sind THE SHEEPDOGS im Vergleich zu den Südstaatlern sogar noch mal eine Ecke relaxter, und Blechbläser hätte man gar auf deren Alben nie gehört. THE SHEEPDOGS scheuen sich aber nicht, auch die dann einzubauen, wenn sie es passend finden. Selbst die Keyboards auf der Scheibe klingen nicht nach Hammond, sondern eher wie Heimorgel (Farfisa lässt grüßen), aber eben "zeitgemäß".

Schon der erste Song auf "Keep Out Of The Storm" gibt die Marschrichtung vor. 'Nobody But You' ist Classic Rock, wie er classicrockiger nicht sein könnte. THE SHEEPDOGS klingen hier wie eine Mischung aus LYNYRD SKYNYRD, THE ALLMAN BROTHERS und sogar die Solo-Sachen ihres Landsmannes Randy Bachman (BACHMAN TURNER OVERDRIVE). Beim direkt nachfolgenden Titelstück wird es bluesiger, auch wenn hier tatsächlich die härtesten Gitarrenriffs des Albums zu hören sind. Ein echtes kleines Kunststück gelingt dann mit 'I Do', erinnert mich tatsächlich an eine Kollaboration des britischen Glam mit entspannten Westcoast-Sounds. Als sei das noch nicht genug Wandlungsfähigkeit, legen die Kanadier bei 'Playing All Night Long' sogar noch einen drauf mit einem funky Groove (Stevie Wonder anyone?). Tja, und dann wären wir tatsächlich wieder bei J.J. Cale angekommen, denn ein Song wie 'Take A Look At Me Riding' hätte tatsächlich auf einer der ersten Scheiben des Godfathers des Laid Back eine mehr als passable Figur abgegeben. Selbst die Licks klingen hier authentisch. 'All I Wanna Do' und 'Bad For Your Health' nehmen dann noch mal ordentlich Fahrt auf im Vergleich, sind aber auch die (beinahe) letzten Nummer dieser Art, denn "Keep Out Of Storm" wird im letzten Drittel doch sehr (für viele vielleicht sogar zu sehr) ruhig und entspannt. 'Breezy' hört sich für mich nach einem tiefenenstpannten Neil Young an, 'The Owl' gar verträumt soulig, 'The Yellow Line' könnte manchem mit seinen Posaunen sauer aufstoßen, während 'Out All Night' noch mal nach oben ausschlägt, aber eben auch keine Härterekorde bricht (nettes Anziehen der Geschwindigkeit im hinteren Part, sehr lynyrdskynyrdisch). Das mag sich jetzt alles so anhören, als wäre "Keep Out Of The Storm" ein Album, das man links liegen lassen darf. Ist es aber nun wirklich nicht! Den Kanadiern ist in der Tat eine Scheibe gelungen, bei der man im positivsten Sinne des Wortes mitschwofen kann. Hier passt vom Songwritig über Attitüde und Authentizität alles super zusammen. Nicht unerwähnt bleiben soll die Produktion, die Ewan Currie selbst übernommen hat. Vor allem bei den Drums ist im das geradezu perfekt gelungen. Man sieht tatsächlich jeden Schlag des Drumsticks auf Snare, Tom oder HiHat vor seinem inneren Auge. So schon lange nicht mehr gehört.

Was bleibt also als Fazit? "Keep Out Of The Storm" könnte in der Tat für viele unserer Leserinnen und Leser, selbst die, die gut mit Classic Rock an sich auskommen, eine Spur zu entspannt sein. Die Scheibe strahlt aber tatsächlich eine gewisse Wärme aus, die man einfach ab und an mal braucht. Ewan Currie bringt das an sich ganz gut auf den Punkt, wenn er sagt: "We are all trying to weather the storms in our lives ... finding shelter, love, hope, and we find all of those in rock and roll. Don't let the title fool you. This record is full of light and love and guitars that rip, and sweet singing that moves you." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht noch, dass mir dieses Wohlfühlpaket von Album neun Wohlfühlpunkte wert ist.





Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01 Nobody But You
02 Keep Out Of The Storm
03 I Do
04 Playing All Night. Long
05 Take A Look At Me Riding
06 All I Wanna Do
07 Bad For Your Health
08 Breezy
09 The Owl
10 The Yellow Line
11 Out All Night
Band Website: www.thesheepdogs.com
Medium: CD, LP
Spieldauer: 42:48 Minuten
VÖ: 27.02.2026

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