Uuhai - Human Herds

Review von Rockmaster vom 22.02.2026 (1165 mal gelesen)
Uuhai - Human Herds Es kommt ausgenommen selten vor, dass in unseren Gefilden Musik aus den fernen Reitersteppen der Mongolei (oder aus Ulan Bator) im gestreckten Galopp aus den Boxen ins Wohnzimmer prescht. Auch das Angebot, ein entsprechendes Werk zu reviewen, ist ebenso schnell wie leichtfertig mit dem Gedanken "noch eine Band mit Exotenbonus" abgetan. Und dann betritt im Vorprogramm der Metalclowns NANOWAR OF STEEL eine siebenköpfige Kombo die Bühne und verwandelt das zuvor teils gelangweilte Publikum innerhalb von Sekunden in einen tobenden Mob. Und an der Stelle muss ich leider etwas vorgreifen und zwei schlechte Nachrichten kundtun: Das Album "Human Herds" ist wirklich gut, aber wer UUHAI nicht live gesehen hat, kennt sie nur halb. Und die Tour mit den italienischen Comedians ist leider bereits rum.

Anders als die hierzulande bekannteren THE HU, die 2016 von einem Produzenten mit klarer Vision und Masterplan zusammengestellt wurden und ihre Karriere im Studio vorbereiteten, sind UUHAI 2020 organisch aus der lokalen Musikszene hervorgegangen und machten zunächst vor allem mit intensiven Live-Performances auf sich aufmerksam – während THE HU bereits ihre ersten internationalen Erfolge feierten. Dabei könnte man beide Bands zumindest anhand der Instrumentierung beinahe verwechseln. Auch bei UUHAI sind die zwei traditionellen Pferdekopfgeigen (Morin Khuur) und der spirituelle Kehlkopfgesang (Khöömii), vorgetragen von Zorigoo Battsooj und Khurtsgerel Damiranjav, zentrale Bestandteile des Sounds. Saruul Tsogt-Erdene steuert die klaren Vocals bei, die häufig eher an Kriegsrufe denn an Folk Metal erinnern. Batbayar Dulamsuren spielt zwei mongolische Rahmentrommeln (Dun), deren tiefer, pulsierender Klang die rituelle Note der Musik verstärkt, auch wenn sie im Mix naturgemäß hinter dem Schlagzeug von Otgonbaatar Damba zurücktreten. Dalaitseren Nasanbuyan spielt die Gitarre, die mit den Pferdekopfgeigen im harmonischen Zusammenspiel die treibenden Riffs bildet, aus denen alle drei Saiteninstrumente immer wieder mit Leads und Soli ausbrechen. Bassist Anand Naranbaatar setzt aus der zweiten Reihe mit stoischer Ruhe die rhythmischen Akzente, die das erdige Fundament für die Musik der Band bilden.

Nach einzelnen online veröffentlichten Videos legen UUHAI nun ihr Debütalbum "Human Herds" vor. Bereits das Intro 'Beginning', das fast komplett ohne zusätzliche Keyboards oder Konserven eingespielt ist, zieht einen mit seiner Intensität und dem Zusammenspiel aus Instrumenten und meditativen Stimmen tief in seinen Bann. Der Titeltrack 'Human Herds' greift diese Vibes auf, um sich dann rhythmisch in eine galoppierende Hardrock-Hymne zu verwandeln. Komplett auf mongolisch gesungen (wie das gesamte Album) wird hier gleich der spirituelle Tenor gesetzt. Der Titel appelliert an die Vorfahren, beschreibt die Schönheit der Natur und ermahnt die Menschheit, sich besser um die weinende Mutter Erde zu kümmern, anstatt ihrer Zerstörung zuzusehen. Während insbesondere der im Klargesang vorgetragene Refrain wie ein eindringlicher Appell klingt, ziehen UUHAI auch aus dem Wechselgesang der drei Stimmen eine starke Intensität. In der zweiten Hälfte des Titels spielen sich die Morin Khuur und die Gitarre gegenseitig die Soli zu - und man erkennt bei den zweisaitigen Pferdekopfgeigen das Spiel mit hoher Saite (auch Stute genannt) und tiefer Saite (Hengst), das eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Es lässt sich unschwer erahnen, dass auch Titel wie 'Ancient Land' (und vermutlich auch alle anderen) tief in der Kultur der Mongolei verwurzelt sind. Auch 'Uuhai', das man wörtlich mit "Hurra" übersetzten könnte, das aber tatsächlich viel mehr bedeutet - als Schlachtruf und als Ruf nach Glück, besingt die Stärke des Landes, die in der Verbundenheit von Mensch und Natur wurzelt. Und natürlich dürfen alle am Ende "Uuhai, uuhai" mitsingen. Wie nun 'Dracula' in diesen Kanon passt, sei dahingestellt. Erwähnenswert ist die Nummer immerhin als die flotteste auf dem Album. Wer also gerne die - moderate - Härte von UUHAI ausloten möchte, sollte hier mal reinhören. 'Khurai' ("Bravo!", oder "Auf geht's!", allgemein ein bekräftigender Ausruf) ist ein wunderschöner Song, meditativ, tranceartig. 'Khar Khulz' ("schwarzer, aufbäumender Wind") ist ohne Zweifel die stärkste, vielseitigste Nummer auf "Human Herds". Rhythmisch variabel, mit einem weniger hooklastigen aber starkem Refrain und tollen Mitsingpassagen verfängt er sofort. Herrlich die wiehernde Morin Khuur gegen Ende. Dass 'Paradise' Assoziationen an den selbsternannten österreichischen Volks-Rock'n'Roller - was auch immer das sein mag - erinnert, was dem Rockmaster nicht so recht gefallen mag, wollen wir den Mongolen mal nicht anlasten. In ihrem Kontext hat der Titel zwar eine ganz andere Aura als der Rest des Albums, ist aber in sich stimmig. Die Schlussnummer 'Secret History Of The Mongols' ist nach dem ältesten erhaltenen literarischen Werk in mongolischer Sprache benannt, das auf die späten 1220er Jahre datiert wird. Und hier darf ein zweites Mal "Uuhai" mitgesungen werden. Wenn dann das Album rum ist, bleibt nur noch eins - ein großes WOW! Der Spagat zwischen Tradition und modernen Rock- und Metalklängen, der bei den Kollegen von THE HU teils etwas steif wirkt, funktioniert bei UUHAI ganz organisch als wären verzerrte Instrumente und Stromgitarren in der Mongolei ein ebenso alter Hut wie hierzulande. Der musikalische Ausdruck berührt einen, ohne dass man die Sprache verstehen muss. Der teils rituelle Aufbau der Gesänge und Refrains zieht einen in den Bann und will einen nicht mehr loslassen.



Wie eingangs erwähnt, sollte man sich UUHAI unbedingt (auch) live anschauen. Das Video von 'Khar Khulz' kann immerhin andeuten, was einen dabei erwartet. Saruul, der sich als Frontmann die Gesangsanteile mit Zorigoo und Khurtsgerel teilt, fungiert auf der Bühne gleichzeitig als Zeremonienmeister, der mit seiner expressiven Performance die Verbindung zwischen Band und Publikum herstellt. Die Energie, die Zorigoo und Khurtsgerel entfesseln, ist ebenso ansteckend wie die Leidenschaft Otgonbaatars, den nichts auf seinem Drumthrone halten kann. Anand ist dagegen meist ein Ruhepol auf der Bühne, abseits der Bühne z.B. am Merch ist er gar die Sanftmut in Person. Toll ist, wie gleichberechtigt die Stimmen und Saiteninstrumente untereinander agieren. Die archaische Energie der Live Performance in Bits und Bytes zu pressen, ist UUHAI auf "Human Herds" nur mit Abstrichen gelungen. Trotzdem eine pferdestarke Scheibe, deren Hufschlag noch lange nachhallt!

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Beginning (2:30)
02. Human Herds (4:04)
03. Ancient Land (4:57)
04. Uuhai (5:27)
05. Dracula (4:56)
06. Khurai (5:53)
07. Khar Khulz (3:43)
08. Paradise (5:17)
09. Uvdis (5:55)
10. Secret History Of The Mongols (4:20)
Band Website: www.uuhaiband.com/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 47:06 Minuten
VÖ: 09.01.2026

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