Sylosis - The New Flesh

Review von Rockmaster vom 22.02.2026 (1144 mal gelesen)
Sylosis - The New Flesh Frage ich Freunde nach SYLOSIS, bekommen sie von denen schnell das Label "Metalcore" aufgedrückt. Der moderne, kompakte Sound und entsprechende Stilmittel täuschen gerne darüber hinweg, dass die Briten vielschichtiger unterwegs sind, dass es nicht den EINEN SYLOSIS-Stil und -Sound gibt, und dass sie sich mit "The New Flesh" erneut neu orientiert haben. Vorausgegangen sind Besetzungswechsel nach der "The Path"-EP 2024. Conor Marshall ist nach dem Weggang von Alex Bailey vom Bass an die zweite Gitarre neben Mastermind Josh Middleton (Gitarre und Gesang) gewechselt, und den Viersaiter hat er Neuzugang Ben Thomas in die Hand gedrückt. Das ist vielleicht keine ausgiebige Frischzellenkur, aber zusammen mit einem neuen Ansatz beim Komponieren und Arrangieren, der sich schon beim Vorgänger "A Sign Of Things To Come" angedeutet hatte, hat sich der Stil merklich verschoben. Thrash-Pattern und Melodic Death-Elemente wurden zugunsten von Groove Metal-Riffs reduziert. Dabei war die Motivation, das Gefühl wiederzubeleben, wie man als Teenager den Verstärker aufgedreht hat und aus purer Euphorie und ungebändigter Energie Musik entstanden ist. Josh & Co. wollten das spielen, was ihnen wirklich Spaß macht - und was beim Publikum besser ankommt. Und die Bestätigung haben sie sich dann abgeholt, indem sie das neue Material live spielten. Zu "The New Flesh" legten sie dann noch eine Schippe drauf und buchten das Studio, bevor der letzte Feinschliff und die Arrangements fertig waren. Der Zeitdruck, berichtet Josh, habe die Band dazu angespornt, aus jedem Song etwas Unglaubliches zu machen. Passend zum veränderten Stil verbindet die Band mit dem Albumtitel einerseits den Stil, dessen Härte und Heavyness die Titel zu Begleithymnen des Gemetzels im Moshpit machen sollen. Andererseits geht es inhaltlich um unsere eigene Vergänglichkeit, und hier zieht Josh einen ziemlich weiten Bogen bis hin zu David Cronenbergs "Videodrome" und dem Zitat "All hail the new flesh!"

Der Opener 'Beneath The Surface' donnert zunächst noch ziemlich in Thrash-Manier aus den Lautsprechern, Ali Richardson hetzt die Jungs mit ballernden Drumattacken vor sich her. Aber schon ab dem ersten Drittel wechselt er einige Male die Pace, um immer wieder in treibenden Groove zu verfallen. 'Erased' nimmt diesen Groove gleich auf, und damit ist das Markenzeichen von "The New Flesh" klar gesetzt. Die Gitarren sind mit schweren Riffs die melodieführenden Instrumente, was bei Joshs typischen, harschen Vocals wenig überraschend ist. Anders als früher setzt er aber häufiger und selbstbewusster auch melodischen Gesang ein und verpasst der Nummer damit die Hook des Albums. Mit 'All Glory, No Valour' und 'Spared From The Guillotine' haben SYLOSIS noch zwei fiese Thrash-Attacken am Start, aber dazwischen hört man deutliche Modern Metal- und Metalcore-Anleihen heraus. Insbesondere die Stimmverzerrung durch Kompression (und andere Techniken) im Klargesang von 'Lacerations' passt da ins Schema, während 'Mirror Mirror' mit seiner kalten Metalcore-Aggression hervorsticht. Mit 'Everywhere At Once', in dem Josh seine Unruhe als Vater thematisiert, der seine jungen Kinder zurücklässt, um auf Tour zu gehen, haben SYLOSIS wohl ihre erste Ballade aufgenommen. Zwar sind die Melodien schön und passen auch irgendwie ins SYLOSIS-Universum - jedoch vermisse ich Momente, die echte Emotionen transportieren. Dazu ist der Gesang zu indifferent und die härteren Passagen eskalieren zu kompromisslos. 'Circle Of Swords' kommt noch mal mit einer klaren Death Metal-Kante daher, 'Seeds In The River' schließt den Bogen mit dem neuen Groove und Metalcore-Elementen. Auf beinahe allen Titeln fallen die gelungenen Gitarrensoli und -leads auf, die im Vergleich zu früheren Werken teils kürzer ausfallen und weniger technisch, dafür mehr songdienlich sind.

Metalheads, die rein "klassisch" unterwegs sind, dürften mit der kontrollierten, kalten Aggression, die sich in den Titeln von "The New Flesh" wiederfindet, nicht warm werden. Aber trotz einem Cast, der dreimal so lang ist wie die Diskographie, beweisen SYLOSIS, dass sie eine unausweichliche Instanz im Metal der 2000er sind, die mit ihrer aktuellen Scheibe eine neue Richtung einschlagen, und deren zukünftige Werke man mit Spannung erwarten kann.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Beneath The Surface (4:23)
02. Erased (4:59)
03. All Glory, No Valour (3:21)
04. Lacerations (5:07)
05. Mirror Mirror (3:46)
06. Spared From The Guillotine (4:05)
07. Adorn My Throne (4:28)
08. The New Flesh (4:15)
09. Everywhere At Once (5:38)
10. Circle Of Swords (4:03)
11. Seeds In The River (5:37)
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 49:43 Minuten
VÖ: 20.02.2026

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