Archvile King - Aux Heures Désespérées | |
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| Review von Froosti vom 02.02.2026 (764 mal gelesen) | |
Zahlreiche Black Metal-Veröffentlichungen entfalten ihre volle Wirkung, wenn man sich ihnen allein hingibt und in ihnen versinkt. Das heimische Sofa oder ein Spaziergang durch den aktuell vereisten Wald bieten sich an. Das ist eine der besten Eigenschaften des Black Metals, aber auch ein wenig der Fluch vieler Bands. Was auf Platte funktioniert, findet oftmals nur schwer den Weg auf die Bühne. ARCHVILE KING veröffentlichen mit "Aux Heures Désespérées" ihr zweites Album, und bereits das Cover-Artwork von David Thiérrée lockt mich an. Als Liebhaber der Videospiele von FromSoftware erinnert mich das Bild schon stark an die schönsten Seiten von Elden Ring. Dem Solo-Projekt von Mastermind Baurus gelingt dabei genau der Tanz auf Messers Schneide. Das Album funktioniert auf der Couch und schreit dabei nach der Bühne.Auf ihrer Debüt-EP "Vile" von 2020 wüteten ARCHVILE KING noch im düsteren Thrash Metal mit Black Metal-Anleihen. Davon ist heute nicht mehr viel geblieben und wir kriegen eine melodische Black Metal-Keule ins Gesicht geknallt. Bei der Gitarrenarbeit lassen sich die Thrash-Elemente noch am ehesten verorten. Wo normalerweise eisige Gitarren am Sägen sind, findet man hier treibende, ja fast schon groovende Riffs. Das sorgt für den sprichwörtlichen Tritt in den Arsch, den man beim Thrash Metal gerne mitnimmt. Allerdings ist das nicht alles, was die Gitarrenfraktion zu bieten hat. Melodische Spielereien werden nicht ausgelassen, egal ob es ein kurzes Solo oder ein episches Intro wie bei 'Le Chant Des Braves' ist. In 'Sépulture' tritt man sogar komplett auf die Bremse und verzaubert den Mittelteil mit einem ruhigen, akustischen, ja fast schon verträumten Zwischenspiel. So viel Abwechslung erhält man selten. Auch abseits der Gitarren weist die Instrumentalfraktion das richtige Gespür auf. Besonders das Schlagzeug trifft immer den richtigen Punkt. Mal passt es sich dem Groove der Gitarren an und gibt diesen den benötigten Raum. Mal knallt es ohne Gnade nach vorn und walzt einen platt. Ein anderes Mal nimmt es sich aber auch zurück und die Atmosphäre kann sich vollends entfalten. Die Produktion der Platte fördert dies noch, auch wenn ich mir ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht hätte. Es muss kein Lo-Fi-Sound entstehen, aber etwas roher gäbe dem Album den letzten Schliff. Um, wie oben genannt, auf der Couch in ein Album versinken zu können, braucht es eine fesselnde Atmosphäre. Dies gehen ARCHVILE KING dezenter an als ihre Genrekollegen. Auf einer Seite erzeugen die melodischen, abwechslungsreichen Gitarren einen epischen Sound. Auf der anderen Seite greifen sie nicht auf einen breiten Keyboard-Teppich zurück, um das weiter auszubauen. In bester Dungeon Synth-Manier findet das Keyboard immer wieder seinen Einsatz als Intro oder Interlude. Lediglich im letzten Track '… Et Aux Hommes Misérables' wird es zur vollen Größe aufgefahren. Ein paar Naturgeräusche, wabernde Drones und ein Dungeon Synth-Keyboard sind ein würdiger Abschluss. Mastermind Baurus weiß genau, wie er seine Elemente miteinander verweben muss, um eine dichte Atmosphäre zu erschaffen. Um aber auch auf der Bühne gut zu funktionieren, benötigt es noch etwas mehr als das. Dieses Etwas mehr liefern ARCHVILE KING uns über den Gesang. Dreckig und mit viel Wucht werden uns die Texte ins Gesicht gespuckt. Dabei wird das typische Black Metal-Gekeife mit einer Prise Thrash und Punk gewürzt. Dieses ranzig rohe Gefühl trifft mich ohne Vorwarnung und lässt mich mit einem Grinsen im Gesicht zurück. Im Zusammenspiel mit den treibenden Gitarren krieg ich direkt Lust, mir meinen Nacken vollkommen zu versauen. Auch wenn ich kein Wort der französischen Texte verstehe, ertappe ich mich dabei, bereits nach dem zweiten Durchlauf mitzugrölen. Besonders 'Le Chant Des Braves' mit seinen Gangshouts hat es mir angetan. Dass die Songs auch noch recht catchy sind, sorgt für den Rest und ich hoffe, dass das Solo-Projekt seinen Weg auf die deutschen Bühnen finden wird. Mit starker Gitarrenarbeit, treibenden Grooves, punktgenauem Schlagzeug, hoher Abwechslung und einer intensiven, aber nie überladenen Atmosphäre überzeugt "Aux Heures Désespérées" von der ersten Sekunde an. Der dreckige, energetische Gesang ist gleichermaßen fesselnd wie eingängig. Trotz kleiner Mängel beim Mix bleibt ein äußerst überzeugendes Werk, das Lust auf eine Live-Umsetzung macht und zeigt, dass ARCHVILE KING genau wissen, wie man Atmosphäre und Durchschlagskraft vereint. Fans von Bands wie GROZA oder UADA sollten definitiv ein Ohr riskieren. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Riposte 02. Le Chant Des Braves 03. L'Excusé 04. Le Carneval Du Roi Des Vers 05. Sépulture 06. Aux Heures Désespérées 07. À Ces Batailles Abandonnées 08. … Et Aux Hommes Misérables | Band Website: archvileking.bandcamp.com Medium: CD, DLP Spieldauer: 46:43 Minuten VÖ: 23.01.2026 |
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Zahlreiche Black Metal-Veröffentlichungen entfalten ihre volle Wirkung, wenn man sich ihnen allein hingibt und in ihnen versinkt. Das heimische Sofa oder ein Spaziergang durch den aktuell vereisten Wald bieten sich an. Das ist eine der besten Eigenschaften des Black Metals, aber auch ein wenig der Fluch vieler Bands. Was auf Platte funktioniert, findet oftmals nur schwer den Weg auf die Bühne. ARCHVILE KING veröffentlichen mit "Aux Heures Désespérées" ihr zweites Album, und bereits das Cover-Artwork von David Thiérrée lockt mich an. Als Liebhaber der Videospiele von FromSoftware erinnert mich das Bild schon stark an die schönsten Seiten von Elden Ring. Dem Solo-Projekt von Mastermind Baurus gelingt dabei genau der Tanz auf Messers Schneide. Das Album funktioniert auf der Couch und schreit dabei nach der Bühne.
