Sykofant - Leaves | |
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| Review von Rockmaster vom 31.01.2026 (668 mal gelesen) | |
Die Geschichte von SYKOFANT begann mit nächtlichen Jam Sessions im Probekeller in Oslo ungefähr um 2020 herum, in denen die Gitarristen Emil Moen (auch Gesang) und Per Semb einfach mal drauflos spielen und Genregrenzen einreißen wollten. Schlagzeuger Melvin Treider und Bassist Sindre Haugen vervollständigten das Projekt bald zu einer Band. Bis zum Debüt "Sykofant" 2024 dauerte es noch eine Weile, seitdem erschien die EP "Red Sun", und nun liegt die zweite EP "Leaves" vor, die inhaltliche Bezüge zum Vorgänger hat und die im Frühjahr als Zusammenstellung "Red Sun Leaves" noch einmal erscheinen soll.Musikalisch ist "Leaves" kaum zu packen - der Vorsatz, sich nicht an handelsübliche kompositorische Konventionen oder Stilmerkmale zu halten, zieht sich konsequent durch die ganze Scheibe. Auf den gerollten Akkord zu Beginn von 'Roots And Canopy' würde es zunächst nicht verwundern, wenn gleich David Gilmour "Welcome my son" anfinge zu singen. SYKOFANT halten sich aber nicht lange mit musikalischen Zitaten auf, sondern entwickelt kunstvoll eine Geräuschkulisse, die einen an die Stille des Waldes erinnern kann, in dem man sich unter dem Blätterdach verloren hat, und die nur vom Wind und von Tiergeräuschen unterbrochen wird - bis die innere Ruhe dem Gefühl weicht, der Wald würde einen beobachten. Die plötzliche Unruhe und schneller werdende Schritte spiegeln sich in der Climax am Ende des Titels wieder. 'Mycellium March' wechselt die Perspektive. Statt des einsamen (beobachteten) Beobachters wird in dem Instrumental der Wald zum Protagonisten - beziehungsweise das Mycel, das Pilzgeflecht, das mit den Wurzeln der Bäume einen symbiotischen Organismus bildet. Musikalisch wird der "Marsch" durch funkigen Rhythmus und härtere Gitarrenriffs dargestellt. Den Widerspruch zwischen dem starren, an den Boden gebundenen Mycel und der Vorstellung eines Marsches mit der textlichen und musikalischen Bildsprache der EP in Einklang zu bringen ist schon ein wenig herausfordernd, und zwar auf eine inspirierende Art und Weise. Man könnte sich den Waldboden als Spiegel zwischen zwei Welten vorstellen, in denen der Wald - als spirituelles Wesen verstanden - den Schritten des verirrten Wanderers spiegelbildlich folgt. Auch die Idee, dass Pilze alles Vergängliche irgendwann wieder vereinnahmen und in den Kreislauf des Lebens zurückführen, würde passen. In 'Heart Of The Woods', dem Herzen des Waldes, das im Artwork als Lichtung mit einem markanten Felsen in der Mitte illustriert ist, verschwimmen dann alle Wahrnehmungen und Perspektiven. Ruhige Gitarrenklänge wie einzelne Lichtstrahlen durchs Blätterdach wecken die Hoffnung, das Ziel der Wanderung erreicht zu haben - um dann alle seine Träume unter dem Stein in der Lichtung begraben zu finden. Die Erzählweise des überlangen Titels erinnert ein wenig an das dramaturgische Storytelling der (frühen) MARILLION. Während die Worte wiedergeben, wie der Wanderer am Ende seiner Reise sich in sich selbst und im Walde verloren hat und alles hinter sich gelassen hat, erreicht die Musik einen dramatischen Höhepunkt. Und wenn dann ruhig und mit engelsgleichen Chören die Musik ausklingt, drängt sich der Gedanke auf, dass die ganze Erzählung der Wanderung im Wald vielleicht nur eine Allegorie auf das eigene Leben war. So wie es aussieht, muss man die Werke von SYKOFANT, oder zumindest "Leaves", als Gesamtkunstwerk betrachten, bei dem sich Worte von Illustrationen und Musik nicht trennen lassen. Das ist anspruchsvoll, wenn man es ernst nimmt. Andererseits taugt die Musik auch, wenn man mal den Geist eher abschalten will, als meditative akustische Begleitung. Dass die drei Titel der EP noch einmal als durchgängiger Mix vertreten sind, habe ich so noch nicht erlebt. Das könnte den digitalen Veröffentlichungen geschuldet sein, damit der geneigte Zuhörer zum einen das ganze Werk am Stück auswählen kann (anstatt durch eine vom Algorithmus vorgeschlagene Playlist unterbrochen zu werden) und das zum anderen ohne Knackser und Unterbrechungen bei den Übergängen von einem Titel zum anderen geht. Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Roots And Canopy (3:52) 02. Mycelium March (2:35) 03. Heart Of The Woods (16:24) 04. Leaves Ep (alle drei Titel nochmal am Stück) (22:49) | Band Website: www.sikofant.com Medium: EP Spieldauer: 22:51 Minuten VÖ: 26.01.2026 |
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Die Geschichte von SYKOFANT begann mit nächtlichen Jam Sessions im Probekeller in Oslo ungefähr um 2020 herum, in denen die Gitarristen Emil Moen (auch Gesang) und Per Semb einfach mal drauflos spielen und Genregrenzen einreißen wollten. Schlagzeuger Melvin Treider und Bassist Sindre Haugen vervollständigten das Projekt bald zu einer Band. Bis zum Debüt "Sykofant" 2024 dauerte es noch eine Weile, seitdem erschien die EP "Red Sun", und nun liegt die zweite EP "Leaves" vor, die inhaltliche Bezüge zum Vorgänger hat und die im Frühjahr als Zusammenstellung "Red Sun Leaves" noch einmal erscheinen soll.
