Gorrch - Stillamentum | |
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| Review von Chaosswampchicken vom 31.01.2026 (548 mal gelesen) | |
Das aus Cavaso del Tomba in Italien stammende Black Metal-Duo GORRCH führt den Hörer auf seinem zweiten Album "Stillamentum" durch düstere, introspektive Seelenlandschaften und persönliche Abgründe. Die Musik entfaltet sich als surreale Reise, die weit über bloße existenzielle Beklemmung hinausgeht und eine beklemmende innere Spannung aufbaut. Obwohl die klangliche Grundausrichtung Fans des dissonanten und avantgardistischen Black Metal vertraut erscheinen dürfte, gewinnt "Stillamentum" seine besondere Faszination aus dem riskanten Wechselspiel zwischen nervenzerreißender Intensität und unheilvoll hymnischen Momenten. Rasende, psychisch fordernde Attacken treffen unvermittelt auf Phasen fatalistischer Ruhe, getragen von beschwörenden, beinahe gesungenen Passagen. In dieser konzentrierten Form entfaltet das Album eine ebenso eindrucksvolle wie verstörende Wirkung: von Verzweiflung durchzogene Klangstrukturen ziehen den Hörer in einen Strudel aus Abstieg, Auflösung und ruheloser innerer Unruhe. GORRCH wurden 2010/2011 von zwei Brüdern ins Leben gerufen, die zuvor bereits in der Death Metal-Band INVERTED (später INVERTED MATTER) aktiv waren, und traten seitdem in zahlreichen weiteren Projekten in Erscheinung, darunter STRIX und TENEBRAE IN PERPETUUM. Stilistisch werden sie dem dissonanten Black Metal zugerechnet. Von Beginn an war ihre Musik chaotisch, unbarmherzig und dunkel, doch hinter der rohen Aggression zeichnete sich eine Entwicklung ab: Von der eher "orthodoxen", kalten Intensität der selbstbetitelten EP "Gorrch" (2013), inspiriert vom norwegischen Black Metal, hin zu einem immer komplexeren und vielschichtigeren Sound, der mit jeder Veröffentlichung neue Nuancen enthüllt. "Stillamentum" ist ein Album, das von boshafter Dunkelheit und intensiver emotionaler Wucht durchzogen ist. Jeder Song besticht durch eine präzise technische Umsetzung, die gleichermaßen erschöpfend und gnadenlos wirkt. Rasend schnelle Passagen kanalisieren rohes, ungestümes Chaos in einem fast chirurgischen Angriff, der die Präzision so mancher Tech-Death-Band in den Schatten stellt. Wenn GORRCH das Tempo drosseln, verschiebt sich der Fokus auf atmosphärische Elemente. In diesen Momenten entfalten die Songs eine beklemmende Tiefe, in der bösartige Stimmungen und düstere Klanglandschaften den Hörer gefangen nehmen. Die Wechsel zwischen unbarmherziger Aggression und unheilvoller Ruhe verleihen dem Album eine nervenaufreibende Dynamik, die gleichermaßen verstört wie fasziniert und die komplexe Vielschichtigkeit des Black Metal-Duos eindrucksvoll unterstreicht. Von der ersten Sekunde an macht das Album klar, dass hier keine Kompromisse gelten. Es umfasst sechs Songs, und gleich der Opener 'Nimbus' entfaltet eine aggressive, erschütternde Intensität, die den Hörer sofort in ihren Bann zieht. Die Vocals dominieren hochfrequente Black Metal-Screams, während die Musik teils stark dissonant wirkt und gelegentlich melodische Riffs in die Klangstrukturen eingebunden werden. Jeder Takt steigert die Dringlichkeit, die Gitarren winden sich wie ein dichter Nebel um Schlagzeug und Bass, bis eine massive Wand aus Klang entsteht, die förmlich erdrückt. 'Vorago' knüpft nahtlos an, hält Tempo und Härte auf hohem Niveau und lässt die rasende Energie ungebremst weiterwirken. Die Songs wirken wie ein unaufhaltsamer Sturm: präzise, gnadenlos und gleichzeitig überwältigend. Die dichte Gitarrenwand verstärkt die beklemmende Wirkung, zieht den Hörer tief hinein in den Strudel aus roher Gewalt, drängender Intensität und hypnotischer Wucht. Ab der Albumhälfte verliert "Stillamentum" nichts von seiner Intensität, gerät jedoch zunehmend in ein rhythmisches Gleichmaß. Dieses entsteht vor allem durch das dominante Rhythmusgitarrenspiel, das die Klangsprache stark prägt und die Songs enger miteinander verzahnt, als es der Dramaturgie des Albums guttut. Der Übergang von 'Cryptae' zu 'Angor' lässt beide Stücke in sehr ähnlichen atmosphärischen Bewegungen ineinanderfließen. Zwar sorgen feine Details wie aufwallende Leadgitarrenmotive oder hymnisch anmutende Passagen für Nuancen, doch in ihrer Gesamtwirkung bleiben die Tracks vergleichbar. Für manche Hörer mag genau diese Konsequenz und stilistische Geschlossenheit ein Pluspunkt sein, da sie die dichte, beklemmende Atmosphäre weiter verstärkt. Für andere kann dieses Gleichmaß jedoch mit der Zeit ermüdend wirken, da klare Kontraste und erinnerungswürdige Höhepunkte seltener werden. So erreicht die zweite Albumhälfte nicht ganz die Durchschlagskraft und Spannung der ersten. Erst der Abschlusstrack 'Phlegma' durchbricht dieses Muster mit unerwarteten rhythmischen Wendungen und verleiht dem Album in seinem letzten Abschnitt noch einmal frische Impulse, die den zuvor aufgebauten Sog aufbrechen. Für einige Hörer liegt genau in dieser Konsequenz und stilistischen Geschlossenheit ein Reiz, da sie die beklemmende Atmosphäre konsequent weiterträgt. Andere könnten das vorherrschende Gleichmaß jedoch als ermüdend empfinden, da markante Kontraste und nachhaltig prägende Momente zunehmend in den Hintergrund rücken. So bleibt die zweite Albumhälfte in ihrer Wirkung etwas hinter der Intensität des Beginns zurück. Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 1. Nimbus 2. Vorago 3. Larvæ 4. Cryptæ 5. Angor 6. Phlegma | Band Website: https://gorrch.bandcamp.com/ Medium: LP Spieldauer: 37:19 Minuten VÖ: 30.01.2026 |
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