The Eternal - Celestial

Review von Chaosswampchicken vom 27.01.2026 (1574 mal gelesen)
The Eternal - Celestial Trifft man auf eine für einen bislang unbekannte Band, nähert man sich ihr meist vorsichtig. Man möchte zunächst einen Eindruck gewinnen, ohne sich sofort vollständig in deren Klangwelt zu stürzen. Beim Durchsehen der Promo-Liste blieb mein Blick schließlich an THE ETERNAL hängen. Die Beschreibung ihres Stils als "progressiver Gothic Doom Metal" klang gleichermaßen vielversprechend wie geheimnisvoll - eine Kombination, die mich neugierig machte, deswegen entschied ich mich, der neuen EP "Celestial" eine Chance zu geben und mich auf eine weitere musikalische Reise einzulassen. Obwohl THE ETERNAL bislang eher im Hintergrund der Szene agieren, ist ihr Schaffen alles andere als unbedeutend. Die Band stammt aus Melbourne, Australien, und wurde bereits 2004 ins Leben gerufen. Seitdem hat sich die Formation über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterentwickelt und dabei ihren eigenen, unverwechselbaren Klang verfeinert. Sieben Studioalben sind in dieser Zeit entstanden, zuletzt das 2024 erschienene "Skinwalker". Dieses jüngste Werk steht sinnbildlich für die künstlerische Beständigkeit der Band und zeigt, dass THE ETERNAL auch nach all den Jahren nichts von ihrer kreativen Ausdruckskraft eingebüßt haben.

Mit "Skinwalker" öffnete sich für THE ETERNAL erstmals spürbar die Tür zum europäischen Metal-Publikum, nicht zuletzt durch die Veröffentlichung über Reigning Phoenix Music. Das Album markierte damit einen wichtigen Schritt in der internationalen Wahrnehmung der Band. Rund eineinhalb Jahre später folgt nun die EP "Celestial", die das kreative Potenzial der Australier erneut unter Beweis stellt. Die Veröffentlichung umfasst ein atmosphärisches Intro, vier neue Songs sowie einen Remix von 'Everlasting', einem Stück vom zweiten Album "The Sombre Light of Isolation" der Band. Damit verbindet "Celestial" frisches Material mit einem Blick zurück auf frühere Schaffensphasen und schlägt zugleich eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart von THE ETERNAL.

Mit ruhigen Klängen und schwerer Atmosphäre startet EP "Celestial"


Das Album verströmt trotz seiner durchgehend düsteren Grundstimmung einen eigentümlichen Reiz. Der Opener 'An Absence Of Light' ist ein kurzes Instrumentalstück, das mit klagenden Violinenmelodien über dezenten Glocken- und Klangspielakzenten eine melancholische und ruhige Atmosphäre aufbaut. Ihr eigentliches Gesicht zeigt die EP jedoch mit dem nachfolgenden 'Celestial Veil'. Der Song entfaltet sich als emotionaler, gitarrengetriebener Rocktrack, der gekonnt zwischen zurückgenommenen, melodischen Momenten und kraftvolleren Passagen wechselt. Vor allem der eindringliche Chorus bleibt sofort im Gedächtnis und verleiht dem Stück eine besondere Präsenz innerhalb der düsteren Grundatmosphäre der Veröffentlichung. Stark erinnert der Song an die klassischen Muster von BLACK SUN AEON und DAWN OF SOLACE. Eine Atmosphäre aus schwebender Melancholie und einer beinahe wehmütigen, erschöpften Dekadenz durchzieht das gesamte Album. Dichte Synthesizerflächen im Hintergrund verleihen den kantigen Rhythmusgitarren und den in Moll gehaltenen Leads zusätzliche Tiefe, während Mark Kelson mit seinem warmen, rauchigen Baritenor den Hörer förmlich in einen tranceartigen Zustand versetzt. Die EP erreicht mit 'It All Ends' einen ihrer emotionalen Höhepunkte. Besonders in der zweiten Hälfte treten die Gitarren in den Vordergrund und entfalten ein beeindruckendes Maß an Virtuosität und Ausdruckskraft. Die Vocals bleiben dabei melancholisch und erhaben - eine Stimme, die sofort fesselt und jeden Ton mit spürbarer Tiefe füllt. Die Kombination aus orchestraler Dichte, einprägsamen Melodien und sorgfältig gesetzten Tonartwechseln lässt den Song lebendig werden und lädt geradezu dazu ein, sich von ihm mitreißen zu lassen. Gegen Ende steigert ein Chor die Dramatik noch einmal und verstärkt die epische Wirkung. In dieser Hinsicht erinnert 'It All Ends' an KATATONIAs 'Wind Of No Change': eine kunstvoll komponierte Hommage, die sowohl die musikalische Reife der Band als auch ihr Vermächtnis in der Szene feiert.

Mit THE ETERNAL auf eine Reise durch Klang und Schatten


Das unangefochtene Highlight der EP ist jedoch 'Casting Down Shadows'. Dieser Track übertrifft die Schwermut und den Doom der vorherigen Stücke und fügt durch subtile orientalische Einflüsse eine zusätzliche, beinahe schneidende Aggression hinzu. Das Schlagzeug treibt das Stück unaufhaltsam voran: kraftvoll, präzise synkopiert und dabei erstaunlich melodisch konsistent. Besonders auffällig sind die Keyboards, die hier deutlich stärker ins Rampenlicht treten als auf den anderen Songs der EP. Sie verleihen dem Stück eine atmosphärische Tiefe, die zugleich düster und faszinierend ist. 'Casting Down Shadows' bildet einen kraftvollen Abschluss der zentralen Themen, die THE ETERNAL auf "Celestial" erkunden: Melancholie, Doom, emotionale Intensität und musikalische Komplexität verschmelzen zu einem letzten, intensiven Höhepunkt. Ein Song, der sich voll und ganz genießen lässt und die Stärken der Band in konzentrierter Form präsentiert. Mit einer Laufzeit von 28 Minuten wirkt "Celestial" weit umfangreicher, als es das Format einer EP zunächst vermuten lässt. Die Vielzahl an Themen, Stimmungen und musikalischen Details verleiht der Veröffentlichung beinahe den Charakter eines kompakten Albums. Dass gleich zwei Songs die Sechs-Minuten-Marke überschreiten, unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich und gibt den Kompositionen Raum, sich organisch zu entfalten. Oft dienen EPs dazu, neue Ideen anzutesten oder konzeptionelle Ansätze vorzubereiten, die später auf einem regulären Album vertieft werden. Auch hier scheint dieser Gedanke mitzuschwingen: Vor allem 'Casting Down Shadows' deutet an, dass THE ETERNAL progressive Elemente künftig stärker betonen könnten. Eine Entwicklung in eine klangliche Richtung, die entfernt an Bands wie MYRATH erinnert, würde das ohnehin vielschichtige Spektrum der Australier noch einmal erweitern. Verstärkt wird dieser Eindruck durch 'Everlasting MMXXVI', eine Neuaufnahme eines Songs vom 2005 erschienenen "Sleep Of Reason". Die Orchestrierung dieses Stücks ruft Assoziationen zu "Eldritchs Cracksleep" hervor, einem Album, das für seine emotionalen Vocals bekannt ist. Auch wenn THE ETERNAL vermutlich nicht diesen Weg einschlagen werden, besitzt diese Neuinterpretation einen eigenständigen Charakter, der sie deutlich von den übrigen Songs der EP abhebt. So wirkt 'Everlasting MMXXVI' beinahe wie ein Ausblick - ein vorsichtiger Hinweis darauf, wohin die musikalische Reise der Band als Nächstes führen könnte.

Fazit


"Celestial" präsentiert sich als eine bemerkenswert starke EP, die deutlich macht, dass THE ETERNAL weiterhin kreativ in Bewegung sind. Die Veröffentlichung zeigt eine Band, die ihren etablierten Sound sicher beherrscht und zugleich bereit ist, neue musikalische Akzente zu setzen. Diese Balance aus Vertrautem und Weiterentwicklung verleiht der EP eine klare Identität und macht sie zu einem überzeugenden Zwischenschritt in der Diskografie der Australier. Für diejenigen, die THE ETERNAL bislang nicht intensiv verfolgt haben, bietet "Celestial" einen idealen Einstiegspunkt. Gleichzeitig weckt sie das Interesse, die früheren Werke der Band zu erkunden und ihre Entwicklung über die vergangenen zwei Jahrzehnte nachzuvollziehen. Als eigenständige Veröffentlichung funktioniert die EP hervorragend - und als Ausblick auf das, was noch kommen könnte, macht sie definitiv neugierig.

Gesamtwertung: 8.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. Absence Of Light
02. Celestial Veil
03. It All Ends
04. Bleeding Into Light
05. Casting Down Shadows
06. Everlasting MMXXVI
Band Website: www.the-eternal.com/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 27:52 Minuten
VÖ: 16.01.2026

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten